SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Cluster B: „Komplexe Wildbeuter“

Cluster B Grafik Chronologie
B-Projekte_Chronologie: Die Projekte des B-Clusters beschäftigen sich mit Transformationsprozessen spezialisierter Wildbeutergesellschaften. In der ersten Phase des SFBs werden diese insbesondere im Zusammenhang mit der Besiedlungsgeschichte Norddeutschlands über eine Zeitspanne von rund 10.000 Jahren (15.000-5.000 v.u.Z.) untersucht. In welcher Wechselbeziehung Verhaltensveränderungen der untersuchten Jäger-und-Sammlergruppen zu unterschiedlich intensiven Fluktuationen im Klima und Veränderungen in der Umwelt dieser Zeit standen wir ein wichtiger Diskussionspunkt in diesen Projekten sein.

Cluster B ist aufgeteilt in zwei Teilprojekte (B1, B2). Forschungsgegenstände sind Transformationen in spätpleistozänen und frühholozänen Wildbeutergesellschaften. Diese Fallstudien markieren die frühesten Epochen des SFBs und sind Teil des wissenschaftlichen Schwerpunktes von Fokus 2 „Transformationen sozioökonomischer Gebilde“.

B1: Pioniere des Nordens: Veränderungen und Transformationen in Nordeuropa auf Grundlage hochauflösender Datensätze

B2: Transformationsprozesse spezialisierter Wildbeutergruppen

Die Arbeitsgruppen dieses Clusters konzentrieren sich auf Veränderungsprozesse komplexer Wildbeutergruppen unter der Prämisse, dass sich ähnelnde sozio-strukturelle Ausgangssituationen zu unterschiedlichen Mensch-Umwelt-Interaktionsmustern entwickelten.

Im Verlaufe des Spätpleistozäns und des Frühholozäns können signifikante Veränderungen menschlichen Verhaltens festgestellt werden. Nach archäologischer Definition wird der Übergang vom Paläolithikum zum Mesolithikum durch den Wechsel von spezialisierten, hochmobilen Großwildjägern zu Jäger-Sammler-Gemeinschaften mit komplexem Nahrungsspektrum und an den Küsten halbsesshaften Jäger-Sammler-Gemeinschaften mit zusätzlicher Subsistenz im Fischfang beschrieben. Diese Transformationen spiegeln wiederholte und drastische Modifikationen menschlicher Gewohnheiten und Routinen wider, die unterschiedliche Komponenten des täglichen Lebens und sozialen Gefüges betrafen (z.B. Subsistenzstrategien). Komplexe Wildbeutergesellschaften sind Populationen geringer Größe, die vollständig auf die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen angewiesen sind und möglicherweise durch erhöhte Mobilität und Bewältigungsstrategien flexibel agieren konnten; diese Mobilität kann zwischen den Gruppen erheblich variieren, wie die beiden Fallstudien von Cluster B zeigen. Die bearbeiteten Zeitabschnitte repräsentieren Phasen mit unterschiedlich starken Veränderungen der klimatischen Bedingungen.

Das Endpaläolithikum im mittleren Nordeuropa war geprägt von weiträumigen, möglicherweise saisonal bedingten Wanderungsbewegungen der Wildbeutergruppen, im Mesolithikum war die Mobilität eher auf etablierte Gebiete beschränkt.

Dies betraf mehr als Residenzgewohnheiten und logistischer Mobilität; das territoriale Verhalten wurde zu einem stärkeren Grad transformiert. Dies zeigt sich in der Verteilung von Fundstellen, der Saisonalität und Nutzungsdauer von Lagerplätzen, rekonstruiert aus tierischen und pflanzlichen Hinterlassenschaften und der Variabilität oder präzisierten Ähnlichkeiten materieller Kultur. Um solche Transformationen darzulegen und zu begreifen, müssen neben dem Faktor Klima komplexere Vorgänge und das Zusammenspiel verschiedener sozialer Komponenten berücksichtig werden. Während des Endpaläolithikums waren Veränderungen der klimatischen und naturräumlichen Bedingungen am signifikantesten. Die Folge waren instabile Verhältnisse, an die sich der Mensch in unterschiedlichen Landschaftstypen anpasste - offenen Tundren, leicht bewaldete Gebiete, Küstenregionen und Wälder im Inland, wo sie mit einer Vielzahl an Seen und Bächen Wasserwege erschlossen. Auch während der stabileren Klimaphasen des frühen Holozäns veränderten sich die naturräumlichen Bedingungen konstant und erforderten entsprechende Reaktionen menschlichen Verhaltens. Es stellt sich die Frage, ob erhöhte Mobilität mit einer verstärkten Sensibilität gegenüber geringeren Umweltveränderungen einherging.

Hauptanliegen von Cluster B ist es, Prozesse, Auslöser und Komponenten der oben beschriebenen Transformationen zu untersuchen und zu vergleichen. Dies schließt menschliche Bewältigungs- und Anpassungsstrategien als Reaktionen auf klimatischen und naturräumlichen Stress, Innovationsverhalten und Veränderungen in Subsistenz und sozialer Interaktion ein.