SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Neuerscheinungen


09.10.2019

Eine aktuelle Studie zu Radiokarbondatierung von Leichenbrand in Radiocarbon erschienen

Leichenbrand aus Aarupgaard

Leichenbrand ist zu einem akzeptierten Material für Radiokarbondatierung geworden, allerdings haben 14C-Labors unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Arten von Verunreinigungen vorhanden sein könnten, und wenden daher sehr unterschiedliche Vorbehandlungsmethoden an. Dies ist für die Untersuchung von prähistorischen Transformationen von großer Bedeutung und wurde daher von Forschern des Teilprojektes G1 des SFB 1266 in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Labors für Radiokarbondatierung in Brüssel, des Leibniz-Labors in Kiel und des Zentrums für Isotopenforschung in Groningen untersucht.

In einer dazu aktuell in Radiocarbon veröffentlichten Studie, werden die Protokolle der Laborvorbehandlung durch Replikatmessungen verglichen. Die 14C-Ergebnisse zeigten, dass die Daten zwischen den Labors reproduzierbar sind und mit der erwarteten archäologischen Chronologie übereinstimmen.

Rose, H.A.Meadows, J., Palstra, S., Hamann, C., Boudin, M., Huels, M. 2019. Radiocarbon dating cremated bone a case study comparing laboratory methods. RadiocarbonDOI

Foto: Leichenbrand aus Aarupgaard, einem früheisenzeitlichen Urnenfeld in Südjütland, Dänemark. (Foto: H.A. Rose)


09.10.2019

Band 4 der SFB 1266-Reihe STPAS ist erschienen

Cover How´s Life

“How’s Life? Living Conditions in the 2nd and 1st Millennia BCE” herausgegeben von Marta Dal Corso, Wiebke Kirleis, Nicole Taylor, Magdalena Wieckowska-Lüth und Marco Zanon ist jetzt verfügbar. Es handelt sich um den vierten Band der SFB 1266-Reihe „Scales of Transformations in Prehistoric and Archaic Societies“ (STPAS). Mit diesem Band soll der Alltag in vergangenen Gemeinschaften näher beleuchtet werden.

Während der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit gab es zahlreiche Neuerungen in der Metallverarbeitung, der Sozialstruktur, der Nahrungsmittelproduktion und der Ernährung. Gleichzeitig wurden die Austauschnetzwerke in Europa enger geknüpft und die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt änderten sich. Welchen Einfluss hatten diese Transformationen auf das tägliche Leben? Mit welchen Methoden können Forscherinnen und Forscher diese Themen untersuchen?

Dieser Band stellt Beiträge aus einer gleichnamigen Session zusammen, die beim International Open Workshop "Socio-Environmental Dynamics over the Last 12.000 Years: The Development of Landscapes IV“ der Graduiertenschule "Human Development in Landscapes" organisiert wurde und 2017 in Kiel stattfand. Er versammelt wissenschaftliche Beiträge aus verschiedenen Bereichen der modernen Archäologie, die die Lebensbedingungen der Vergangenheit anhand des archäologischen Befundes und unter Berücksichtigung lokaler Umweltbedingungen erschließen. Im Fokus stehen dabei die Herstellung von Lebensmitteln und Metallen, die Themen Ernährung, Gesundheit, Abfallentsorgung und Wasserwirtschaft sowie zwischenmenschliche Beziehungen, wie sie für das Tollensetal als Gewaltexzesse nachgezeichnet werden können. Darüber hinaus werden zeitgenössische bildliche Rekonstruktionen von Lebensbedingungen in der Bronzezeit kritisch analysiert. 

Der Band kann online kostenlos gelesen und bei Sidestone Press bestellt werden.

