SFB 1266 - TransformationsDimensionen

F3: Dynamik der Pflanzenökonomie in prähistorischen und archaischen Gesellschaften



Projekt F3 untersucht Innovationen im Pflanzenbau und Veränderungen im Konsum von Pflanzen als Nahrungsmittel in der späteren Urgeschichte, vom Neolithikum bis zur Eisenzeit (6. bis 1. Jahrtausend v. Chr.), anhand von Pflanzengroßresten, die aus archäologischen Grabungsbefunden in Norddeutschland, der Westslowakei, Ungarn und Serbien gewonnen wurden. In der ersten Projektphase (2016-2020) wurden karpologische Reste wie Samenkörner und Früchte (Abb. 1) anhand ihrer morphologischen Eigenschaften bestimmt und einer Multi-Proxy-Analyse unterzogen, welche die Grundlage für eine Rekonstruktion der früheren Rolle und Bedeutung verschiedener Pflanzen für die damaligen Gemeinschaften bietet. Die Analyse integriert folgende Proxies: agrarökologische Zeigereigenschaften der Pflanzen, absolute Menge und Auftretenshäufigkeit ihrer Reste, der archäologische Kontext (Taphonomie und Assoziation mit anderem archäologischem Fundmaterial) sowie stabile Isotopenzusammensetzung und 14C-Alter.

Verkohlte Rispenhirse SamenAbb. 1: Körner von Rispenhirse aus der spätbronzezeitlichen Fundstelle Wismar-Wendorf, Deutschland, deren stabile C- und N-Isotopenverhältnisse bestimmt wurden (Foto: Dragana Filipović).

Die mithilfe der Proxies analysierten Untersuchungsgrößen sind die Art und Weise, wie Pflanzen angebaut, verarbeitet, gelagert und weggeworfen wurden; lokale und regionale Unterschiede in der Pflanzenverwendung; zeitliche Veränderungen in den Anbauregimen und Innovationen in der landwirtschaftlichen Praxis sowie Ergänzungen des Repertoires an Nutzpflanzen in den Untersuchungsregionen. Hierbei wurden Kontinuität, aber auch zeitliche Diversifizierung der agrarischen Entscheidungen und Pflanzennutzung festgestellt.

Arbeitsgebiet F3Abb. 2: Untersuchungsregion und Referenzfundstätten des Teilprojekts F3.

In der zweiten Phase des Projekts (2020-2024) werden Korrelationen und Kausalzusammenhänge zwischen den in der landwirtschaftlichen Praxis beobachteten Tendenzen und den gleichzeitigen Veränderungen und Entwicklungen in Paläoumwelt, Technologie, Ideologie und sozialer Organisation untersucht. Dies geschieht auf lokaler und regionaler Ebene und aus einer langfristigen zeitlichen Perspektive heraus. Zudem wurde das Untersuchungsspektrum auf das Fundmaterial der Reste verarbeiteter Nahrungsmittel, welche als Krusten an den Wänden von Keramikgefäßen haften oder in Form von amorphen verkohlten Resten vorliegen, erweitert (Abb. 3). 

Dieses Fundmaterial wird anhand seiner Anatomie und mithilfe der Rasterelektronenmikroskopie bestimmt. Dies erlaubt einen Einblick in das Zutatenspektrum vergangener Mahlzeiten sowie Techniken der Nahrungsmittelzubereitung und Essgewohnheiten prähistorischer Gesellschaften. In die beiden Aspekte der Studie - Produktion und Verzehr pflanzlicher Nahrungsmittel - wird eine experimentelle Komponente (Nahrungsmittelzubereitung) integriert, für die Interpretationen werden ethnographische Beobachtungen und Vergleiche herangezogen. 

SpeiseresteAbb. 3: Verkohlte Speisereste aus der bronzezeitlichen Siedlung von Kakucs-Turján mögött, Hungary (Foto: Sofia Filatova).

MITARBEITENDE

Dr. Jingping An

Institut für Ur- und Frühgeschichte

Johanna-Mestorf-Straße 2-6, R. 4
Telefon: +49 431 880-4460
Telefax: +49 431 880-7300
jingping.an@ufg.uni-kiel.de

Teilprojekt F3

Mihaela Golea

Institute of Archaeology “Vasile Pârvan”

11 Henri Coanda Street, 010667 Bucharest, Romania
mihaelas.golea@yahoo.com

Teilprojekt F3