SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Phase 1 - Forschungsaktivitäten 2016-2020


B1:Pioniere des Nordens: Veränderungen und Transformationen in Nordeuropa auf Grundlage hochauflösender Datensätze



Teilprojektleitung: Prof. Dr. Berit Valentin Eriksen
Mitarbeitende: Dr. Sonja Grimm, Sascha Krüger
 

 

Forschungsagenda

Ahrenshöft
Abb. 1. An der Fundstelle Ahrenshöft LA 73 fanden sich zwei, übereinander liegende Horizonte einer frühen Besiedlungsphase Norddeutschlands nach dem letzten glazialen Maximum. Diese Funde werden der sogenannten Hamburger Kultur zugeordnet und sind etwa 14.450 Jahre alt. Die Veränderungen in der Ausformung der Steinartefakte erlauben eine Aufteilung in verschiedene Gruppen: die klassische Hamburger Kultur und die Havelte Gruppe. Die Veränderung von klassischer Hamburger Kultur zu Havelte Gruppe ist eine der Transformationen, die im Projekt B1 untersucht werden soll.


Das Projekt befasst sich mit kulturellen und sozio-ökonomischen Transformationen mobiler Wildbeutergemeinschaften im Kontext unterschiedlicher und sich ändernder Umweltbedingungen während des Prozesses der Kolonisierung des nordeuropäischen Raumes im Spätpaläolithikum. Zu diesem Zweck werden besonders gut erhaltene Fundstellen Norddeutschlands und Skandinaviens im Hinblick auf ihre archäologischen und umweltgeschichtlichen Quellen untersucht, um die Dynamik von technologischen Entwicklungen, Subsistenz und Interaktionsnetzwerken im Kontext der sich ändernden Umwelt zu erforschen.


Untersuchungsgebiet Phase1
Abb. 2. Fünf Regionen mit bekannten Fundplätzen wurden ausgewählt, um im Rahmen der ersten Phase des SFBs genauer untersucht zu werden, bzw. in denen Altergebnisse mit neuen Daten synthetisiert werden sollen. Zudem suchen wir weitere Fundregionen, die hochauflösende Archive liefern, wofür die am ZBSA in Zusammenarbeit mit dem ALSH aufgebaute Paläo-Fundplatz-Datenbank für Schleswig-Holstein als Ausgangspunkt dient.

Forschungsergebnisse

Im Allgemeinen scheinen sich die Auslöser, Komponenten und Rhythmen von Transformationen im südwestlichen Ostseeraum während des gesamten Spätglazial zu unterscheiden. Um eine fundierte Datenbasis zu sichern, haben wir intensiv an der erfolgreichen Optimierung der GIS-gestützten Paläodatenbank aller bekannten jung- und spätpaläolithischen Fundstellen in Schleswig-Holstein gearbeitet, die nun als Analyseinstrument einsatzbereit ist (vgl. Hamer et al., 2019). Darüber hinaus haben wir mit dem Nahe-Paläosee ein erstklassiges, hochauflösendes Umweltarchiv gefunden, das das Spätpleistozän und frühe Holozän in Schleswig-Holstein umfasst. In Zusammenarbeit mit Teilprojekt B2 haben wir den Open Access "EPHA - European Prehistoric and Historic Atlas" entwickelt, der uns helfen soll, relevante Landschaftsveränderungen im Laufe der Zeit zu identifizieren, sowie ein Aufnahmeschema lithischer Artefakte, das quantitative und zum Teil auch qualitative Vergleiche von Fundinventaren aus dem Spätpaläolithikum und dem Frühmesolithikum ermöglichen wird.

Im Detail fanden wir Folgendes:

Transformationsphase 1 (T1)

  • Eine Neuanalyse der Stratigraphie aus dem Bølling-See führte zu einer verbesserten Darlegung der Nomenklatur und Charakterisierung der Anfangsphase des spätglazialen Interstadials (Krüger und Damrath, 2019).
  • Die Analyse der laminierten Sequenz aus dem Nahe-Paläosee lieferte hochauflösende Umweltdatensätze zur genauen Zuordnung menschlicher Anwesenheit (Dreibrodt et al., im Druck; Krüger, angenommen).


Transformationsphase 2 (T2)

  • Eine vergleichende technologische Analyse des lithischen Materials führte zu der Hypothese, dass der Übergang von der Havelte-Gruppe zu den frühen Federmesser-Gruppen (FMG) eher eine Ablösung als eine Transformation darstellte (Burau, 2019).
  • Die fast identische chronologische Position der Fundorte beider Gruppen und die Unterschiede in der Landschaftsnutzung durch die klassische Hamburger Kultur, die Havelte-Gruppe und die FMG legen die Veränderung der paläo-ökologischen Bedingungen oder der Subsistenz oder die Eingewöhnung von Pionieren in der neuen Landschaft als alternative oder zusätzliche Auslöser der Transformation nahe.


Transformationsphase 3 (T3)

  • Die Ausgrabungen in Tyrsted boten eine außergewöhnliche Gelegenheit, den Technokomplex der Bromme-Kultur genau zu datieren und die Kenntnisse über seine Umweltbedingungen und seine Geweihtechnologie zu verbessern.
  • Die Multi-Proxy-Sequenz aus dem Nahe-Paläosee ergab zwei chronologische Markerhorizonte (d.h. Mikrotephrenschichten), die diese Transformation umfassen und eine genauere Charakterisierung der Umweltbedingungen der späten FMG und der frühen Ahrensburger Kultur ermöglichen (Krüger und van den Bogaard, eingereicht; Krüger et al., angenommen). Eine dieser Tephren war die Laacher See-Tephra, die erstmals in Schleswig-Holstein nachgewiesen wurde.


