SFB 1266 - TransformationsDimensionen

E4: Interregionaler Vergleich eisenzeitlicher Transformationen: vom mediterranen Etrurien bis zum baltischen Dänemark



Die Eisenzeit definiert eine Zeit bedeutender Transformationen. Dieses Projekt untersucht Transformationsprozesse auf transregionaler Ebene: von Zentralitalien, über Südwestdeutschland bis Dänemark.

All diese Regionen erfahren maßgebliche Transformationen in ihrer jeweiligen Eisenzeitchronologie. Diese zeigen sich im Umgang mit Landschaft und Umwelt, wie durch Siedlungsorganisation und -entwicklung. Ebenso können Veränderungen auf soziopolitischer und ökonomischer Ebene festgestellt werden.

In Zentralitalien markiert eine maßgebliche Veränderung der Siedlungsmuster den Übergang von Bronze- zu Eisenzeit. Dies führt zu einer graduellen Konsolidierung von Siedlungen auf Hochplateaus in der heutigen Toskana, Latium, aber auch in Umbrien und Kampanien. 

Das etruskische Kulturphänomen ist mit dem Aufkommen von einflussreichen multi-generationellen Zentralorten verbunden, die in ein auf Landwirtschaft beruhenden Versorgungssystem eingebettet sind und weitreichende (Handels-)Kontakte pflegen.

Von den Antiken Schriftquellen als fest etablierte Strukturen beschrieben, zeigt die rezente Forschung ein weitaus komplexeres Bild: Die Grenzen der Etruskischen communità-stato mussten fortwährend verhandelt werden. Das wahrscheinlich um 400 v.u.Z. erreichte Gleichgewicht der Etruskischen Siedlungen endete mit dem Untergang von Veji und dem Aufstieg Roms.

In Südwestdeutschland festigen sich ab dem 8. Jh. v.u.Z. bedeutende Siedlungen auf Hochplateaus, die sich durch ihre zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen und ihre strategische Lage auszeichnen. Diese Siedlungen werden oft als „Fürstensitze“ bezeichnet, ein hoch problematischer Begriff, dem eine Interpretation der (Be-)Funde der Hallstattzeit zugrunde liegt, die es gilt zu hinterfragen. Das Aufkommen von herausragenden Bestattungsformen, Befestigungsanlagen und Siedlungsorganisation werden als Zeichen einer Zentralisierung von Funktionen und Macht an diesen Orten gedeutet.

Der ausschlaggebende Input für diese Transformationen wird oft außerhalb des Hallstattkreises gesucht. Die Kontakte zum Mittelmeerraum spielen bei dieser Interpretation eine wesentliche Rolle. Nach der Latène C Lücke, wir dann der Einfluss Roms als maßgeblich für einen zentraleuropäischen Urbanisierungsprozess gedeutet, der schlussendlich zur Entstehung der Oppida führen sollte.

In der rezenten Forschung wird dem ein endogenes Modell entgegengestellt: Die Auffassung einer „unvollendete“ zentraleuropäische Urbanisierung wird dahingehend kritisiert, als dass sie auf einem asymmetrischen Akkulturationsmodell basiert. 

Auf den ersten Blick sind die (Be-)Funde, die auf Transformationen im eisenzeitlichen Dänemark hinweisen, kaum mit den bereits vorgestellten Regionen vergleichbar. Um 500 v.u.Z. kommen vermehrt Grubenfeldbefestigungen auf, die als Hinweis für ein steigendes Bedürfnis territorialer Ab- bzw. Begrenzung gedeutet werden. Zur gleichen Zeit entstehen sogenannte Wandersiedlungen, mobile Siedlungen, die möglicherweise durch Umweltfaktoren bedingt sind. Ein Beispiel bietet Jütland, das durch seine niedrige Bodenqualität eine langzeitige und nachhaltige Nutzung der Ressourcen erschwert. Im Kontrast hierzu stehen tellartige Siedlungshügel, die in anderen Regionen Dänemarks zu verzeichnen sind. 

Arbeitsgebiet E2Abb. 1: Arbeitsgebiete des Teilprojekts E4.

Wir versuchen die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Sind die unterschiedlichen regionalen Transformationen Teil eines globalen Transformationsprozesses?
  • Wie sind unterschiedlichen regionalen Transformationen miteinander verwoben?
  • Folgen alle dem gleichen Rhythmus?
  • Wie sind naturräumliche Rahmenbedingungen und Prozesstrigger mit sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Prozessen verbunden?
  • Wie zeichnen sich die unterschiedlichen regionalen Transformationen in den einzelnen Regionen ab und zu welchen Ergebnissen führen die Transformationsprozesse unter unterschiedlichen Bedingungen?

 

Um ein umfassenderes Verständnis der eisenzeitlichen Phänomene auf transregionaler Ebene zu erreichen, müssen zuerst die Vorannahmen reflektiert werden, die unser wissenschaftliches, oft nicht hinterfragtes Vokabular prägen.

Um unseren theoretischen und methodischen Rahmen zu setzen, müssen wir in der Lage sein, verschiedene materiale Realitäten und Forschungsgeschichten zu vereinen und die Grenzen der Vergangenheit sowie die der modernen Forschung zu überschreiten. 

Die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Team an diversen Forscher*innen – Theorie der Archäologie, Archäoinformatik, Geoarchäologie, Philosophie, Klimaforschung, … – ermöglicht uns einen holistischen Ansatz zu verfolgen und ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Verständnis der Transformationsprozesse im Europa des 1. Jahrtausends v.u.Z.


 

Forschungsaktivitäten 2020-2024