CRC 1266 - Scales of Transformation

Forschungsaktivitäten 2017-2018

Da sich unsere Hauptforschungsziele auf die sozio-ökologischen Transformationen während des spätpleistozänen Wiederbesiedlungsprozesses Nordeuropas beziehen, haben wir unsere Forschung im südwestlichen Ostseeraum begonnen, wo wir fünf archäologische Regionen identifiziert hatten, die wir in verschiedenen Arbeitspaketen (WP) untersuchen wollten:

- Ahrensburger Tunneltal (WP1),

- die Region am Liether Moor (WP2),

- die Region am Itzstedter See (WP4),

- Alt Duvenstedt (WP5) und

- Ahrenshöft (WP6).

Zu diesen hofften wir, mit Hilfe von Vorhersagemodellierungen (predictive modelling), die von einer Datenbank spätpleistozäner und frühholozäner Fundorte in Schleswig-Holstein (fortan: Paläodatenbank, WP3) gespeist werden, weitere Regionen hinzufügen zu können. Aufgrund unerwarteter Funde bei einer Präventivgrabung Ende 2016 konnten wir eine weitere interessante Region bei Horsens / DK identifizieren, die wir weiterhin auch untersuchen werden (WP8). Diese neu hinzugekommene Untersuchungsregion liegt innerhalb der weichselzeitlichen Jungmoränen und vervollständigt damit die Verteilung unserer Fundregionen über die wichtigsten geologischen Formationen im südwestlichen Ostseeraum. Schließlich wollen wir unsere Ergebnisse zusammenfassen (WP7), um die vier wesentlichen Transformationsphasen (T1-4), die bereits aus dem archäologischen Material des Untersuchungsgebietes bekannt waren, besser zu verstehen.

FIG2017-1 Radiokarbon (grauem) und techno-typologisch datiertes (blauem) Material in den verschiedenen Untersuchungsregionen des Teilprojekts B1 in Bezug auf die Transformationsphasen (T1-4), die ungefähre Vegetationsentwicklung, die allgemeine Klimaentwicklung des Nordatlantiks, wiedergegeben durch die Entwicklung der Sauerstoffisotopenkurve aus einem grönländischen Eiskern, und die archäologische Kulturentwicklung im südwestlichen Ostseeraum.

FIG2017-1 Radiokarbon (grauem) und techno-typologisch datiertes (blauem) Material in den verschiedenen Untersuchungsregionen des Teilprojekts B1 in Bezug auf die Transformationsphasen (T1-4), die ungefähre Vegetationsentwicklung, die allgemeine Klimaentwicklung des Nordatlantiks, wiedergegeben durch die Entwicklung der Sauerstoffisotopenkurve aus einem grönländischen Eiskern, und die archäologische Kulturentwicklung im südwestlichen Ostseeraum.

 

WP1 (Ahrensburger Tunneltal): Entsprechend unserem Antrag haben wir inzwischen die digitale Analyse dieser Region vorbereitet, indem wir weitere Informationen für eine 3D-Rekonstruktion gesammelt und in ein Geographisches Informationssystem (GIS) integriert haben. Neben geologischen Daten wurden detaillierte archäologische Informationen in das GIS aufgenommen, wie die von Rust (1958) und Tromnau (1974) zu den Standorten Teltwisch und Borneck veröffentlichten Angaben. Einige der archäologischen Informationen aus diesem Bereich bedürfen noch der Überprüfung und müssen auf den neuesten Stand der modernen archäologischen techno-typologischen Analysepraxis gebracht werden.