Transformationsphase 4 (T4)

  • Die kritische Analyse von 14C-Daten in Zusammenarbeit mit Teilprojekt B2 zeigte, dass die Transformation von der Ahrensburger Kultur zum Frühmesolithikum am Ende der präborealen Oszillation im Norden stattfand und nicht, wie bisher angenommen, mit dem Beginn des Präboreals (Grimm et al., im Druck).
  • Technologische und räumliche Analysen zweier benachbarter Konzentrationen der Ahrensburger Kultur deuten auf gemeinsame Methoden und Techniken der Steinartefaktproduktion, aber unterschiedliche Absichten hin (Hinrichs, im Druck).
  • Neue Protokolle zur Datierung von Holzmaterial wurden zusammen mit dem Teilprojekt G1 auf hölzerne Pfeilschäfte angewandt, die wahrscheinlich aus dem Ahrensburger Horizont in Stellmoor stammen (Meadows et al., 2018).
     

Forschungsaktivitäten

Da sich unsere Hauptforschungsziele auf die sozio-ökologischen Transformationen während des spätpleistozänen Wiederbesiedlungsprozesses Nordeuropas beziehen, haben wir unsere Forschung im südwestlichen Ostseeraum begonnen, wo wir fünf archäologische Regionen identifiziert hatten, die wir in verschiedenen Arbeitspaketen (WP) untersuchen wollten:

- Ahrensburger Tunneltal (WP1),

- die Region am Liether Moor (WP2),

- die Region am Itzstedter See (WP4),

- Alt Duvenstedt (WP5) und

- Ahrenshöft (WP6).

Zu diesen hofften wir, mit Hilfe von Vorhersagemodellierungen (predictive modelling), die von einer Datenbank spätpleistozäner und frühholozäner Fundorte in Schleswig-Holstein (fortan: Paläodatenbank, WP3) gespeist werden, weitere Regionen hinzufügen zu können. Aufgrund unerwarteter Funde bei einer Präventivgrabung Ende 2016 konnten wir eine weitere interessante Region bei Horsens / DK identifizieren, die wir weiterhin auch untersuchen werden (WP8). Diese neu hinzugekommene Untersuchungsregion liegt innerhalb der weichselzeitlichen Jungmoränen und vervollständigt damit die Verteilung unserer Fundregionen über die wichtigsten geologischen Formationen im südwestlichen Ostseeraum. Schließlich wollen wir unsere Ergebnisse zusammenfassen (WP7), um die vier wesentlichen Transformationsphasen (T1-4), die bereits aus dem archäologischen Material des Untersuchungsgebietes bekannt waren, besser zu verstehen.

FIG2017-1 Radiokarbon (grauem) und techno-typologisch datiertes (blauem) Material in den verschiedenen Untersuchungsregionen des Teilprojekts B1 in Bezug auf die Transformationsphasen (T1-4), die ungefähre Vegetationsentwicklung, die allgemeine Klimaentwicklung des Nordatlantiks, wiedergegeben durch die Entwicklung der Sauerstoffisotopenkurve aus einem grönländischen Eiskern, und die archäologische Kulturentwicklung im südwestlichen Ostseeraum.
Abb. 1. Radiokarbon (grauem) und techno-typologisch datiertes (blauem) Material in den verschiedenen Untersuchungsregionen des Teilprojekts B1 in Bezug auf die Transformationsphasen (T1-4), die ungefähre Vegetationsentwicklung, die allgemeine Klimaentwicklung des Nordatlantiks, wiedergegeben durch die Entwicklung der Sauerstoffisotopenkurve aus einem grönländischen Eiskern, und die archäologische Kulturentwicklung im südwestlichen Ostseeraum.

WP1 (Ahrensburger Tunneltal): Entsprechend unserem Antrag haben wir inzwischen die digitale Analyse dieser Region vorbereitet, indem wir weitere Informationen für eine 3D-Rekonstruktion gesammelt und in ein Geographisches Informationssystem (GIS) integriert haben. Neben geologischen Daten wurden detaillierte archäologische Informationen in das GIS aufgenommen, wie die von Rust (1958) und Tromnau (1974) zu den Standorten Teltwisch und Borneck veröffentlichten Angaben. Einige der archäologischen Informationen aus diesem Bereich bedürfen noch der Überprüfung und müssen auf den neuesten Stand der modernen archäologischen techno-typologischen Analysepraxis gebracht werden.

Mit Hilfe dieser Informationen wird ein 3D-Geländemodell erstellt. Es wird dazu beitragen, die geomorphologischen Veränderungen der Landschaft auf subregionaler Ebene darzustellen, nicht nur in diesem Untersuchungsgebiet, sondern auch im Liether Moor, am Itzstedter See und in Ahrenshöft. Diese Veränderungen waren während des Spätpleistozäns noch im Gange und die Menschen im Spätpaläolithikum mussten sich an sie anpassen. Transformationen der sozio-ökologischen Interaktion können wir nur berücksichtigen, wenn wir mehr über diese Veränderungen und ihre interne Chronologie wissen. Allerdings können die Interpolationen der 3D-Informationen aufgrund der unterschiedlichen geologischen Probleme nicht so einfach wie bisher erwartet durchgeführt werden. Die räumliche Signifikanz dieser Daten liegt auf subregionaler Ebene mit sehr unterschiedlichen Hypothesen, abhängig von ihrer zeitlichen Relevanz. So müssen beispielsweise die stratigraphischen Daten aus dem Ahrensburger Tunneltal weiter differenziert werden, um unserem Vorhaben dienlich zu sein, Modelle dieser Region zu verschiedenen Perioden zu erstellen. Auf der Grundlage dieser Datenerhebung kann dann eine erste Diskussion über die menschliche Nutzung dieser Landschaft und die Transformationen zwischen den Perioden durchgeführt werden.

