SFB 1266 - TransformationsDimensionen

D2: Transformationen sozialer und ökonomischer Praxis im Gebiet der Deutschen Mittelgebirge während des 3. Jahrtausends v.u.Z.


 
Datierungsmodell (KDE) für 37 Bestattungen aus dem Wartberg-Galeriegrab von AltendorfAbb. 1: Datierungsmodell (KDE) für 37 Bestattungen aus dem Wartberg-Galeriegrab von Altendorf. Zusätzliche dargestellt das Ereignis des Auftretens neuer Bevölkerungsgruppen aufgrund der aDNA-Analysen (Westkomponente) im Galeriegrab von Niedertiefenbach 14,85+/-2,82 Generationen vor der Bestattungsphase.
 

Die erste Phase von D2 hat drei große Transformationen ergeben, die in der aktuellen Forschung noch nicht klar verstanden werden. Diese betreffen auch die aktuellen Migrationsdebatten, die sich zu sehr auf den Übergang zu Schnurkeramik nach 2900 v. Chr. und deren Verbindung zur osteuropäischen Steppe konzentrieren und deutlich nuanciert werden. Die drei großen Transformationen sind: (1) Ein Bevölkerungseinfluss mit Merkmalen westeuropäischen Ursprungs um 3800 v. Chr., der wahrscheinlich mit der Ausbreitung von Michelsberg und großen Grabenwerken zusammenhängt und als konstituierendes Ereignis die neolithischen Gemeinschaften der Mittelgebirgsregionen bildet. (2) Ein deutlicher Bruch im Bestattungsritual um 3100 v. Chr., der die auch aus Norddeutschland bekannte Bestattung in Galeriegräbern beendete (vgl. C1. (3) Die erneute Nutzung von Galeriegräbern ab 2600 v. Chr mit einer lange anhaltenden Nachnutzung. Um diese neu entdeckten Transformationen weiterzuerforschen, werden wir uns in Phase 2 mit den folgenden Forschungsfragen befassen:

  • Inwiefern hängt das in Niedertiefenbach nachgewiesene und auf 3800 v. Chr. datierte Ereignis der Populationsveränderung mit der Entstehung und dem Aufschwung von Grabenwerken in Mitteleuropa zusammen.
  • Stellen die Ausbreitung der Grabenwerke und des Michelsberg-Phänomens Prozesse einer sekundären neolithischen Kolonisation dar?
  • Wie verhalten sich mitteldeutsche jungneolithische Grabenwerke (Borgentreich - Eißen, Wabern - Uttershausen) zu ihren westlichen Pendants, insbesondere in Südwestdeutschland?
  • Handelt es sich bei der kurzen Bestattungsphase in Altendorf mit ihrem markanten Ende um 3100 v.Chr. um ein Einzelereignis oder finden sich vergleichbare Belege aus Galeriegräbern in benachbarten Regionen, z.B. in Westfalen und Norddeutschland?
  • Inwiefern sind die Aktivitätsmuster in Galeriegräbern und Einzelgräbern mit den Siedlungsbefunden des 4. und 3. Jahrtausends verbunden?
  • Korrespondieren Veränderungen in Bestattungsritualen und Siedlungsmustern mit Veränderungen in der Subsistenzpraxis?
  • Inwieweit stellt der Beginn der zweiten Bestattungsphase von Altendorf ab ca. 2600 v. Chr. ein breiteres gesellschaftliches Phänomen dar? Können wir dieses Ereignis mit dem Auftreten des Glockenbechers und der Konsolidierung der Schnurkeramik (z.B. in Warburg - Menne, Wabern - Uttershausen) in Verbindung bringen?
     

 

Phase 2 - Forschungsaktivitäten 2020-2024

Phase 1 - Forschungsaktivitäten 2016-2020

Publikationen D2