SFB 1266 - TransformationsDimensionen

D1: Bevölkerungskonzentration in Tripolye-Cucuteni Großsiedlungen


 

Karte mit Untersuchungsgebieten
Abb. 1. Die fünf geografischen Regionen des Teilprojekts D1. (Rot: neue Regionen in Phase 2, Grafik: K. Winter).

Teilprojekt D1 untersucht das Phänomen von Tripolje-Megasiedlungen in der Ukraine, Moldawien und NO–Rumänien in der Zeit zwischen 4300 und 3500 v.u.Z. Dieses Siedlungsphänomen tritt gleichzeitig mit den Uruk-Großsiedlungen in Mesopotamien auf. Im prähistorischen Europa sind Dimensionen von bis zu 200–320 ha Siedlungsgröße einzigartig. Sie kollabieren noch vor 3500 v. u.Z. wieder (Abb. 1, Region A–C). 

In Zusammenarbeit mit Partnern von der High Anthropological School Chișinău, der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, dem Tripolje Museum Lehedzyne und der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt a.M. war der Untersuchung von Schlüsselfundstellen in Maidanteske, Bilyii Kamin und Stolniceni in Moldawien die erste Projektphase der Untersuchung sozio-ökonomischer Entwicklungen in diesen Mega-sites in drei Testregionen gewidmet. 

Dabei wurden unter anderem 

1) wichtige neue Ergebnisse zur räumlichen Organisation und geographischen Verbreitung von Tripolje-Großsiedlungen erzielt;

2) offene Fragen zur lokalen und regionalen Chronologie von Megasiedlungen geklärt;

3) durch die exemplarische Untersuchung unterschiedlicher Befundkategorien wertvolle neue Daten zur Funktion und ökonomischen Basis von Tripolje-Siedlungen gewonnen, die unter anderem botanische und zoologische Materialien umfassen; 

4) anhand eines speziellen Typs öffentlicher Bauten die soziopolitische Entwicklung rekonstruiert, die zur Entstehung und dem Niedergang der Megasiedlungen führte;

5) diese Entwicklungen auf der Grundlage botanischer und bodenkundlicher Untersuchungen sowie modellierter Landschaftsrekonstruktionen in einen breiteren naturräumlichen Rahmen eingeordnet.

In der zweiten Phase des SFB 1266 erweitern wir den Rahmen unserer Untersuchung sowohl räumlich als auch zeitlich (Abb. 1, neue Regionen D–E), insbesondere um Fragen der Entstehung aber auch dem Zerfall des Tripolje-Phänomens besser zu verstehen. Um Wechselwirkungen am Beginn der Sequenz von Tripolje-Großsiedlungen auf einer geographischen Makroebene zu untersuchen, beziehen wir kupferzeitliche Gulmeniţa-Gesellschaften im unteren Donauraum als eine alternative Entwicklungslinie in unsere Untersuchung mit ein. Außerdem untersuchen wir Transformationen am Ende der Sequenz von Tripolje-Großsiedlungen, die unter anderem die Entstehung disperser Siedlungsformen und Repräsentation in Gräbern und Grabhügeln einschließen.


 

Forschungsaktivitäten 2020-2024