WP2 (Liether Moor): Für die Region am Liether Moor haben wir auch ein GIS auf Basis der bisher bekannten Datenbestände aus der Archäologie sowie der Geologie erstellt. Im September 2017 konnten wir uns dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) bei einer Baubegleitung in diesem Bereich anschließen, wo einige Testgräben mit einem Bagger ausgehoben wurden. Während dieser Kampagne entnahmen wir mehrere Sedimentkerne mit einem modifizierten Livingston-Kolbenkernbohrer ("Usinger Bohrer"), um ein detailliertes Paläoumweltarchiv zu erfassen. Diese Bemühungen zeigten eindrucksvoll, dass die geologische Formation in diesem Gebiet sehr komplex und das organische Material schlecht erhalten ist. Dies zeigte sich auch an den gesammelten, teilweise widersprüchlichen geologischen Daten. Die komplexen Ergebnisse machten deutlich, dass wir vor weiteren Felduntersuchungen die verfügbaren Informationen mit Geologen (Kay Krienke, Geological Survey SH/ LLUR, Alf Grube, Geological Survey HH) diskutieren müssen. Basierend auf dieser Diskussion können wir vielleicht auch die Entwicklung dieses Fundgebietes und die Nutzung durch Jäger-Sammler-Gruppen des Spätpleistozäns und des frühen Holozäns neu überdenken. Nach Durchsicht aller archäologischen Berichte aus Klein Nordende, Elmshorn, Tornesch, Heidgraben und Seeth-Ekholt zeigt sich der Reichtum dieses Gebietes mit etwa 75 Fundstellen aus der Steinzeit, von denen mindestens 40 dem Paläolithikum oder dem Mesolithikum zugeschrieben werden konnten. Wir fingen auch an, einige der spätpaläolithischen Inventare zu überprüfen, um mögliche Transformationen bei der Verwendung der lithischen Materialien sowie die Verwendung verschiedener Orte im Laufe der Zeit genauer zu verstehen.

WP3 (Paläodatenbank): Wir haben erfolgreich an der Anbindung der Paläodatenbank an die Datenbank des ALSH gearbeitet, so dass wir die bereits bekannten Fundorte genau lokalisieren und dann in Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt A2 nach neuen vielversprechenden Fundgegenden suchen können. Gelegentlich sind wir auch ins Feld gefahren, um einige Fundplätze in Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern auf ihr Potenzial bei der Beantwortung von Fragen zu Mensch-Umwelt-Interaktionen zu prüfen. In diesem WP können wir auch die Arbeiten an den Altdaten des verstorbenen Hartmut Usingers zusammenfassen, mit denen sich Sascha Krüger einen ersten Überblick über die palynologischen Aufzeichnung verschafft hat und die uns über das Spätpleistozän in Schleswig-Holstein informieren. Ein erstes Ergebnis war die Identifizierung eines vielversprechenden Bohrplatzes am Itzstedter See (siehe unten).

FIG2017-2 Fotos von einigen der Feldarbeiten 2017. Oben links: Bohrgerät (modifizierter Livingston-Kolbenkernbohrer, der sogenannte
Abb. 2. Fotos von einigen der Feldarbeiten 2017. Oben links: Bohrgerät (modifizierter Livingston-Kolbenkernbohrer, der sogenannte "Usinger Bohrer") im Liether Moor, zu beachten ist der mit Wasser volllaufende Testgraben in der rechten unteren Ecke (Foto: S. Krüger). Oben rechts: Tobias Burau und Sascha Krüger auf der Suche nach organischen Sedimenten mit einem Pürckhauer-Bohrer in Dätgen (Foto: S.B. Grimm). Unten rechts: Morten Fischer Mortensen erklärt den aus Schleswig zu Besuch kommenden Kollegen das Profil des Toteislochs in Tyrsted (Foto: S.B. Grimm). Unten links: Tobias Burau, Jan Weber und Sascha Krüger beim Bohren mit einem "Usinger Bohrer" im Rönnetal am Itzstedter See. (Foto: S.B. Grimm)

WP4 (Itzstedter See): In unserer aktuellen Arbeit am Itzstedter See lag der Schwerpunkt auf der Gewinnung von Sedimentkernen für Paläoumweltanalysen aus einem spätglazialen Seebecken im oberen Tal der Rönne. Im Oktober 2017 erlaubte uns die untere Naturschutzbehörde, zwei 16 m lange Kerne zu erbohren an einer Stelle, an der Hartmut Usinger spätglaziale, laminierte Sedimente fand. Diese Feldkampagne wurde in Zusammenarbeit mit Jan Weber (E1) durchgeführt und die Analysen der Sedimentkerne werden in enger Zusammenarbeit mit der Geochemie von E1 und der palynologischen und sedimentologischen Expertise des Teilprojekts F2 (Stefan Dreibrodt) durchgeführt. Fundstellen der Hamburger und Ahrensburger Kultur sind aus der Umgebung des Bohrpunktes bekannt und liegen in einer mit Stellmoor im Ahrensburger Tunneltal vergleichbaren Situation. Bei früheren Ausgrabungen wurde Faunenmaterial, insbesondere Rentiere, aus den Uferbereichen des Sees entdeckt, aus denen diese Sedimentkerne entnommen wurden. Wir hoffen daher, eine gute Korrelation zwischen den Umwelt- und den archäologischen Daten herzustellen. Insbesondere will Sascha Krüger die menschliche Nutzung der Landschaft verstehen, indem er die Holzkohleanalyse auf dieser Sequenz einsetzt, um Fragen zu den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt zu diskutieren.

WP7 (Synthese): Sonja B. Grimm hat sich zusammen mit Vesa Arponen (A1) bereits mit Fragen zu einer Metaebene unseres Projekts beschäftigt: Wie müssen wir uns den Kolonisationsprozess vorstellen? Was wissen wir bereits? Wie sind wir darauf aufmerksam geworden? Und was brauchen wir, um die Lücken dessen zu schließen, was wir noch nicht wissen? Auf dem Jahrestreffen der EAA in Maastricht wurden vorläufige Ergebnisse vorgestellt und eine Veröffentlichung ist in Vorbereitung.