Mit Hilfe dieser Informationen wird ein 3D-Geländemodell erstellt. Es wird dazu beitragen, die geomorphologischen Veränderungen der Landschaft auf subregionaler Ebene darzustellen, nicht nur in diesem Untersuchungsgebiet, sondern auch im Liether Moor, am Itzstedter See und in Ahrenshöft. Diese Veränderungen waren während des Spätpleistozäns noch im Gange und die Menschen im Spätpaläolithikum mussten sich an sie anpassen. Transformationen der sozio-ökologischen Interaktion können wir nur berücksichtigen, wenn wir mehr über diese Veränderungen und ihre interne Chronologie wissen. Allerdings können die Interpolationen der 3D-Informationen aufgrund der unterschiedlichen geologischen Probleme nicht so einfach wie bisher erwartet durchgeführt werden. Die räumliche Signifikanz dieser Daten liegt auf subregionaler Ebene mit sehr unterschiedlichen Hypothesen, abhängig von ihrer zeitlichen Relevanz. So müssen beispielsweise die stratigraphischen Daten aus dem Ahrensburger Tunneltal weiter differenziert werden, um unserem Vorhaben dienlich zu sein, Modelle dieser Region zu verschiedenen Perioden zu erstellen. Auf der Grundlage dieser Datenerhebung kann dann eine erste Diskussion über die menschliche Nutzung dieser Landschaft und die Transformationen zwischen den Perioden durchgeführt werden.

WP2 (Liether Moor): Für die Region am Liether Moor haben wir auch ein GIS auf Basis der bisher bekannten Datenbestände aus der Archäologie sowie der Geologie erstellt. Im September 2017 konnten wir uns dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein (ALSH) bei einer Baubegleitung in diesem Bereich anschließen, wo einige Testgräben mit einem Bagger ausgehoben wurden. Während dieser Kampagne entnahmen wir mehrere Sedimentkerne mit einem modifizierten Livingston-Kolbenkernbohrer ("Usinger Bohrer"), um ein detailliertes Paläoumweltarchiv zu erfassen. Diese Bemühungen zeigten eindrucksvoll, dass die geologische Formation in diesem Gebiet sehr komplex und das organische Material schlecht erhalten ist. Dies zeigte sich auch an den gesammelten, teilweise widersprüchlichen geologischen Daten. Die komplexen Ergebnisse machten deutlich, dass wir vor weiteren Felduntersuchungen die verfügbaren Informationen mit Geologen (Kay Krienke, Geological Survey SH/ LLUR, Alf Grube, Geological Survey HH) diskutieren müssen. Basierend auf dieser Diskussion können wir vielleicht auch die Entwicklung dieses Fundgebietes und die Nutzung durch Jäger-Sammler-Gruppen des Spätpleistozäns und des frühen Holozäns neu überdenken. Nach Durchsicht aller archäologischen Berichte aus Klein Nordende, Elmshorn, Tornesch, Heidgraben und Seeth-Ekholt zeigt sich der Reichtum dieses Gebietes mit etwa 75 Fundstellen aus der Steinzeit, von denen mindestens 40 dem Paläolithikum oder dem Mesolithikum zugeschrieben werden konnten. Wir fingen auch an, einige der spätpaläolithischen Inventare zu überprüfen, um mögliche Transformationen bei der Verwendung der lithischen Materialien sowie die Verwendung verschiedener Orte im Laufe der Zeit genauer zu verstehen.

WP3 (Paläodatenbank): Wir haben erfolgreich an der Anbindung der Paläodatenbank an die Datenbank des ALSH gearbeitet, so dass wir die bereits bekannten Fundorte genau lokalisieren und dann in Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt A2 nach neuen vielversprechenden Fundgegenden suchen können. Gelegentlich sind wir auch ins Feld gefahren, um einige Fundplätze in Schleswig-Holstein sowie Mecklenburg-Vorpommern auf ihr Potenzial bei der Beantwortung von Fragen zu Mensch-Umwelt-Interaktionen zu prüfen. In diesem WP können wir auch die Arbeiten an den Altdaten des verstorbenen Hartmut Usingers zusammenfassen, mit denen sich Sascha Krüger einen ersten Überblick über die palynologischen Aufzeichnung verschafft hat und die uns über das Spätpleistozän in Schleswig-Holstein informieren. Ein erstes Ergebnis war die Identifizierung eines vielversprechenden Bohrplatzes am Itzstedter See (siehe unten).