Zum Verlag Sidestone Press 


07.10.2019

Band 3 der SFB 1266-Reihe STPAS ist erschienen

Cover Habitus

“Habitus? The Social Dimension of Technology and Transformation” herausgegeben von Sławomir Kadrow und Johannes Müller ist jetzt verfügbar. Es handelt sich um den dritten Band der SFB 1266-Reihe „Scales of Transformations in Prehistoric and Archaic Societies“ (STPAS).
Das Problem der sozialen Dimension von Technologie und Transformation aus der Perspektive des Habitus wurde in verschiedenen Arbeiten immer wieder aufgegriffen. Die Komplexität dieser Phänomene führt jedoch dazu, dass nachfolgende Ansätze in neuen Kontexten dargestellt und wieder erklärt werden müssen, was zu interessanten Beobachtungen führt.
Der Sammelband soll zu einem besseren Verständnis eines unter dem Begriff "Habitus" verborgenen Systems von verkürzten Dispositionen beitragen und stellt die neuesten Studien zur sozialen Dimension von Technologie und Transformation vor. Diese Studien decken hauptsächlich die Gebiete Europas von Skandinavien bis Italien und zum Balkan und von den britischen Inseln bis zur Ukraine und zum Nordkaukasus ab. In einem Fall wurden ethnoarchäologische Feldstudien in Indonesien durchgeführt, die jedoch zur Interpretation der Hallstattkultur in Europa verwendet werden. In der chronologischen Dimension umfassen sie die Zeit vom Neolithikum bis zum Beginn der Eisenzeit. Zu den behandelten Themen gehören Felskunst, Megasites der Tripolje-Gesellschaft, Steinäxte und -beile, Metallurgie, Wagen, Bogenschießen, Drehscheibenkeramik, Mechanismen der kulturellen Genese, dualistische Sozialsysteme und Kommentare zu Pierre Bourdieus' Theorie der Praxis, einschließlich des Konzeptes des Habitus.
„Habitus? The Social Dimension of Technology and Transformation“ richtet sich an die internationale Forschung und stellt eine wichtige Sammlung von Informationen und Interpretationen für alle Archäologen und an der europäischen Vorgeschichte interessierten Leser dar.
Der Band kann online kostenlos gelesen und bei Sidestone Press bestellt werden. 

Zum Verlag Sidestone Press 


27.09.2019

Eine Studie von SFB 1266 Mitgliedern zeigt, dass zunehmende Zentralisierung und mangelnde Partizipation zum Zusammenbruch von Mega-Sites der Tripolye-Kultur führte

Luftbild Maidanetske

Wie Untersuchungen des SFB 1266 in einer in PLoS One erschienen Studie zeigen, kann der Niedergang der von bis zu 15.000 Menschen bewohnten Mega-Sites der Tripolye-Kultur (5000-2700 v. Chr.) in der Nordpontischen Steppe auf veränderte sozio-politische Strukturen zurückgeführt werden. Dies wird an der diachronen Entwicklung von bestimmten öffentlichen Gebäuden aufgezeigt. So gab es zur Blütezeit der Tripolye-Kultur kleinere, mittelgroße und große Bauten, die als Versammlungs- und Entscheidungszentren interpretiert werden. Aufgrund ihrer Verteilung dienten die kleineren und mittelgroßen Bauten dabei wahrscheinlich den Bewohnern von Teilbereichen der Großsiedlungen, in denen über Belange auf unterer und mittlerer Ebene entschieden wurde. In den großen Versammlungshäusern wurden demgegenüber weitreichendere Entscheidungen gefällt. Allerdings verlieren kleinere und mittlere Versammlungsbauten gegen Ende der Tripolye-Kultur an Bedeutung und verschwinden schließlich, während die Großbauten an Größe, Monumentalität und Bedeutung gewinnen. 
Dies wird als eine Konzentration von Entscheidungsbefugnissen – Macht – interpretiert, während Belange auf unterer und mittlerer Ebene nicht mehr behandelt wurden. Entsprechend nahm die Konzentration von Macht auf einen kleineren Personenkreis oder sogar einen Machthaber zu, während die Partizipationsmöglichkeiten breiterer Bevölkerungsgruppen verschwand. Dieses sozio-politische Ungleichgewicht trug wesentlich zum Zerbrechen der Gesellschaft und zur endgültigen Auflassung der Großsiedlungen um 3700 v. Chr. bei. 
Die Studie, an der zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des SFB 1266 aus den Teilprojekten D1, F2 und F3 beteiligt waren, ist dabei nicht einseitig betrieben wurden, sondern berücksichtigte auch andere Faktoren, wie eine Übernutzung der Umwelt. Diese konnten jedoch als wesentliche Ursache, die zum Niedergang der Mega-sites führten, ausgeschlossen werden.
Eine detaillierte Pressemeldung finden sie hier.
Aufgrund ihrer großen Relevanz für das Verständnis von langfristigen sozio-politischen Entwicklungen, hat die Studie schon international für Resonanz gesorgt, so erschienen z. B. Beiträge in Newsweek, New Scientist, unian, NPLUS1, PhysOrg, Haaretz, Life Science, altasoscura und beim MDR.

