SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Forschungsaktivitäten 2020-2024


B1: Pioniere des Nordens: Veränderungen und Transformationen in Nordeuropa auf Grundlage hochauflösender Datensätze


 

Forschungsaktivitäten 2020/2

Im zweiten Halbjahr 2020 begann auch die zweite Förderphase des SFBs (2020-2024) und für uns eine deutliche Umstrukturierung unseres Projekts: Mara-Julia Weber gesellte sich zu Berit Valentin Eriksen als Co-PI. Mit ihrer Expertise, insbesondere im französischen Jungpaläolithikum, erweiterten wir unser Untersuchungsgebiet nach Süden, um die mögliche Herkunft der ersten Pioniere des Nordens zu untersuchen. Die Arbeitspakete (WP) wurden von lokalen Schwerpunkten wie dem Ahrensburger Tunneltal auf zwei regionale Übersichten (WP 3: Südliche Einflüsse auf Norddeutschland, WP 4: Der Einfluss Südskandinaviens auf Nordeuropa) und zwei weitere thematische Schwerpunkte (WP 1: Projektiltechnologie, WP 2: Siedlungs- und Landschaftsmuster) übertragen. Diese breiter angelegten Pakete werden uns helfen, Muster in unseren Datensätzen zu denPioniere des Nordens zu identifizieren.

Für WP 2 konnten wir Anfang 2021 eine Doktorandenstelle mit Stine Hildebrandt, einer Geophysikerin, besetzen. So bauen unsere Doktoranden weiterhin enge Kooperationen mit anderen Teilprojekten auf: Während Sascha Krüger sehr eng mit F2 zusammengearbeitet hat, wird Stine die Verbindung zu G2 verstärken. Mit den Geophysikern werden wir auch in Frankreich zusammenarbeiten, um geophysikalische Methoden zu verfeineren, die bei der Planung von Ausgrabungen in mehrphasigen Fundstellen wie Etiolles helfen und Anhaltspunkte dafür liefern könnten, welche Situationen in der Landschaft von jungpaläolithischen Jägern und Sammlern gewählt wurden, um ihre Lager zu errichten. Darüber hinaus werden wir gemeinsam mit dem G2-Projekt die Ausdehnung von Hohlräumen im Salzstock unter dem Liether Moor untersuchen und die verschiedenen Uferlinien eines möglichen prähistorischen Gewässers während des Spätglazials zu rekonstruieren versuchen.

Zur Vorbereitung hat sich Asli Oflaz der Arbeitsgruppe angeschlossen, um die verfügbaren geologischen und paläoökologischen Daten aus dem Gebiet des Liether Moors zu überprüfen. Langfristiges Ziel ist es, eine GIS-basierte 3D-Version des Liether Moors zu erstellen, die als Grundlage für die Rekonstruktion der Paläolandschaft dieser Mikroregion in verschiedenen Perioden des Spätglazials und frühen Postglazials verwendet werden kann. Anhand dieser Rekonstruktionen wollen wir die Lage der jeweiligen archäologischen Fundstellen überprüfen, um die Entwicklung der Mensch-Landschafts-Interaktionen zu analysieren. Darüber hinaus sucht Asli Oflaz nach vergleichbaren Beispielen von Tundra- und lichten Waldumwelten oberhalb von Salzstöcken und nach spezifischen Umweltbedingungen, die sich dort entwickelten und Jäger-Sammler-Gemeinschaften anziehen konnten. Das Verständnis des Salzstocks unter diesem Gebiet wird uns hoffentlich auch helfen, Gebiete zu identifizieren, in denen längere stratigraphische Abfolgen in eingestürzten Hohlräumen erhalten sind.

Unsere Datenbank mit paläolithischen und mesolithischen Fundstellen aus Schleswig-Holstein, die zuvor von einer MS Access- in eine PostgreSQL-Datenbank überführt wurde, umfasst derzeit über 500 Einträge. Einige davon müssen noch auf verbliebene Fehler überprüft werden, aber im Allgemeinen ist diese Datenbank eine große Hilfe für unsere Zusammenarbeit innerhalb des SFB und darüber hinaus.

Im Sommer begannen wir ein neues gemeinsames Projekt mit Mitgliedern mehrerer anderer SFB-Projekte zur Rentierdemographie während des Spätglazials. Die ersten Treffen zeigten, dass wir mehr Details über Rentiere von unseren paläolithischen Fundstellen sammeln müssen. Diese Sammlung wurde Ende 2020 abgeschlossen.

Für das WP 1 stellte das Museum für Archäologie in Schleswig 42 Kisten mit der Sammlung von G. Rughase aus dem Ahrensburger Tunneltal zur Verfügung. Sie umfasst einige tausend lithische Artefakte, darunter mehrere hundert spätpaläolithische Geschoßspitzen, die eine Studie über die Variabilität und Standardisierung dieser wichtigen Jagdwaffen erlauben. Im Vergleich mit dem Material aus gut ausgegrabenen Fundstellen hoffen wir, die Rolle der Veränderungen dieser Werkzeuge für die Einleitung von Transformationen im Spätpaläolithikum zu analysieren.