SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Forschungsaktivitäten 2020-2024


F1: Klimabedingte Einschränkungen sozio-ökologischer Transformationen im westlichen Mittelmeerraum und mögliche Auswirkungen auf Mitteleuropa



Während der aktuellen Förderperiode hat sich das F1-Teilprojekt in erster Linie zwei Ziele gesetzt. Für Ersteres soll die bisherige Arbeit auf der südlichen iberischen Halbinsel ausgeweitet bzw. vertieft werden. Während der ersten Förderperiode lag der archäologische Fokus auf der Rekonstruktion von Bevölkerungsintensitäten der gesamten iberischen Halbinsel. Nachdem diese Daten auf einen scharfen Umbruch während des 4.2 Events im südlichen Iberien hingedeutet haben, soll nun untersucht werden wie im Detail der Umbruch ausgesehen hat bzw. sich ausgewirkt hat. Dafür werden wir insbesondere einen Blick auf die materielle Kultur und die Ideologie werfen. Außerdem haben wir uns zum Ziel gesetzt zusammen mit unseren portugiesischen Partnern sowie Kollegen innerhalb des SFB1266 durch aDNA-Analysen die genetische Geschichte der Region genauer zu untersuchen. Dadurch sind wir eventuell in der Lage zu klären, welche Rolle Pandemien oder Migration beim Umbruch während des 4.2 Events gespielt haben. 

Währenddessen wird von der paläoklimatischen Seite her der Versuch unternommen, den bisher eher spärlich bekannten marinen Reservoir-Effekt genauer zu betrachten. Dieser ist verantwortlich für einen signifikanten Altersunterschied zwischen marinen und terrestrischen Proben bei der Radiokarbondatierung. Mithilfe einer genaueren Abschätzung dieses Effektes erhoffen wir uns die Verknüpfung von unseren eigenen marinen Klimarekonstruktionen mit den archäologischen Daten zu verbessern. Insgesamt wollen wir außerdem die zeitliche Spanne unserer Untersuchungen auf das späte Neolithikum sowie die Bronzezeit ausweiten, um die Veränderungen während des 4.2 Events auch vor dem Hintergrund der längerfristigen Variabilität zu verstehen. Dafür planen wir zum einen die Literatur Recherche zu intensivieren aber auch neue archäologische und paläoklimatische Daten zu erheben.

Das zweite allgemeine Ziel ist schließlich auch den räumlichen Fokus auszuweiten. Dazu weiten wir unser Untersuchungsgebiet von der iberischen Halbinsel auf das heutige Frankreich aus. In erster Linie werden wir hier archäologische Daten (wie zum Beispiel Daten zur Bevölkerungsintensität) und paläoklimatische Daten zu Temperatur- und Niederschlagsentwicklung aus der Literatur Recherche beziehen. Aber im Laufe der zweiten Förderperiode sollen nach Möglichkeit auch eigene paläoklimatische Daten aus dem Golf von Lyon bzw. dem Rhone-Tal erhoben werden.

Neuigkeiten aus dem archäologischen Teil

Im Südwesten der iberischen Halbinsel gibt es eine zeitliche Überschneidung von dem 4.2 Event mit dem Ende der Kupferzeit. Der Vorgang ging von archäologischer Seite her zwar langsam vonstatten, gipfelte allerdings in dem Verlassen und Ende der für das Neolithikum und die Kupferzeit charakteristischen Grabenwerke (ditched enclosures) und ihrer materiellen Kultur. Unser Ziel ist es einen genaueren Blick auf diese Art von prähistorischen Siedlungen zu werden, um die Ideologie während ihrer finalen Phase besser zu verstehen. 

Dazu wurden in 2020 in Portugal kupferzeitliche Keramik und Idole aus den Grabenwerken aufgenommen. In 2021 ist zudem eine Kampagne im Grabenwerk „Perdigões“ geplant. Dort soll einer der Hauptgräben ausgehoben werden, um die Entwicklung dieser Siedlung noch besser zu untersuchen.

Luftbild Perdigões

Abbildung 1 – Luftaufnahme von Perdigões – einer der größten Grabenwerke der iberischen Halbinsel. Die Siedlungsgeschichte des Grabenwerks erstreckt über 1000 Jahre. Obwohl es häusliche Elemente wie beispielsweise Mahlsteine enthält, finden sich dort auch viele Gräber. Daher handelt es sich mutmaßlich um einen einzigartigen Ort, der als Treffpunkt oder Heiligtum gedient haben könnte.

Neuigkeiten aus dem paläoklimatischen Teil

Anfang 2021 bekamen wir von einem spanischen Kollegen Sedimentproben von der Algarve. Diese Proben sollen nun eingehend untersucht werden, um den marinen Reservoir-Effekt in der Region besser abschätzen zu können. Dazu sollen sowohl terrestrische Komponenten wie Holzkohle aber auch marine Spezies derselben Probe wie beispielsweise Muschelschalen oder Foraminiferen mit der Radiokarbon-Methode datiert werden. Am Ende erhalten wir hoffentlich wichtige Erkenntnisse über den regionalen Reservoir-Effekt und seine Entwicklung in den vergangenen ca. 5000 Jahren. Dadurch wären wir in der Lage unsere eigenen marinen Klimarekonstruktion besser mit terrestrischen Rekonstruktionen sowie den archäologischen Entwicklungen zu verknüpfen. 

Becher mit Probe eines Sedimentkerns

Abbildung 2 – Eine Probe eines Sedimentkerns von der Algarve, welche sowohl marine Muschelschalen als auch ein Holzkohlefragment enthält. Durch das datieren beider Materialen aus ein und derselben Probe sind wir in der Lage den marinen Reservoir-Effekt abzuschätzen.