Hofmann, R., Müller, J., Shatilo, L., Videiko, M., Ohlrau, R., Rud, V., Burdo, N., Dal Corso, M., Dreibrodt, S., Kirleis, W. 2019. Governing Tripolye: Integrative architecture in Tripolye settlements. PLoS ONE 14 (9): e0222243. DOI

Foto: Luftbild des 200 Hektar großen Siedlungsareals der Tripolye Mega-Site Maidanets‘ke mit Grabungsflächen. Die Errichtung von 3000 Häusern und die Ernährung einer mehrere Tausend Menschen umfassenden Bevölkerung bedeuteten einen erheblichen Eingriff in die Landschaft. Das Zusammenleben von 5.000 bis 15.000 Menschen stellte auch in sozialer Hinsicht eine große Herausforderung dar, die nur durch die Etablierung funktionierender politischer Institutionen bewältigt werden konnte.


18.09.2019

SFB 1266 beteiligt an einer in SCIENCE veröffentlichten Studie zu frühester Globalisierung

Ausgrabungen in Moldawien

Eine aktuelle, in der Zeitschrift SCIENCE veröffentlichte Studie von 255 internationalen Archäologinnen und Archäologen, darunter Forscher des Sonderforschungsbereiches 1266, verändert das Bild von der menschlichen Umgestaltung der Welt grundsätzlich. Nicht erst in der Neuzeit, sondern bereits vor 4000 Jahren waren demnach praktisch alle Gebiete der Erde durch menschliche Landnutzung extrem verändert worden. Zu dieser Erkenntnis beigetragen haben auch die Forschungen des SFB 1266, die Aussagen zur Intensität von Siedlungsweise und Landnutzung ermöglichten.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

Die Studie hat bereits öffentliches Interesse hervorgerufen: Johannes Müller, Sprecher des SFB 1266 und Co-Autor der Studie, gab dem Magazin Spiegel dazu ein Interview (Spiegel Plus).

Stephens, L. Fuller, D., Boivin, N., Rick, T., Gauthier, N., Kay, A., Marwick, B., Armstrong, C.G., Barton, C.M., Denham, T., Douglass, K., Driver, J., Janz, L., Roberts, P., Rogers, J.D., Thakar, H., Altaweel, M., Johnson, A.L., Sampietro Vattuone, M.M., Aldenderfer, M., Archila, S., Artioli, G., Bale, M.T., Beach, T., Borrell, F., Braje, T., Buckland, P.I., Jiménez Cano, N.G., Capriles, J.M., Diez Castillo, A., Çilingiroğlu, Ç., Negus Cleary, M., Conolly, J., Coutros, P.R., Covey, R.A., Cremaschi, M., Crowther, A., Der, L., di Lernia, S., Doershuk, J.F., Doolittle, W.E., Edwards, K.J., Erlandson, J.M., Evans, D., Fairbairn, A., Faulkner, P., Feinman, G., Fernandes, R., Fitzpatrick, S.M., Fyfe, R., Garcea, E., Goldstein, S., Goodman, R.C., d'Alpoim Guedes, J., Herrmann, J., Hiscock, P., Hommel, P., Horsburgh, K.A., Hritz, C., Ives, J.W., Junno, A., Kahn, J.G., Kaufman, B., Kearns, C., Kidder, T.R., Lanoë, F., Lawrence, D., Lee, G.-A., Levin, M.J., Lindskoug, H.B., López-Sáez, J.A., Macrae, S., Marchant, R., Marston, J.M., McClure, S., McCoy, M.D., Miller, A.V., Morrison, M., Matuzeviciute, G.M., Müller, J., Nayak, A., Noerwidi, S., Peres, T.M., Peterson, C.E., Proctor, L., Randall, A.R., Renette, S., Robbins Schug, G., Ryzewski, K., Saini, R., Scheinsohn, V., Schmidt, P., Sebillaud, P., Seitsonen, O., Simpson, I.A., Sołtysiak, A., Speakman, R.J., Spengler, R.N., Steffen, M.L., Storozum, M.J., Strickland, K.M., Thompson, J., Thurston, T.L., Ulm, S., Cemre Ustunkaya, M., Welker, M.H., West, C., Williams, P.R., Wright, D.K., Wright, N., Zahir, M., Zerboni, A., Beaudoin, E., Garcia, S.M., Powell, J., Thornton, A., Kaplan, J.O., Gaillard, M-J., Klein Goldewijk, K., Ellis, E. 2019. Archaeological assessment reveals Earth's early transformation through land use. Science 365, Issue 6456, 897-902. DOI

