SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Feldarbeiten


23.04.2018

Ausgrabung einer neolithischen Fundstelle durch das Teilprojekt C1

Magnetik      Oldenburg

Das langgestreckte Feuchtgebiet des heutigen Oldenburger Grabens in Ostholstein wurde vor 5000 Jahren durch einen Fjord geprägt, der sich anschließend zu einer Lagune wandelte. In dieser durch Insel und Halbinsel geprägten Landschaft sind eine Vielzahl von Siedlungsplätzen aus dem Mesolithikum und dem Neolithikum bekannt. Um eine hochauflösende Rekonstruktion der spätmesolithischen bis neolithischen Siedlungslandschaft und damit verbundenen Transformationsprozessen durchführen zu können, wurde im März 2018 ein Fundplatz am Randbereich des Oldenburger Grabens im Rahmen des Teilprojektes „Spätmesolithische und Neolithische Transformationen in der nordmitteleuropäischen Tiefebene“ untersucht. Der durch Oberflächen Funde bekannte Platz liegt in unmittelbarer Nähe zu einem im Sommer 2016 durch das Teilprojekt ausgegrabene jungneolithischen Fundplatz aus der Transformationsphase der Trichterbecher- zur Einzelgrabkultur um 2900 v.u.Z.

Neben einer Aufsuchung im Mesolithikum kann auf Grund der geborgenen Keramik gegenwärtig auch von einer neolithischen Nutzung des im März 2018 untersuchten Platzes ausgegangen werden. Neben der Ausgrabung erfolgten zeitgleich archäobotanische Untersuchungen zur Erfassung von organischen Makroresten aus den Befunden durch das Teilprojekt F3 „Dynamik der Pflanzenökonomie in prähistorischen und archaischen Gesellschaften“, um den damaligen Nahrungserwerb und entsprechende landwirtschaftliche Praktiken zu verstehen.

Fotos und Text: Jan Piet Brozio


31.01.2018

Teilprojekt D2: Letzte Geomagnetik in 2017

Magnetik

Eine Woche vor Weihnachten war das Teilprojekt  D2 auf der letzten Feldkampagne des Jahres. Ziel war die geophysikalische Untersuchung der spätneolithischen Siedlung (ca. 2900 v. Chr.) “Ebsdorfergrund-Wittelsberg 7”.  Die Siedlung liegt in einer Senke der deutschen Mittelgebirgszone. Zusammen mit drei Studierenden verlief die Geomagnetik erfolgreich. Mit dem Team erreichte auch der Winter Mitteldeutschland und brachte durch Schneefall und Ponys eine weihnachtliche Stimmung auf die Kampagne.

Der südöstliche Teil der Siedlung wurde bereits 1988 und 1990 ergraben. Einige Hausgrundrisse, Gruben und ein Grabensystem der Siedlung sind wichtige Hinweise für das Siedlungswesen der Wartbergkultur. Obwohl bereits in den 90ern eine geomagnetische Untersuchung statt fand, verblieben unter anderem Unklarheiten über Siedlungsausdehnung und den Verlauf des Grabensystems. Die Feldarbeiten des Teilprojktes D2 konnten darüber Klarheit schaffen und zusätzlich weitere Grubenhäuser entdecken.

Text: Clara Drummer
Bild: Clara Drummer


18.12.2017

Geomagnetische Prospektionen: Teilprojekt C1 untersucht jungneolithische Siedlungsplätze in Schleswig-Holstein

gender-workshop      Geomagnetische Prospektionen

Im Rahmen der Forschungen von Teilprojekt C1 „Spätmesolithische und Neolithische Transformationen in der nordmitteleuropäischen Tiefebene“ wurden vom 12-13.12.2017 potentielle Siedlungen des Jungneolithikums (2850 – 2250 v. Chr.) in Westre (Nordfriesland) und Oldenburg (Ostholstein) geomagnetisch prospektiert. Die Siedlungsplätze sind im Vorfeld durch Sammleraktivitäten erkannt worden.

Der Übergang vom Mittel- zum Jungneolithikum, der im europaweiten Kontext mit der sogenannten Schnurkeramischen Kultur assoziiert und kontrovers diskutiert wird, ist einer der Forschungsschwerpunkte von Teilprojekt C1. Die Transition geht mit signifikanten Veränderungen in der materiellen sowie der immateriellen Kultur einher. Das Jungneolithikum ist in der Norddeutschen Tiefebene insbesondere durch zahlreiche Grabhügel repräsentiert. Diese noch heute in der Landschaft sichtbaren Monumente zeugen von tiefgreifenden Transformationen im Bestattungsritus: Einzelgräber in den Hügeln spiegeln die individuelle soziale Rolle der Verstorbenen wider. Damit steht diese Begräbnisform im starken Kontrast zu den Kollektivbestattungen in Megalithgräbern vorangegangener Epochen. Im Gegensatz zu den zahlreichen bekannten Bestattungen sind Siedlungsplätze des Jungneolithikums in der Norddeutschen Tiefebene eine absolute Rarität. Um die Transformationsprozesse im frühen dritten Jahrtausend v. Chr. zu verstehen, ist es erforderlich, auch Siedlungshinterlassenschaften aus dieser Umbruchsphase zu untersuchen. Für diese umfassenden Untersuchungen sollen die durchgeführten geomagnetischen Prospektionen vielversprechende Siedlungsplätze lokalisieren.