FIG2017-2 Fotos von einigen der Feldarbeiten 2017. Oben links: Bohrgerät (modifizierter Livingston-Kolbenkernbohrer, der sogenannte

FIG2017-2 Fotos von einigen der Feldarbeiten 2017. Oben links: Bohrgerät (modifizierter Livingston-Kolbenkernbohrer, der sogenannte "Usinger Bohrer") im Liether Moor, zu beachten ist der mit Wasser volllaufende Testgraben in der rechten unteren Ecke (Foto: S. Krüger). Oben rechts: Tobias Burau und Sascha Krüger auf der Suche nach organischen Sedimenten mit einem Pürckhauer-Bohrer in Dätgen (Foto: S. B. Grimm). Unten rechts: Morten Fischer Mortensen erklärt den aus Schleswig zu Besuch kommenden Kollegen das Profil des Toteislochs in Tyrsted (Foto: S. B. Grimm). Unten links: Tobias Burau, Jan Weber und Sascha Krüger beim Bohren mit einem "Usinger Bohrer" im Rönnetal am Itzstedter See (Foto: S. B. Grimm).

 

WP4 (Itzstedter See): In unserer aktuellen Arbeit am Itzstedter See lag der Schwerpunkt auf der Gewinnung von Sedimentkernen für Paläoumweltanalysen aus einem spätglazialen Seebecken im oberen Tal der Rönne. Im Oktober 2017 erlaubte uns die untere Naturschutzbehörde, zwei 16 m lange Kerne zu erbohren an einer Stelle, an der Hartmut Usinger spätglaziale, laminierte Sedimente fand. Diese Feldkampagne wurde in Zusammenarbeit mit Jan Weber (E1) durchgeführt und die Analysen der Sedimentkerne werden in enger Zusammenarbeit mit der Geochemie von E1 und der palynologischen und sedimentologischen Expertise des Teilprojekts F2 (Stefan Dreibrodt) durchgeführt. Fundstellen der Hamburger und Ahrensburger Kultur sind aus der Umgebung des Bohrpunktes bekannt und liegen in einer mit Stellmoor im Ahrensburger Tunneltal vergleichbaren Situation. Bei früheren Ausgrabungen wurde Faunenmaterial, insbesondere Rentiere, aus den Uferbereichen des Sees entdeckt, aus denen diese Sedimentkerne entnommen wurden. Wir hoffen daher, eine gute Korrelation zwischen den Umwelt- und den archäologischen Daten herzustellen. Insbesondere will Sascha Krüger die menschliche Nutzung der Landschaft verstehen, indem er die Holzkohleanalyse auf dieser Sequenz einsetzt, um Fragen zu den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt zu diskutieren.

WP7 (Synthese): Sonja B. Grimm hat sich zusammen mit Vesa Arponen (A1) bereits mit Fragen zu einer Metaebene unseres Projekts beschäftigt: Wie müssen wir uns den Kolonisationsprozess vorstellen? Was wissen wir bereits? Wie sind wir darauf aufmerksam geworden? Und was brauchen wir, um die Lücken dessen zu schließen, was wir noch nicht wissen? Auf dem Jahrestreffen der EAA in Maastricht wurden vorläufige Ergebnisse vorgestellt und eine Veröffentlichung ist in Vorbereitung.

Bei der Untersuchung unseres Materials wechseln wir ständig zwischen der Analyse der Daten einer einzelnen Sammlung/Fundstelle und dem Vergleich mit dem regionalen Datensatz, dem Schleswig-Holsteins, dem des südwestlichen Ostseeraums und dem Nordeuropas. Durch diesen Vergleich überspannen wir verschiedene Skalen, auf denen Veränderungen auftreten können, und wir überlegen, was groß angelegte Veränderungen für eine einzelne Gruppe bedeuten könnten und wie sich die Veränderungen von einer einzigen Person über eine ganze Gesellschaft erstrecken können. Dazu arbeiten wir auch eng mit B2 zusammen, um ein gemeinsames Aufnahmesystem für lithische Artefakte zu etablieren, das uns in Zukunft ermöglicht, unser Material direkter zu vergleichen. Mit dieser Art des direkten Vergleichs wird es in Zukunft möglich sein, die kleinen Schritte, die zur großen Transformation von paläolithischen zu mesolithischen Gesellschaften führen, detaillierter darzustellen.