Foto: Ausgrabungen von kupferzeitlichen vorstädtischen Siedlungen aus der Zeit um 3800 v.Chr. und von bronzezeitlichen Aschehügeln um 1300 v. Chr. des Teilprojektes D1 in Moldawien (Stolniceni) haben entscheidend zur Rekonstruktion der Landnutzung und Siedlungsweise in den Wald- und Grassteppen Eurasiens beigetragen. (Foto: J. Müller)


16.09.2019

Untersuchung von Klima- und Landschaftstransformationen zwischen dem Neolithikum und dem Beginn der Bronzezeit

Klimakurve

Am Übergang von der Kupfer- zur Bronzezeit gab es im Gebiet des Gardasees (Norditalien, um 4150 BP) einen tiefgreifenden Wandel in den Siedlungsstrategien. Nach relativ spärlichen Nachweisen von neolithischen und kupferzeitlichen Resten, entstehen mehrere Pfahlbausiedlungen am Gardasee und den zahlreichen weiteren, kleineren Seen und Feuchtgebieten in der Umgebung.

Eine neue Publikation, die in Kollaboration der Teilprojekten F2, E1 und F3 entstand, untersucht den Umweltkontext vor und während der Entwicklung des bronzezeitlichen Pfahlbauphänomens. Zwei größere warme/aride Übergänge traten während des Neolithikums und der Kupferzeit auf: ein früherer datiert auf ca. 6300 bis 6100 Jahre vor heute, während der zweite zwischen ca. 4600 und 4300 Jahren vor heute auftrat. Insbesondere wurde ein deutlicher Übergang hin zu kälteren/feuchteren Bedingungen nach ca. 4300 Jahren vor heute erfasst. Dieser Trend setzt sich auch nach Beginn der Bronzezeit fort und deutet darauf hin, dass die Einführung neuer Bautechniken unter den sich schnell verändernden klimatischen Bedingungen erfolgte.

Zanon, M., Unkel, I., Andersen, N., Kirleis, W. 2019. Palaeoenvironmental dynamics at the southern Alpine foothills between the Neolithic and the Bronze Age onset. A multi-proxy study from Bande di Cavriana (Mantua, Italy). Quaternary Science Reviews 221. DOI

Abbildung: Aus einer Kombination zahlreicher Umweltindikatoren ermittelte Klimakurve. Modifiziert aus Zanon et al. 2019.


18.07.2019

The Holocene Special Issue des SFB 1266 online erschienen!

The Holocene Special Issue des SFB 1266

Die aktuellen Forschungsergebnisse des SFB 1266 sind in einer Special Issue in The Holocene unter dem Titel „Scales of Transformation – Human-Environmental Interaction in Prehistoric and Archaic Societies“ erschienen. Vom Mesolithikum bis zur Bronzezeit, von Norddeutschland bis in die Ukraine reichend, decken die zwölf Beiträge das ausgedehnte Arbeitsgebiet des SFB 1266 in seiner großen chronologischen und geographischen Ausdehnung ab. Im Fokus aller Beiträge liegt die Erforschung von Transformationsprozessen auf unterschiedlichen Skalen. Diese reichen vom Wirken von Transformationen auf Individuen, auf Populationsdynamiken und auf ganze Landschaften, die mit modernen Modellierungsansätzen untersucht werden. Die Beiträge, die auch theoretische Beträge miteinschließen, zeigen dabei den hohen inhaltlichen und methodischen Stand des SFB 1266. Darüber hinaus spiegeln sie die intensive interdisziplinäre Kooperation innerhalb des SFB 1266, und die dadurch verbesserten Erkenntnisse zu Transformationen von prähistorischen Gesellschaften wider.