Bei der Untersuchung unseres Materials wechseln wir ständig zwischen der Analyse der Daten einer einzelnen Sammlung/Fundstelle und dem Vergleich mit dem regionalen Datensatz, dem Schleswig-Holsteins, dem des südwestlichen Ostseeraums und dem Nordeuropas. Durch diesen Vergleich überspannen wir verschiedene Skalen, auf denen Veränderungen auftreten können, und wir überlegen, was groß angelegte Veränderungen für eine einzelne Gruppe bedeuten könnten und wie sich die Veränderungen von einer einzigen Person über eine ganze Gesellschaft erstrecken können. Dazu arbeiten wir auch eng mit B2 zusammen, um ein gemeinsames Aufnahmesystem für lithische Artefakte zu etablieren, das uns in Zukunft ermöglicht, unser Material direkter zu vergleichen. Mit dieser Art des direkten Vergleichs wird es in Zukunft möglich sein, die kleinen Schritte, die zur großen Transformation von paläolithischen zu mesolithischen Gesellschaften führen, detaillierter darzustellen.

WP8 (Horsens): Sascha Krüger beteiligte sich an der Ausgrabung in Tyrsted und extrahierte einige Sedimentkerne für Paläoumweltstudien mit Morten Fischer Mortensen vom Dänischen Nationalmuseum, mit dem wir in dieser Region zusammenarbeiten werden. Darüber hinaus wird das Horsens Museum ein Kooperationspartner in diesem Bereich sein. Zusammen mit dem Teilprojekt Geophysik (G2) haben wir Toteislöcher in der Nähe der Tyrsted-Grabung untersucht.

2017 bestand unser Team aus Prof. Dr. Berit V. Eriksen (PI), Dr. Sonja B. Grimm (Post-Doc), Sascha Krüger M.A. (Doktorand), Dr. Mara-Julia Weber (ZBSA), Katja Winkler M.A. (wissenschaftliche Hilfskraft), Benjamin Serbe M.A. (studentische und dann wissenschaftliche Hilfskraft), Tobias Burau B.Sc. (studentische Hilfskraft).

Forschungsaktivität 2018

Im Jahr 2018 haben wir die Forschung an mehreren unserer Arbeitspakete (WP) fortgesetzt, um unsere Ergebnisse aus unseren Untersuchungsgebieten im südwestlichen Ostseeraum mit den sozio-ökologischen Veränderungen während des spätpleistozänen (Re-)Kolonisationsprozesses Nordeuropas in Beziehung zu setzen. Die inzwischen sechs archäologischen Hauptgebiete (Ahrensburger Tunneltal, Liether Moor, Itzstedter See, Alt Duvenstedt, Ahrenshöft, Horsens) und eine Datenbank mit paläolithischen und mesolithischen Fundorten in Schleswig-Holstein (Paläodatenbank) lieferten weitere Hinweise zur Bewertung der vier zuvor identifizierten Transformationsperioden (T1-4).

Deshalb diskutieren wir als Teilprojekt regelmäßig darüber, wie man Pioniere und Transformation versteht, aber auch über die Nomenklatur des Spätglazials, die in viele unserer Publikationen verwendet wird und dazu beiträgt, diese präzise und gleichförmig zu gestalten.

WP1 (Ahrensburger Tunneltal): Basierend auf den Ergebnissen des Teilprojekts B2 am Fundort Borneck aus dem frühen Holozän haben wir beschlossen, das der Ahrensburger Kultur zugeschriebene Material dieses Fundortes mit einem räumlichen und technologischen Ansatz zu überprüfen. Daraus entstand eine Masterarbeit (Moiken Hinrichs), die im April 2019 eingereicht wurde.

WP2 (Liether Moor): Wir haben verschiedene Verbreitungskarten der spätpaläolithischen Fundplätze in diesem Gebiet erstellt, um die Entwicklung in dieser Region besser zu verstehen. Die Überprüfung eines Teils des archäologischen Materials, das den Federmesser-Gruppen zugeschrieben wird (FMG in Abb. 1), war Teil einer Masterarbeit, die im Februar 2019 eingereicht wurde (Tobias Burau).

FIG2018-1 Verteilung prähistorischer und historischer Fundorte in der Region des Liether Moors in Bezug auf die mögliche Ausdehnung eines spätpleistozänen Sees (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe).
Abb. 3. Verteilung prähistorischer und historischer Fundorte in der Region des Liether Moors in Bezug auf die mögliche Ausdehnung eines spätpleistozänen Sees. (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe)

WP3 (Paläodatenbank) Dieses WP hat mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich geplant, da die Datenbank intensiv überprüft werden musste (siehe WP 7). Dies verzögerte die Zusammenarbeit mit A2 bei der Verbreitung archäologischer Fundorte und der Vorhersagemodellierung (predictive modelling) zum Ende des Jahres. Die Zusammenarbeit wurde jedoch weiter ausgebaut, um die Verwendbarkeit des spätpaläolithischen Fundgutes in einem Konzept der kulturellen Distanz als Marker für Interaktion zu testen. Da die Vorhersagemodelle noch nicht verfügbar waren, untersuchten wir mehrere Fundorte, auf die wir von Kollegen oder durch unsere früheren Ergebnisse aufmerksam gemacht wurden und wir bewerteten sie hinsichtlich ihres Potenzials für weitere Untersuchungen der Paläoumwelt und Archäologie. Gerade die Paläoumweltdaten waren meist ein Ausschlussfaktor. Wir haben auch archäologisches Material aus Museumssammlungen erneut untersucht, was bei der Überprüfung der Paläodatenbank helfen wird. In diesem Zusammenhang haben wir auch viele fruchtbare Gespräche und Treffen mit den Mitarbeitern der MfA geführt, um die Möglichkeiten der Informationsvermittlung an die archäologische (Fund-)Datenbank des Landes Schleswig-Holstein (ADSH) zu klären.