WP8 (Horsens): Sascha Krüger beteiligte sich an der Ausgrabung in Tyrsted und extrahierte einige Sedimentkerne für Paläoumweltstudien mit Morten Fischer Mortensen vom Dänischen Nationalmuseum, mit dem wir in dieser Region zusammenarbeiten werden. Darüber hinaus wird das Horsens Museum ein Kooperationspartner in diesem Bereich sein. Zusammen mit dem Teilprojekt Geophysik (G2) haben wir Toteislöcher in der Nähe der Tyrsted-Grabung untersucht.

 

2017 bestand unser Team aus Prof. Dr. Berit V. Eriksen (PI), Dr. Sonja B. Grimm (Post-Doc), Sascha Krüger M.A. (Doktorand), Dr. Mara-Julia Weber (ZBSA), Katja Winkler M.A. (wissenschaftliche Hilfskraft), Benjamin Serbe M.A. (studentische und dann wissenschaftliche Hilfskraft), Tobias Burau B.Sc. (studentische Hilfskraft).

 

Forschungsaktivität 2018

Im Jahr 2018 haben wir die Forschung an mehreren unserer Arbeitspakete (WP) fortgesetzt, um unsere Ergebnisse aus unseren Untersuchungsgebieten im südwestlichen Ostseeraum mit den sozio-ökologischen Veränderungen während des spätpleistozänen (Re-)Kolonisationsprozesses Nordeuropas in Beziehung zu setzen. Die inzwischen sechs archäologischen Hauptgebiete (Ahrensburger Tunneltal, Liether Moor, Itzstedter See, Alt Duvenstedt, Ahrenshöft, Horsens) und eine Datenbank mit paläolithischen und mesolithischen Fundorten in Schleswig-Holstein (Paläodatenbank) lieferten weitere Hinweise zur Bewertung der vier zuvor identifizierten Transformationsperioden (T1-4).

Deshalb diskutieren wir als Teilprojekt regelmäßig darüber, wie man Pioniere und Transformation versteht, aber auch über die Nomenklatur des Spätglazials, die in viele unserer Publikationen verwendet wird und dazu beiträgt, diese präzise und gleichförmig zu gestalten.

WP1 (Ahrensburger Tunneltal): Basierend auf den Ergebnissen des Teilprojekts B2 am Fundort Borneck aus dem frühen Holozän haben wir beschlossen, das der Ahrensburger Kultur zugeschriebene Material dieses Fundortes mit einem räumlichen und technologischen Ansatz zu überprüfen. Daraus entstand eine Masterarbeit (Moiken Hinrichs), die im April 2019 eingereicht wurde.

WP2 (Liether Moor): Wir haben verschiedene Verbreitungskarten der spätpaläolithischen Fundplätze in diesem Gebiet erstellt, um die Entwicklung in dieser Region besser zu verstehen. Die Überprüfung eines Teils des archäologischen Materials, das den Federmesser-Gruppen zugeschrieben wird (FMG in Abb. 2017-1), war Teil einer Masterarbeit, die im Februar 2019 eingereicht wurde (Tobias Burau).

FIG2018-1 Verteilung prähistorischer und historischer Fundorte in der Region des Liether Moors in Bezug auf die mögliche Ausdehnung eines spätpleistozänen Sees (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe).

FIG2018-1 Verteilung prähistorischer und historischer Fundorte in der Region des Liether Moors in Bezug auf die mögliche Ausdehnung eines spätpleistozänen Sees (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe).