Die Beiträge des Bandes: The Holocene Special Issue „Scales of Transformation – Human-Environmental Interaction in Prehistoric and Archaic Societies“ sind bereits online erhältlich. Das Verzeichnis der einzelnen Beiträge und die Abstracts sind hier: Abstracts und Beiträge einsehbar. Die Druckversion wird im Oktober erscheinen.

Abbildung: Beispiele aus den Beiträgen mit Schädel und Landschaftsmodellierungen. Zusammengestellt aus Abbildungen von Fuchs et al. 2019 und Knitter et al. 2019.


09.07.2019

Neu erschienen: Embracing Bell Beaker. Adopting new ideas and objects across Europe during the later 3rd millennium BC (c. 2600-2000 BC)

Cover Embracing Bell Beaker

Im neu erschienen Band der SFB-Reihe „Scales of Transformation in Prehistoric and Historic Societies“ zeigt Jos Kleijne basierend auf Siedlungsnachweisen der Glockenbecherzeit, dass lokale Gemeinschaften Ideen und Objekte auf unterschiedliche Arten übernahmen. Während manche prähistorischen Gemeinschaften das Glockenbecherphänomen schnell und als Paket übernahmen, taten dies andere Gemeinschaften deutlich langsamer oder überarbeiteten die Ideen um sie ihrer eigenen kulturellen Sphäre anzupassen. Diese variierenden Strategien und Geschwindigkeiten hingen dabei mit existierenden sozialen Informationsaustauschnetzwerken zusammen, wie Kleijne in seiner Forschung zeigen konnte. Diese entstehenden Glockenbecher- Informationsaustauschnetzwerken basierten auf einer Fernstreckenmobilität einer begrenzten Anzahl von Individuen, die neue Technologien und Praktiken verbreiteten. 

Zum Verlag Sidestone Press

Kleijne, J. 2019Embracing Bell Beaker: Adopting new ideas and objects across europe during the later 3rd millennium BC (c. 2600-2000 BC), Scales of Transformations 02. Leiden: Sidestone Press Dissertations.


07.07.2019

Die Kieler Konferenz „Megaliths – Societies – Landscapes“ ist erschienen

MegaBand2

Im 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. entstand Monumentalarchitektur in neolithischen und chalkolithischen Kontexten in verschiedenen Teilen Europas. Die aktuelle Forschung verwendet eine Reihe verschiedener Methoden und erarbeitet vielschichtige Interpretationen, um facettenreiche Narrative über dieses Phänomen zu erstellen.

Die internationale Konferenz „Megaliths – Societies – Landscapes. Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe“ zielte darauf ab, Forscher aus verschiedenen Regionen und Zusammenhängen zusammenzubringen und so eine aktuelle Perspektive auf die prähistorische Monumentalarchitektur zu schaffen. Die Konferenz bot auch die Möglichkeit, die Ergebnisse des DFG-Schwerpunktprogramms 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Über die Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und die Entstehung früher komplexer Gesellschaften in Nordmitteleuropa“ zu präsentieren, das sich auf das Aufkommen von Monumentalität im Kontext neolithischer Trichterbechergesellschaften konzentrierte. 

In den Beiträgen des Tagungsbandes werden die Ergebnisse der Konferenz vorgestellt, die sich sowohl mit Monumenten aus Stein, Holz und Erde, als auch mit interpretativen Aspekten wie der Bedeutung der Monumentalität für die Landschaftsstruktur und der sozialen Bedeutung der Monumentalität befassen. Sie bestehen aus breit angelegten Fallstudien mit kontinentalem Rahmen, die die vielfältigen Implikationen und Erscheinungsformen der Monumentalität veranschaulichen. Sie zeigen auch die Notwendigkeit holistischer Ansätze und der Integration verschiedener Datensätze für das Verständnis eines Phänomens von derartiger Komplexität. Für ein umfassenderes Verständnis der verschiedenen Erscheinungsformen der Monumentalität wurden auch ethnoarchäologische Studien zu Megalithbauten aus verschiedenen Kontinenten integriert.

Der Tagungsband zeigt, dass der Bau von Monumenten von sehr unterschiedlichen Faktoren beeinflusst sein kann und in verschiedene Kontexte der sozialen Organisation eingebettet war und somit ein sehr variables, transformatives Phänomen darstellt.