WP4 (Itzstedter See) Sascha Krügers palynologische Analyse des Sedimentkerns, der im vergangenen Jahr in dieser Untersuchungsregion aufgenommen wurde, ist noch nicht abgeschlossen. Neben einigen interessanten Spitzen im Holzkohleanteil, konnte er auch bereits zwei Tephra-Schichten im frühen Holozän und im Bereich der Dryas 3 identifizieren. Jan Weber (E1) nutzte den Parallelkern, um RFA-Scans durchzuführen und Proben für geochemische Analysen, insbesondere für die Suche nach Wachslipiden, zu entnehmen. Die Ergebnisse der letztgenannten Analyse werden mit den palynologischen Ergebnissen verglichen, um zu testen, inwieweit sie übereinstimmen, und um unser Verständnis der Entwicklung der spätpleistozänen Vegetation durch diese Kombination von Analysetechniken zu verbessern. In Zusammenarbeit mit G1 konnten wir auch einige pflanzliche Makroproben datieren, die helfen werden, ein Zeit-Tiefen-Modell für diese Sequenz zu erstellen. Erste Ergebnisse wurden im Rahmen des Lunch Time Seminars im Wintersemester 2018/19 vorgestellt. Weitere Details über das archäologische Material aus den nahegelegenen Fundorten wurden aus ALSH-Berichten gesammelt.

WP5 (Alt Duvenstedt) Das älteste Material der Federmesser-Gruppen wurde in Zusammenarbeit mit einem Kollegen des CNRS in Nanterre analysiert.

WP6 (Ahrenshöft) Die Funddatenbank dieses Fundortes wurde um die gesiebten Funde ergänzt und für die Analyse mit GIS-Methoden vorbereitet. Weitere technologische Analysen des lithischen Materials trugen im Vergleich zu späteren Perioden zur Masterarbeit von Tobias Burau bei.

WP7 (Synthese) Ein Artikel, der unser aktuelles Wissen über die Ahrensburger Kultur im südwestlichen Ostseeraum zusammenfasst, ist in Vorbereitung. Deshalb haben wir alle bisher bekannten Fundorte dieses Technokomplexes aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark zusammengestellt. Vorläufige Karten zeigten, dass es in der Paläodatenbank / ALSH-Datenbank einige falsch gekennzeichnete Inventare geben könnte. Daher trafen wir uns mit Sönke Hartz (MfA) und Ingo Clausen (ALSH), um alle fragwürdigen Ahrensburger Fundsammlungen zu besprechen. Während dieses Treffens wurde die Notwendigkeit weiterer Treffen zu den anderen Technokomplexe in naher Zukunft deutlich.

Bei näherer Betrachtung einiger Bereiche zeigte sich bereits, dass die Verteilung der Fundorte der Ahrensburger Kultur nicht durch Zufall erklärt werden kann und dass sie relativ gleichmäßig über Schleswig-Holstein verteilt sind. Im Gegensatz dazu deuten die Region am Liether Moor, aber auch die Daten des Ahrensburger Tunnels darauf hin, dass die Fundstellen der Federmesser-Gruppen an verschiedenen Standorten platziert sind, was auf eine deutliche Veränderung der Umweltnutzung zwischen diesen beiden Gruppen hindeutet. Dieser Eindruck muss jedoch durch Datenvergleiche und Geostatistiken überprüft werden. Einen Ansatz dazu verfolgen wir in Zusammenarbeit mit A2. Mit den von uns zur Verfügung gestellten geografischen und chronologischen Informationen über die Fundorte konnten Daniel Knitter und Wolfgang Hamer (beide A2) die menschliche Besiedlung in Schleswig-Holstein und Dänemark während der uns interessierenden Perioden zu modellieren beginnen. Erste Ergebnisse zeigten, dass wir unsere Ansätze weiter verfeinern müssen, wenn wir wollen, dass dieser Vergleich der Ergebnisse mit der heute bekannten Landschaft sinnvoll ist. Dies ist vor allem auf die sehr spärliche Verteilung unseres Datensatzes in Raum und Zeit zurückzuführen.

WP8 (Horsens) Weitere Untersuchungen in Tyrsted und Gedved wurden mit unseren Kooperationspartnern vom Horsens Museum, dem Nationalmuseum Dänemark und dem Teilprojekt G2 durchgeführt. Paläoökologische und archäologische Analysen von Material aus dem Toteisloch in Tyrsted sind im Gange. Das Teilprojekt F4 führte eine molekularbiologische Analyse des Rentiermaterial von diesem Fundort durch und Berit V. Eriksen wird das lithische Material aus diesem Zusammenhang analysieren.

FIG2018-1 Verteilung prähistorischer und historischer Fundorte in der Region des Liether Moors in Bezug auf die mögliche Ausdehnung eines spätpleistozänen Sees (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe).
Abb. 4. Sascha Krüger (B1) hilft Erica Corradini (G2) bei der Zuordnung ihrer elektromagnetischen Messungen zur stratigraphischen Sequenz in Tyrsted. (Foto: T. Burau)

Was wir über unsere bisherigen Transformationsphasen gelernt haben:

T1 (klassische Hamburger-Havelte-Gruppe) Diese Transformation stellt das erste Auftreten von Menschen nach dem letzten glazialen Maximum und ihre Pionierbewegung in den südwestlichen Ostseeraum dar. Hier konnten wir insbesondere einige paläoökologische Arbeiten hinzufügen. Sascha Krüger hat sein erstes Manuskript über die Sequenz vom Bølling See eingereicht, um die Nomenklatur und Merkmale dieses ersten Teils des spätglazialen Interstadials in dieser Gegend zu erläutern. Darüber hinaus ist diese Zeit auch in der Sedimentfolge aus der Umgebung des Itzstedter Sees vorhanden, wo in der Nähe des Bohrpunktes auch archäologisches Material der Hamburger Kultur gefunden wurde. Diese Kombination macht eine detaillierte Suche nach einem menschlichen Signal sinnvoll.

T2 (Havelte Gruppe-Federmesser-Gruppen-Bromme?) Dieser Zeitraum spiegelt eine erste Vielfalt im Fundmaterial wider, für die unterschiedliche Hypothesen existieren. Ein technologischer Vergleich von lithischem Artefaktmaterial der Havelte Gruppe und der Federmesser-Gruppen führte zu einer Masterarbeit (Tobias Burau). Dort argumentierte der Autor, dass dieser Prozess überhaupt keine Transformation, sondern eine Auswechslung sein könnte, da kein Übergang zwischen den beiden Konzepten sichtbar sei. Darüber hinaus zeigten die verfügbaren Radiokarbondaten für die untersuchten Inventare ein nahezu zeitgleiches Auftreten der verschiedenen technologischen Konzepte. Die Frage, die sich aus diesem Ergebnis ergibt, betrifft den Zusammenhang der verschiedenen Technokomplexe mit unterschiedlichen Umweltbedingungen. Hier werden die zuvor gesammelten Informationen aus dem Nachlass von Hartmut Usinger weitere Abklärungen ermöglichen.