 

WP3 (Paläodatenbank) Dieses WP hat mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich geplant, da die Datenbank intensiv überprüft werden musste (siehe WP 7). Dies verzögerte die Zusammenarbeit mit A2 bei der Verbreitung archäologischer Fundorte und der Vorhersagemodellierung (predictive modelling) zum Ende des Jahres. Die Zusammenarbeit wurde jedoch weiter ausgebaut, um die Verwendbarkeit des spätpaläolithischen Fundgutes in einem Konzept der kulturellen Distanz als Marker für Interaktion zu testen. Da die Vorhersagemodelle noch nicht verfügbar waren, untersuchten wir mehrere Fundorte, auf die wir von Kollegen oder durch unsere früheren Ergebnisse aufmerksam gemacht wurden und wir bewerteten sie hinsichtlich ihres Potenzials für weitere Untersuchungen der Paläoumwelt und Archäologie. Gerade die Paläoumweltdaten waren meist ein Ausschlussfaktor. Wir haben auch archäologisches Material aus Museumssammlungen erneut untersucht, was bei der Überprüfung der Paläodatenbank helfen wird. In diesem Zusammenhang haben wir auch viele fruchtbare Gespräche und Treffen mit den Mitarbeitern der MfA geführt, um die Möglichkeiten der Informationsvermittlung an die archäologische (Fund-)Datenbank des Landes Schleswig-Holstein (ADSH) zu klären.

WP4 (Itzstedter See) Sascha Krügers palynologische Analyse des Sedimentkerns, der im vergangenen Jahr in dieser Untersuchungsregion aufgenommen wurde, ist noch nicht abgeschlossen. Neben einigen interessanten Spitzen im Holzkohleanteil, konnte er auch bereits zwei Tephra-Schichten im frühen Holozän und im Bereich der Dryas 3 identifizieren. Jan Weber (E1) nutzte den Parallelkern, um RFA-Scans durchzuführen und Proben für geochemische Analysen, insbesondere für die Suche nach Wachslipiden, zu entnehmen. Die Ergebnisse der letztgenannten Analyse werden mit den palynologischen Ergebnissen verglichen, um zu testen, inwieweit sie übereinstimmen, und um unser Verständnis der Entwicklung der spätpleistozänen Vegetation durch diese Kombination von Analysetechniken zu verbessern. In Zusammenarbeit mit G1 konnten wir auch einige pflanzliche Makroproben datieren, die helfen werden, ein Zeit-Tiefen-Modell für diese Sequenz zu erstellen. Erste Ergebnisse wurden im Rahmen des Lunch Time Seminars im Wintersemester 2018/19 vorgestellt. Weitere Details über das archäologische Material aus den nahegelegenen Fundorten wurden aus ALSH-Berichten gesammelt.

WP5 (Alt Duvenstedt) Das älteste Material der Federmesser-Gruppen wurde in Zusammenarbeit mit einem Kollegen des CNRS in Nanterre analysiert.

WP6 (Ahrenshöft) Die Funddatenbank dieses Fundortes wurde um die gesiebten Funde ergänzt und für die Analyse mit GIS-Methoden vorbereitet. Weitere technologische Analysen des lithischen Materials trugen im Vergleich zu späteren Perioden zur Masterarbeit von Tobias Burau bei.

WP7 (Synthese) Ein Artikel, der unser aktuelles Wissen über die Ahrensburger Kultur im südwestlichen Ostseeraum zusammenfasst, ist in Vorbereitung. Deshalb haben wir alle bisher bekannten Fundorte dieses Technokomplexes aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark zusammengestellt. Vorläufige Karten zeigten, dass es in der Paläodatenbank / ALSH-Datenbank einige falsch gekennzeichnete Inventare geben könnte. Daher trafen wir uns mit Sönke Hartz (MfA) und Ingo Clausen (ALSH), um alle fragwürdigen Ahrensburger Fundsammlungen zu besprechen. Während dieses Treffens wurde die Notwendigkeit weiterer Treffen zu den anderen Technokomplexe in naher Zukunft deutlich.