Text: S. Schultrich

Bilder: B. Breske, S. Schultrich


06.11.2017

Teilprojekt G2: Geophysikalische Prospektionen im Sommer 2017

 in-situ Widerstandsmessungen in Stolniceni       Bodenradarmessungen in Vráble

Von Mitte August bis Anfang Oktober führt das Teilprojekt G2 “Geophysikalische Prospektion, Klassifikation und Validierung von Siedlungsresten in sich ändernden Umgebungen” Messungen auf den archäologischen Fundstellen Vráble (Slowakei) in Kooperation mit Teilprojekt C2 und Stolniceni (Republik Moldau) sowie Maidanetske (Ukraine)  in Kooperation mit Teilprojekt D1 durch. Es wurde ein Multimethoden-Ansatz, bestehend aus den Methoden elektrische Widerstandstompgraphie (ERT), Bodenradar (GPR), elektromagnetische Induktionsmessungen (EMI) und Magnetik, verwendet um die Befunde der verschiedenen Fundstellen zu untersuchen. ERT, GPR und EMI wurden nicht nur auf der Erdoberfläche sondern auch in den offenen archäologischen Ausgrabungen angewandt. Darüber hinaus wurden in-situ Messungen des elektrischen Widerstands und der magnetischen Suszeptibilität auf der Erdoberfläche, in offnenen archäologischen Ausgrabungen und Pürckhauer-Bohrlöchern in Kooperation mit Teilprojekt F2 durchgeführt. Der Fokus der Kampagne lag auf der Erstellung von hochauflösenden multimethoden Datensätzen von archäologischen Schlüsselbefunden.

Bilder:
In-situ Widerstandsmessungen in Stolniceni / Bodenradarmessungen in Vráble
Text und Bilder: Natalie Pickartz


06.10.2017

Bohrungskampagne: Spätglazialen Fundplätze der Hamburger und Ahrensburger Kultur im Kreis Segeberg

 Grabungssituation Brodersby

Unweit der Ortschaft Nahe (Kreis Segeberg) fanden am Dienstag und Mittwoch (17.-18.10.) Bohrungen im Rahmen des Teilprojektes B1 statt. Der Bohrstandort liegt inmitten einer reichen archäologischen Fundlandschaft in unmittelbarer Nähe zu spätglazialen Fundplätzen der sogenannten Hamburger und Ahrensburger Kulturen. Die Träger der Hamburger Kultur waren Pioniere, die als erste Menschen Norddeutschland nach dem Rückzug der großen Inlandgletscher des letzten Kältemaximums besiedelten. Die Rentierjäger der Ahrensburger Kultur markieren am Übergang zum Holozän das Ende des Paläolithikums in Norddeutschland. Unter Mithilfe von Walter Dörfler (F2) und Jan Weber (E1) wurden an beiden Tagen insgesamt 34 m Sediment aus einem ehemaligen Schmelzwassersee gewonnen. Der Aufschluss der erbohrten Sedimentkerne ergab, dass in den untersten Kernabschnitten laminierte Ablagerungen des Spätglazials erhalten sind. Aus Voruntersuchungen von Hartmut Usinger Anfang der 2000er Jahre ist darüber hinaus bekannt, dass es sich in den tieferen Seeabschnitten generell um überwiegend ungestörte Sedimentationsbedingungen zur Zeit des späten Pleistozäns handelte. Dieser Umstand erlaubt diverse, auf Übergangsphasen fokussierte Analysen in hoher Auflösung. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Sedimente mit palynologischen, geologischen und geochemischen Verfahren in den Teilprojekten B1, E1 und F2 untersucht.  Die zahlreichen Analysen werden dazu beitragen, die Mensch-Umwelt-Interaktion während des Spätglazials von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten und helfen, archäologische Fragestellungen mit naturwissenschaftlichen Methoden zu beantworten.

Text und Bilder: S. Krüger


06.10.2017

Neolithikum im Feuchtboden: Grabungen von Teilprojekt C1 in Brodersby-Schönhagen

Luftbild Brodersby      Grabungssituation Brodersby

An der Ostseeküste zwischen Kappeln und Eckernförde in Schleswig-Holstein finden gegenwärtig - im Anschluss an die Untersuchungen des jungsteinzeitlichen Siedlungsplatzes in Duvensee - weitere Ausgrabungen durch das Teilprojekt C1 statt. Die Fundstelle Brodersby-Schönhagen ist an drei Seiten von Feuchtgebieten umgeben und war im Neolithikum eine Insel oder Halbinsel in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Küstenverlauf der Ostsee. Der Siedlungsplatz wird von einer Kulturschicht bedeckt, die sich durch eine hohe Anzahl von Funden und Aktivitätsarealen, wie Werkplätzen für die Flintproduktion, auszeichnet. In den feuchten Randbereichen der ehemaligen Geländeerhöhung haben sich zudem Knochen und daraus hergestellte Werkzeuge erhalten. Das Fundmaterial umfasst gegenwärtig mehr als 2000 Artefakte. Verzierte Keramikscherben und Beile verweisen auf eine Einordnung des Siedlungsplatzes Brodersby-Schönhagen in den Zeitraum des Überganges vom Mittel- zum Jungneolithikum bzw. von der Trichterbecher- zur Einzelgrabkultur im dritten Jahrtausend v. Chr. Der Prozess gehört zu den die gesellschaftlichen Organisationen am stärksten verändernden Transformationen im norddeutschen und südskandinavischen Neolithikum und steht im Fokus von Projekt C1.

Bilder: J. P. Brozio

 

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