Zum Habelt Verlag

Müller, J., Hinz, M., Wunderlich, M. (eds.) 2011Megaliths – Societies – Landscapes. Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe, Proceedings of the International Conference "Megaliths – Societies – Landscapes". Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe, 16-20 June 2015 Kiel.,Vol. 2, Frühe Monumentalität und Soziale Differenzierung 18. Bonn: Dr. Rudolf Habelt GmbH. ISBN 978-3-7749-4213-4 


27.06.2019

Neue Ergebnisse zum 4,2 ka Ereignis auf der süd-iberischen Halbinsel

Diagramm 4,2 ka Event

Abbildung: Korrelation der Dürrephasen auf der süd-iberischen Halbinsel sowie Änderungen im Strömungsmuster der Alboran See mit Verschiebungen der Nord-Atlantischen Oszillation

Das 4,2 ka Event war eine Dürrephase, die mehrere Jahrhunderte andauerte und für bedeutende soziale und kulturelle Transformationen mitverantwortlich war –  darauf lassen zumindest einige Erkenntnisse aus dem östlichen und zentralen Mittelmeerraum schließen. Die Ausprägung und die Auswirkungen des 4,2 ka Event im westlichen Mittelmeerraum ist hingegen noch immer Gegenstand intensiver Debatten in der Wissenschaftsgemeinschaft.

Eine aktuelle Publikation des F1 Teilprojekts hat jetzt einen wichtigen Beitrag zu dieser Debatte geleistet und dabei gezeigt, dass das 4,2 ka Ereignis auf der süd-iberischen Halbinsel deutlich komplexer ausgeprägt war als bisher angenommen. Demnach herrschte zwischen ca. 4400 und 4300 Jahren vor heute eine etwa 100-jährige Dürre, die sich vor allem durch reduzierte Niederschläge im Winter auszeichnete. Darauf folgte relative abrupt eine stabilere, humidere  Phase zwischen ca. 4300 und 3800 Jahren vor heute, die vor allem durch erhöhte Niederschläge im Winter gekennzeichnet war. Diese rasche Änderung ist vermutlich auf eine Verschiebung der Nord-Atlantischen Oszillation zurückzuführen.

Schirrmacher, J., Weinelt, M., Blanz, T., Andersen, N., Salgueiro, E., Schneider, R.S. 2019. Multi-decadal atmospheric and marine climate variability in southern Iberia during the mid- to late-Holocence. Clim. Past 15, 617-634.


04.06.2019

Atlas of Neolithic plant remains from northern central Europe

  Atlas of Neolithic plant remains

Der „Atlas of Neolithic plant remains from northern central Europe“ ist als Band 4 der Reihe “Advances in Archaeobotany” erschienen. Er wurde von Wiebke Kirleis, Sprecherin des SFB 1266 und Teilprojektleiterin von F3 und D1, abgefasst und entstand unter anderem aus ihren Arbeiten im SFB 1266. Der Atlas versammelt hochwertige Makrophotographien von alten Pflanzenresten aus 36 jungsteinzeitlichen Fundorten der Linearbandkeramik, Trichterbecherzeit, Einzelgrabkultur und Dolchzeit und gibt somit einen Überblick, welche Nutz- und Wildpflanzen verfügbar waren. Er bildet so ein grundlegendes Referenzwerk für zukünftige archäobotanische Untersuchungen dieser Epoche. Kurzbeschreibungen der Archäologie der Fundplätze ergänzen den umfangreichen Katalog der Pflanzenreste. Der Atlas ergänzt das Digital Plant Atlas project und ist bei Barkhuis publishing erschienen.

Zum Verlag Barkhuis publishing

Kirleis, W. 2019. Atlas of Neolithic plant remains from northern central Europe, Advances in Archaeobotany 4. Eelde: Barkhuis publishing. ISBN 9789492444912 


20.05.2019

Gesichtsurnen – Menschenbilder der Vergangenheit

  Gesichtsurnen

Gesichter faszinieren, besonders die der Vergangenheit. Gesichtsdarstellungen rückten bereits früh in das Interesse von Sammlern und Museen.