T3 (Federmesser-Gruppen-Bromme-Ahrensburger) Diese Periode spiegelt eine zweite Periode starker Diversifikation im archäologischen Fundgut des südwestlichen Ostseeraums wider. Auch hier geht es um den Einfluss der sich wandelnden Umwelt. Vorläufige Ergebnisse eines frühen Inventars der Ahrensburger Kultur im Vergleich zu unterschiedlich datierten Federmesser-Gruppen-Inventaren zeigen eine mögliche technoökonomische Entwicklung auf, die bisher unberücksichtigt blieb. Was diese Beobachtung bedeutet und wie allgemeingültig sie ist, muss jedoch noch in detaillierteren Analysen getestet werden. Auch unsere Arbeit an dem Material aus der Region Horsens wird dazu beitragen, die Veränderungen in diesem Zeitraum weiter zu identifizieren und zu kontextualisieren.

T4 (Ahrensburger-Frühmesolithikum) Auf Empfehlung der ursprünglichen DFG-Evaluation haben wir uns stärker auf die letzte Transformationsperiode konzentriert, die eine Brücke zum Teilprojekt B2 bildet, und haben dazu mehrfach mit diesem Teilprojekt zusammengearbeitet. Insbesondere haben wir in enger Zusammenarbeit ein gemeinsames Aufnahmeschema für lithische Artefakte entwickelt, das in Zukunft quantitative, aber auch teilweise qualitative Vergleiche der verschiedenen Inventare ermöglichen wird. Zwei Inventare der Ahrensburger Kultur von einem Fundort, in dessen Nähe auch mesolithisches Material gefunden wurde (siehe WP1), wurden bereits mit diesem System aufgenommen. Neben dieser typo-technologischen Erfassung des Materials wurden auch Artefakte zusammengesetzt, um auch die räumliche Organisation dieses Fundortes zu verstehen. Die Ergebnisse wurden gerade in einer Masterarbeit (Moiken Hinrichs) eingereicht. Wir haben auch einen Artikel über den zeitlichen und ökologischen Kontext dieser Transformation in Norddeutschland zusammen mit B2 eingereicht. Die Entwicklung der Umwelt in diesem Zeitraum wird auch am Sedimentkern aus der Region am Itzstedter See, der über diesen Zeitraum mit der Sequenz des Poggensee (F2) korreliert wird, weiter beschrieben werden. In unserer zusätzlichen Zusammenarbeit mit A2 werden wir uns auch auf diese Transformationsphase konzentrieren und haben bereits eine mögliche Ausweitung auf mesolithische Fundstellen in unserer allgemeinen Zusammenarbeit diskutiert. Im Jahr 2019 werden die bisher bekannten Veränderungen sowie Kontinuitäten über diesen Zeitraum in einer gemeinsamen EAA-Präsentation zusammengefasst und helfen uns, diese wichtige Transformation weiter zu untersuchen.

FIG2018-3 Von M. Hinrichs zusammengesetztes Feuersteinmaterial aus Borneck-Nord. Der Komplex umfasst zwei Kerne und einige Grundformen, die Abbausequenzen der Ahrensburger Kultur widerspiegeln (Foto: Stiftung Staatliche Museen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf/ C. Dannenberg).
Abb. 5. Von M. Hinrichs zusammengesetztes Feuersteinmaterial aus Borneck-Nord. Der Komplex umfasst zwei Kerne und einige Grundformen, die Abbausequenzen der Ahrensburger Kultur widerspiegeln. (Foto: Stiftung Staatliche Museen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf/ C. Dannenberg)

2018 bestand unser Team aus PD Dr. habil. Berit V. Eriksen (PI), Dr. Sonja B. Grimm (Post-Doc), Sascha Krüger M.A. (Doktorand), Dr. Mara-Julia Weber (ZBSA), Katja Winkler M.A./Dr. des. (wissenschaftliche Hilfskraft, dann Mitarbeiterin), Benjamin Serbe M.A. (wissenschaftliche Hilfskraft), Tobias Burau B.Sc. (studentische Hilfskraft), Moiken Hinrichs B.A. (studentische Hilfskraft).

Forschungsaktivitäten 2019

Im Jahr 2019 wurden die Forschungen in fünf unserer archäologischen Hauptgebiete (Ahrensburger Tunneltal, Lieth Moor, Itzstedter See, Ahrenshöft, Horsens) und in unserer Datenbank mit paläolithischen und mesolithischen Stätten in Schleswig-Holstein (Paläodatenbank) fortgesetzt. Diese Arbeiten lieferten weitere Belege dafür, dass die Ergebnisse aus dem südwestlichen Ostseeraum mit den sozio-ökologischen Transformationen während des spätpleistozänen (Re-)Kolonisationsprozesses Nordeuropas in Verbindung stehen.

Ahrensburger Tunneltal

Weiteres Rentiermaterial aus Stellmoor wurde in Zusammenarbeit mit Ben Krause-Kyora (F4) radiokarbondatiert und auf aDNA getestet. Die Ergebnisse werden mit dem Tyrsted-Material sowie weiteren Rentierpopulationen verglichen, um die Expansion von Rentieren nach Skandinavien zu verstehen.