Bei näherer Betrachtung einiger Bereiche zeigte sich bereits, dass die Verteilung der Fundorte der Ahrensburger Kultur nicht durch Zufall erklärt werden kann und dass sie relativ gleichmäßig über Schleswig-Holstein verteilt sind. Im Gegensatz dazu deuten die Region am Liether Moor, aber auch die Daten des Ahrensburger Tunnels darauf hin, dass die Fundstellen der Federmesser-Gruppen an verschiedenen Standorten platziert sind, was auf eine deutliche Veränderung der Umweltnutzung zwischen diesen beiden Gruppen hindeutet. Dieser Eindruck muss jedoch durch Datenvergleiche und Geostatistiken überprüft werden. Einen Ansatz dazu verfolgen wir in Zusammenarbeit mit A2. Mit den von uns zur Verfügung gestellten geografischen und chronologischen Informationen über die Fundorte konnten Daniel Knitter und Wolfgang Hamer (beide A2) die menschliche Besiedlung in Schleswig-Holstein und Dänemark während der uns interessierenden Perioden zu modellieren beginnen. Erste Ergebnisse zeigten, dass wir unsere Ansätze weiter verfeinern müssen, wenn wir wollen, dass dieser Vergleich der Ergebnisse mit der heute bekannten Landschaft sinnvoll ist. Dies ist vor allem auf die sehr spärliche Verteilung unseres Datensatzes in Raum und Zeit zurückzuführen.

WP8 (Horsens) Weitere Untersuchungen in Tyrsted und Gedved wurden mit unseren Kooperationspartnern vom Horsens Museum, dem Nationalmuseum Dänemark und dem Teilprojekt G2 durchgeführt. Paläoökologische und archäologische Analysen von Material aus dem Toteisloch in Tyrsted sind im Gange. Das Teilprojekt F4 führte eine molekularbiologische Analyse des Rentiermaterial von diesem Fundort durch und Berit V. Eriksen wird das lithische Material aus diesem Zusammenhang analysieren.

FIG2018-1 Verteilung prähistorischer und historischer Fundorte in der Region des Liether Moors in Bezug auf die mögliche Ausdehnung eines spätpleistozänen Sees (Karte: ZBSA-GIS/ B. Serbe).

FIG2018-2 Sascha Krüger (B1) hilft Erica Corradini (G2) bei der Zuordnung ihrer elektromagnetischen Messungen zur stratigraphischen Sequenz in Tyrsted (Foto: T. Burau).

 

Was wir über unsere bisherigen Transformationsphasen gelernt haben:

T1 (klassische Hamburger-Havelte-Gruppe) Diese Transformation stellt das erste Auftreten von Menschen nach dem letzten glazialen Maximum und ihre Pionierbewegung in den südwestlichen Ostseeraum dar. Hier konnten wir insbesondere einige paläoökologische Arbeiten hinzufügen. Sascha Krüger hat sein erstes Manuskript über die Sequenz vom Bølling See eingereicht, um die Nomenklatur und Merkmale dieses ersten Teils des spätglazialen Interstadials in dieser Gegend zu erläutern. Darüber hinaus ist diese Zeit auch in der Sedimentfolge aus der Umgebung des Itzstedter Sees vorhanden, wo in der Nähe des Bohrpunktes auch archäologisches Material der Hamburger Kultur gefunden wurde. Diese Kombination macht eine detaillierte Suche nach einem menschlichen Signal sinnvoll.