Jutta Kneisel, Projektleiterin des SFB 1266 Teilprojektes D3, hat einen anschaulichen Band über anthropomorphe Gefäße veröffentlicht. In der Bronze- und Eisenzeit wurden sie vor allem als Grabgefäße genutzt. Das vorliegende Buch beinhaltet die aktuellen Forschungsergebnisse zu den Gesichtsurnen. Den Leser erwartet in diesem reich bebilderten Band ein Einblick in das Leben einer Gesellschaft vor knapp 3000 Jahren.
Wer war die bedeutende Frau und welche Rolle spielte der alte Mann? Wir lernen Kinder und Krieger kennen und erfahren etwas über Handel und Tauschnetzwerke, die bereits damals quer durch Europa führten. Dabei spielen für die Untersuchungen Gesichtserkennung und die Bedeutung des Gesichtes eine wesentliche Rolle. Der spannende Beitrag ist im Habelt Verlag, Bonn, erschienen.

Zum Habelt Verlag

Kneisel, J. 2019Gesichtsurnen. Menschenbilder der Vergangenheit.Bonn: Dr. Rudolf Habelt GmbH.


15.05.2019

Langfristige Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in das Stymphalia See-Ökosystem

  Stymphalia-See

Am Stymphalia-See kämpfte der Sage nach Herakles gegen die Stymphalischen Vögel. Heute kämpft der See wegen des Raubbaus an seinen Wasserressourcen ums Überleben, obwohl er als Natura2000-Gebiet (eigentlich) geschützt sein sollte.

Ein in der aktuellen Ausgabe der Quaternary Science Reviews erschienener Artikel des Teilprojektes E1 zeigt, dass es bereits während der letzten 2500 zu drastischen Veränderungen des See-Ökosystems kam. Diese waren schon damals durch menschliche Eingriffe verursacht worden.

Gerade in Zeiten von durch den Menschen verursachter globaler Klimaerwärmung und Umweltzerstörung ist dieser exemplarische Blick in die Vergangenheit besonders wichtig, um die langfristigen Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in die Umwelt besser verstehen zu können.

Seguin, J., Bintliff, J. L., Grootes, P. M., Bauersachs, T., Dörfler, W., Heymann, C., Manning, S.W., Müller, S., Nadeau, M.-J., Nelle, O., Steier, P., Weber, J., Wild, E.-M., Zagana, E., Unkel, I. 2019. 2500 years of anthropogenic and climatic landscape transformation in the Stymphalia polje, Greece. Quaternary Science Reviews 213, 133-154.  DOI

Abbildung: Joana Seguin während der Feldarbeiten am Stymphalia See, Griechenland.


26.04.2019

Kontinuitäten und Diskontinuitäten von Siedlungsplätzen während Transformationsprozessen im Mittel- und Jungneolithikum in Ostholstein

  Oldenburg Siedlungsplatz

In der aktuellen Ausgabe der Praehistorsichen Zeitschrift stellt das Teilprojekt C1 seine in Kooperation mit den Teilprojekten B2, F3 und F5 erzielten Ergebnisse der Ausgrabungen an einem mittel- und jungneolithischen Siedlungsplatz mit Feuchtbodenerhaltung im Untersuchungsgebiet Ostholstein vor. Der Artikel verbindet in ausführlicher Weise archäologische, archäobotanische und archäzoologische Ergebnisse, die innerhalb des SFB 1266 in den Jahren 2016-2018 interdisziplinär erzielt wurden. Dabei ließen sich, ausgehend von dem neu gegrabenen Fundplatz, sowohl Kontinuitäten als auch Diskontinuitäten auf regionaler Ebene nachweisen. Insbesondere die Platzkontinuität von Siedlungen erweist sich demnach für das Verständnis der Transformationsprozesses vom Mittel- zum Jungneolithikum in der Norddeutschen Tiefebene von entscheidender Bedeutung.

Brozio, J.P.Filipovic, D.Schmölcke, U.Kirleis, W.Müller, J. 2018. Mittel- bis jungneolithische Siedlungshinterlassenschaften zwischen 3300–2600 v. Chr. Der Fundplatz Oldenburg LA 232 im Oldenburger Graben, Ostholstein. Praehistorische Zeitschrift 93 (2), 185-224. DOI

Abbildung: Rekonstruktion des Siedlungsplatzes Oldenburg LA 232 in seinem lokalen Umfeld.


18.02.2019

Die Menschen der Bronzezeit: Neueste Forschung zur Populationsgenetik, Lebensweise und Kultur im Kaukasus

  Kultur im Kaukasus

Eine kürzlich in Nature Communications veröffentlichte Studie zu palaeogenetischen Untersuchungen bezeugt die komplexe Interaktion von Bevölkerungsgruppen der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergländer im Zeitraum zwischen 6500 und 3500 vor unserer Zeitrechnung.