Moiken Hinrichs untersuchte die ahrensburgischen Konzentrationen (Nord und Ost) am Fundort Borneck (Ahrensburg LA 76). Dieser Fundort wurde in den späten 1940er Jahren von Alfred Rust ausgegraben und gehörte zu den ersten, bei denen er die räumliche Verteilung der Artefakte aufzeichnete. Hinrichs führte eine detaillierte technologische Analyse im Vergleich zu diesen (niedrigauflösenden) räumlichen Informationen durch. Das Material schien relativ ungestört und nur über kleine Flächen verstreut, die sich teilweise mit den von Rust angenommenen Zelten überlagerten. Auch die angenommenen Zelte des kurze Zeit später ausgegrabenen Fundortes Poggenwisch bezweifelte Hinrichs. Die Wiederzusammensetzungsanalyse zeigte keine starken Verbindungen zwischen den beiden Fundkomplexen (Abb. 6), obwohl ihr technologischer Ansatz ähnlich schien. Der Gesamteindruck der Fundkomplexe schien noch unterschiedlich, aber Hinweise auf einen chronologischen Unterschied konnten nicht gefunden werden. Hinrichs kam zu dem Schluss, dass das Material aus dem gesamten Aushubbereich (einschließlich des sogenannten Federmesser-Gruppen-Zeltes) gemeinsam analysiert werden sollte, da es zu einer Vermischung gekommen sein könnte, die das Bild wieder leicht verändern könnte.

Das östliche Ausgrabungsareal des Fundortes Borneck (Ahrensburg LA 76)
Abb. 6. Das östliche Ausgrabungsareal des Fundortes Borneck (Ahrensburg LA 76) mit Wiederzusammensetzungverbindungen innerhalb der ahrensburgischen Fundkomplexe, die nicht innerhalb der gleichen oder direkt angrenzenden Quadratmeter gefunden wurden (Mehrzahl) oder die Fundkomplexe verbinden.

Lieth Moor Gebiet

Auch Tobias Burau hat Anfang 2019 seine Masterarbeit eingereicht. Er untersuchte die Transformation von der Havelte-Gruppe zur Federmesser-Gruppe vor allem anhand von Material aus den saaleeiszeitlichen Moränen. Dabei konzentrierte er sich insbesondere auf den unteren Horizont im Gebiet von Klein Nordende LA 37, der den frühen Federmesser-Gruppen zugeschrieben wurde, verglich aber auch Material aus Schalkholz LA 65 (frühe? Federmesser-Gruppen) und Ahrenshöft LA 58D (späte Havelte-Gruppe). Er konnte das technologische Vorgehen der Gruppe in Klein Nordende darstellen und zeigen, dass sich dieses Vorgehen trotz der allgemein ähnlichen Rohstoffversorgung und deren zeitlicher Ähnlichkeit deutlich von dem Konzept unterscheidet, das die Flintschläger bei Ahrenshöft LA 58D verwendet hatten. Somit scheinen diese Fundkomplexe zwei unterschiedlichen Traditionen anzugehören. Darüber hinaus wies Sascha Krüger auf eine Biomgrenze zwischen den Standorten hin, wobei in Klein Nordende bereits ein heller Birkenwald entstand, während in Ahrenshöft noch eine tundraartige Umgebung vorherrschte. Ohne zusätzliche Analysen zum Verständnis der Variabilität innerhalb der Federmesser-Gruppen konnte Burau nicht abschließend entscheiden, ob dies eine sehr schnelle Anpassung der Menschen der Havelte-Gruppe oder die Einwanderung von Menschen mit unterschiedlichen technologischen Traditionen in Norddeutschland widerspiegelt.

Palaeodatabase

Katja Winkler setzte ihre Arbeit der Korrektur und Ergänzung der endpaläolithischen Fundkomplexe in der Paleodatabase basierend auf Literatur- und Archivrecherchen fort. Zusätzlich hat sie Daten über die an den Fundorten gefundenen Artefakte eingegeben. Diese Arbeit wurde von Moiken Hinrichs im Sommer für die neu definierten Fundplätze aus dem Ahrensburger Tunneltal fortgesetzt.

Basierend auf den bisher verfügbaren Daten aus der Paläodatenbank wurde im vergangenen Jahr eine intensivere Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem Modellierungsprojekt des SFB 1266 A2, begonnen. Das erste Ergebnis ist ein Artikel über predictive modelling auf der Basis der Hypothese des Jäger-Sammler-Verhaltens (Hamer et al. 2019). Wir zeigen, dass Parameter zweiter Ordnung für die Identifizierung wahrscheinlicher Fundorte mit Jäger-Sammler-Hinterlassenschaften von Bedeutung sein könnten und dass unsere Hypothese über die Rentier-Jagdgemeinschaften relativ solide ist, während unser Wissen über Material aus den waldreicheren Perioden noch zu wenig entwickelt ist.

Darüber hinaus präsentierte Oliver Nakoinz auf einem Workshop in Köln vorläufige Ergebnisse unserer Zusammenarbeit zur Überprüfung der Verwendbarkeit des endpaläolithischen Datensatzes in einem Konzept der kulturellen Distanz als Marker für Interaktion. Diese Ergebnisse bedürfen einer weiteren Diskussion, insbesondere im Lichte der Quellenkritik.

Gebiet des Itzstedter Sees

Sascha Krüger identifizierte bei seiner eingehenden Analyse des Sedimentkerns aus dem Naher Paläosee eine dritte Krypto-Tephra. Neben dem frühholozänen Saksurnavatn und der Vedde-Asche aus der mittleren jüngeren Dryas identifizierte er auch die Laacher See-Tephra, einen der wichtigsten spätglazialen Chronomarker im späten Allerød. Diese Tephra-Schicht half zusammen mit 12 Radiokarbondaten sowie laminierten Teilen, das Alterstiefenmodell weiter zu verfeinern.

Ahrenshöft

Die bereits erwähnte Masterarbeit von Tobias Burau beinhaltete auch eine vergleichende Analyse einer Auswahl von Rohlingen vom Fundort LA 58D in Ahrenshöft (siehe oben).