Die Studie fußt auf den Analysen genomweiter Daten von 45 Individuen aus der Steppen- und der Gebirgszone des Nordkaukasus. Die Untersuchungen wurden vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI-SHH) und der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin koordiniert. Zwei der untersuchten Individuen entstammen dem Gräberfeld „Kudachurt 14“, zentrales Forschungsobjekt der interdisziplinären Promotion von Katharina Fuchs (SFB Teilprojekt Z1).

mehr Informationen: CAU Pressemitteilung

Zum Artikel der Nature Communications

Chuan-Chao Wang et al., 2019. Ancient human genome-wide data from a 3000-year interval in the Caucasus corresponds with eco-geographic regions. Nature Communications.

Abbildung: Der Elbrus, mit mehr als 5600 Metern der höchste Berg des Kaukasus und Europas, umgeben von Bergketten, Gebirgsflanken und Hochtälern (Sabine Reinhold, DAI Berlin).


18.02.2019

Special Issue

Think global, act local! Bell Beakers in Europe

  Publication Think global, act global

Die Special Issue 4 des Journal of Neolithic Archaeology präsentiert eine Reihe von Artikeln zu Vorträgen des „Archaéologie et Goblets“ - Glockenbecher-Workshops „Think global, act local“, der im Mai 2017 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stattfand. „Archaéologie et Goblets“ ist ein Netzwerk europäischer Archäologen, die sich der der Erforschung des Glockenbecherphänomens widmen, einer Kulturerscheinung, die im Europa des 3. Jahrtausend v.u.Z. eine wichtige Rolle in der transregionalen Distribution materieller Kultur sowie sozialer und ökonomischer Innovationen spielte.

Die Artikel der Sonderausgabe liefern Hintergrundinformationen zu den Transformationsprozessen, die insbesondere in den SFB-Teilprojekten C1 und F1 erforscht werden, die sich mit Norddeutschland und dem westlichen Mittelmeerraum beschäftigen. Eine Druckversion ist in Kürze erhältlich.

Zur Special Issue des Journal of Neolithic Archaeology

Kleijne, J.P., Furholt, M., Müller J. (eds.) 2018. Think global, act local. Bell Beakers in Europe, Proceedings of the Bell Beaker Workshop Kiel 2017. Journal of Neolithic Archaeology  2018, Special Issue 4.


09.01.2019

PRÄHISTORISCHE DEMOGRAPHIE

Neue Studie liefert Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung in Europa und im Nahen Osten im Zeitraum von 6000 bis 1000 vor Christus.

Prähistorische Demographie Karte

Auf der Karte sind die Gebiete ersichtlich, für die erstmals die Bevölkerungsdichten für urgeschichtliche Zeiten großräumig rekonstruiert wurden. (Abbildung aus Artikel, open access)

Genaue Bevölkerungszahlen für lang zurückliegende Zeiten zu ermitteln ist schwierig, denn sie lassen sich nur indirekt über die Auswertung von archäologischen Funden ermitteln. Eine am 2. Januar in der Online-Zeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie legt nun neue Ergebnisse zur absoluten Bevölkerungsdichte in Europa und im Vorderen Orient für den Zeitraum von circa 6000 bis 1000 vor Christus vor. Den Wissenschaftlern Dr. Aleksandr Diachenko vom Archäologischen Institut der Nationalakademie der Wissenschaften, Kiew (Ukraine), und Professor Johannes Müller, Sprecher des SFB 1266, ist es gelungen, die Bevölkerungszahlen für weite Teile Europas und Mesopotamiens zu rekonstruieren. Dazu führten sie das primär auf Ausgrabungsergebnissen beruhende Expertenwissen aus wissenschaftlichen Studien zu unterschiedlichen Kleinregionen zusammen und gewannen daraus absolute Einwohnerzahlen und Informationen über die Dichte der Bevölkerung vor Tausenden von Jahren.

Zur Pressemitteilung

Großsteingrab

 

Müller, J., Diachenko, A. 2019. Tracing long-term demographic changes: The issue of spatial scales. PLoS ONE 14 (1): e0208739. PlosOne 


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