Synthese

Nachdem im vergangenen Jahr Verbreitungskarten der ahrensburgischen Fundorte im südwestlichen Ostseeraum erstellt worden waren, wurden 2019 vergleichbare Karten für die Fundorte der Hamburger Kultur (Abb. 7) und der Federmesser-Gruppen für eine Präsentation auf der EAA in Bern erstellt. Auch hier zeigten erste Entwürfe dieser Karten, dass es in der Paläodatenbank (s.o.) noch einige fälschlich beschriftete Fundkomplexe gab. Die Einträge zur Hamburger Kultur wurden daraufhin in der Paläodatenbank korrigiert. Es wurde aber festgestellt, dass das Material der Federmesser-Gruppen einer weiteren Prüfung bedarf. Insbesondere da bisher nicht zwischen frühen und späten Federmesser-Gruppen unterschieden werden konnte. Das von Tobias Burau im Jahr 2019 begonnene Promotionsprojekt (finanziert durch die Kernfinanzierung des ZBSA) wird die Chronologie der Federmesser-Gruppen weiter verfeinern.

Verbreitung der Fundorte der Hamburger Kultur und der Federmesser-Gruppen in Norddeutschland und Dänemark
Abb. 7. Verbreitung der Fundorte der Hamburger Kultur und der Federmesser-Gruppen in Norddeutschland und Dänemark. (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe)

2019 konnten erfolgten außerdem zahlreiche Präsentationen von (synthetischen) Ergebnissen: Auf der Jahrestagung der AG Mesolithikum in Tübingen war das Projekt sehr gut vertreten, wobei Moiken Hinrichs und Tobias Burau ihre Masterarbeiten vorstellten und Sonja B. Grimm einen zusammenfassenden Vortrag "On the distribution of lithic artefacts from the Lateglacial in excavation areas in northern Germany" hielt. Kurz darauf präsentierte sie über die ahrensburgerische Verbreitung in der Session 1 "Transformation of social space in forager societies", die von ihr und Daniel Groß (Teilprojekt B2) auf dem SFB 1266 / GSHDL-Workshop in Kiel organisiert wurde. Auf der gleichen Konferenz organisierten Berit Valentin Eriksen, Mara-Julia Weber und Sonja B. Grimm im Auftrag der UISPP-Kommission " The Final Palaeolithic of Northern Eurasia" eine Session zum Thema "Transformation as a human response to climate and environmental change?“ Darüber hinaus präsentierte Sonja B. Grimm bei einem Workshop der Société Préhistorique Française und der Hugo Obermaier Gesellschaft in Strasbourg über Transformationen und der Verbreitung von Wissen im Jungpaläolithikum und Mesolithikum in Nordeuropa; diesen Vortrag hielt sie zusammen mit Mara-Julia Weber, Daniel Groß (B2) und Sandra Söderlind (GSHDL). Wiederum zusammen mit Daniel Groß präsentierte das Teilprojekt B1 Ergebnisse zum Übergang vom Paläolithikum zum Mesolithikum in Norddeutschland und identifizierte diesen als einen allmählicheren Prozess in den archäologischen Hinterlassenschaften, als er üblicherweise angenommen wird.

Horsens area

Markus Wild, der 2019 über die Knochentechnologie der Hamburger Kultur in Norddeutschland und Dänemark promovierte, nutzte seine Expertise, um das Rentiergeweihmaterial aus Tyrsted zu untersuchen.

Forschungsaktivität 2020

Anfang 2020 wurde unsere Datenbank zu paläolithischen und mesolithischen Fundstellen aus Schleswig-Holstein von einer Access- auf eine PostgreSQL-Datenbank migriert. Dies wird die gemeinsame Arbeit an und mit dieser Datenbank in Zukunft erleichtern. Darüber hinaus diskutierten wir neue gemeinsame Projektideen mit Mitgliedern der Teilprojekte F6, F4, A1 und A2 und bereiteten unsere gemeinsamen Arbeiten mit G2 für Phase 2 vor. Seit dem von Covid-19 ausgelösten Lock-down konzentrierten wir uns auf das Verfassen von Manuskripten, die sicherlich zu unseren Forschungsergebnissen im nächsten Halbjahr beitragen werden.

Schließlich schloss unser Projekt trotz des weltweiten Pandemieausbruchs die erste Phase des SFBs mit einer großen Erfolgsgeschichte ab: Unser Doktorand, Sascha Krüger, hat seine kumulativ abgefasste Dissertation fristgerecht eingereicht und Mitte Mai sehr erfolgreich verteidigt. Sein erster, gemeinsam verfasster Artikel über die Altdaten von Hartmut Usinger vom Bølling-See wurde bereits 2019 online veröffentlicht (Krüger und Damrath, 2020). In diesem Artikel konnten er und sein Mitautor die mathematische Grundlage aufzeigen, anhand derer Usinger den Anteil von Betula nana an den Birkenpollen berechnet hatte. Außerdem konnte er die Ursache der durch Iversens Definition des Begriffs Bølling entstandene Unklarheit weiter identifizieren und diskutieren. In den übrigen vier Beiträgen hat sich Sascha Krüger auf die anhand der Sequenz des Nahe-Paläosees gewonnenen Ergebnisse konzentriert. Hier konnte er drei Crypto-Tephren identifizieren (Saksurnavatn-Asche, Vedde-Asche und Laacher See-Tephra; Krüger und van den Bogaard, eingereicht), die ihm halfen, ein zuverlässiges Zeit-Tiefen-Modell zu entwickeln (Dreibrodt et al., im Druck). Die Laacher See-Tephra wurde damit erstmals in Schleswig-Holstein identifiziert. Diese hochauflösende Chronologie in Verbindung mit einer umfassenden palynologischen Analyse (Krüger et al., angenommen) erlaubte es ihm, eine detaillierte Umweltgeschichte des Jungpleistozäns in Schleswig-Holstein zu erstellen. Darüber hinaus ermöglichte ihm die vollständige palynologische Untersuchung unter Einbeziehung von Holzkohlepartikeln, Hinweise auf Mensch-Umwelt-Interaktionen im Einzugsgebiet des Nahe-Paläosees herauszuarbeiten (Krüger, angenommen). Die Manuskripte reichte er Ende 2019 und Anfang 2020 ein. Drei wurden bereits Ende Juni 2020 zur Veröffentlichung angenommen bzw. befinden sich im Druck.