T2 (Havelte Gruppe-Federmesser-Gruppen-Bromme?) Dieser Zeitraum spiegelt eine erste Vielfalt im Fundmaterial wider, für die unterschiedliche Hypothesen existieren. Ein technologischer Vergleich von lithischem Artefaktmaterial der Havelte Gruppe und der Federmesser-Gruppen führte zu einer Masterarbeit (Tobias Burau). Dort argumentierte der Autor, dass dieser Prozess überhaupt keine Transformation, sondern eine Auswechslung sein könnte, da kein Übergang zwischen den beiden Konzepten sichtbar sei. Darüber hinaus zeigten die verfügbaren Radiokarbondaten für die untersuchten Inventare ein nahezu zeitgleiches Auftreten der verschiedenen technologischen Konzepte. Die Frage, die sich aus diesem Ergebnis ergibt, betrifft den Zusammenhang der verschiedenen Technokomplexe mit unterschiedlichen Umweltbedingungen. Hier werden die zuvor gesammelten Informationen aus dem Nachlass von Hartmut Usinger weitere Abklärungen ermöglichen.

T3 (Federmesser-Gruppen-Bromme-Ahrensburger) Diese Periode spiegelt eine zweite Periode starker Diversifikation im archäologischen Fundgut des südwestlichen Ostseeraums wider. Auch hier geht es um den Einfluss der sich wandelnden Umwelt. Vorläufige Ergebnisse eines frühen Inventars der Ahrensburger Kultur im Vergleich zu unterschiedlich datierten Federmesser-Gruppen-Inventaren zeigen eine mögliche technoökonomische Entwicklung auf, die bisher unberücksichtigt blieb. Was diese Beobachtung bedeutet und wie allgemeingültig sie ist, muss jedoch noch in detaillierteren Analysen getestet werden. Auch unsere Arbeit an dem Material aus der Region Horsens wird dazu beitragen, die Veränderungen in diesem Zeitraum weiter zu identifizieren und zu kontextualisieren.

T4 (Ahrensburger-Frühmesolithikum) Auf Empfehlung der ursprünglichen DFG-Evaluation haben wir uns stärker auf die letzte Transformationsperiode konzentriert, die eine Brücke zum Teilprojekt B2 bildet, und haben dazu mehrfach mit diesem Teilprojekt zusammengearbeitet. Insbesondere haben wir in enger Zusammenarbeit ein gemeinsames Aufnahmeschema für lithische Artefakte entwickelt, das in Zukunft quantitative, aber auch teilweise qualitative Vergleiche der verschiedenen Inventare ermöglichen wird. Zwei Inventare der Ahrensburger Kultur von einem Fundort, in dessen Nähe auch mesolithisches Material gefunden wurde (siehe WP1), wurden bereits mit diesem System aufgenommen. Neben dieser typo-technologischen Erfassung des Materials wurden auch Artefakte zusammengesetzt, um auch die räumliche Organisation dieses Fundortes zu verstehen. Die Ergebnisse wurden gerade in einer Masterarbeit (Moiken Hinrichs) eingereicht. Wir haben auch einen Artikel über den zeitlichen und ökologischen Kontext dieser Transformation in Norddeutschland zusammen mit B2 eingereicht. Die Entwicklung der Umwelt in diesem Zeitraum wird auch am Sedimentkern aus der Region am Itzstedter See, der über diesen Zeitraum mit der Sequenz des Poggensee (F2) korreliert wird, weiter beschrieben werden. In unserer zusätzlichen Zusammenarbeit mit A2 werden wir uns auch auf diese Transformationsphase konzentrieren und haben bereits eine mögliche Ausweitung auf mesolithische Fundstellen in unserer allgemeinen Zusammenarbeit diskutiert. Im Jahr 2019 werden die bisher bekannten Veränderungen sowie Kontinuitäten über diesen Zeitraum in einer gemeinsamen EAA-Präsentation zusammengefasst und helfen uns, diese wichtige Transformation weiter zu untersuchen.

FIG2018-3 Von M. Hinrichs zusammengesetztes Feuersteinmaterial aus Borneck-Nord. Der Komplex umfasst zwei Kerne und einige Grundformen, die Abbausequenzen der Ahrensburger Kultur widerspiegeln (Foto: Stiftung Staatliche Museen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf/ C. Dannenberg).

FIG2018-3 Von M. Hinrichs zusammengesetztes Feuersteinmaterial aus Borneck-Nord. Der Komplex umfasst zwei Kerne und einige Grundformen, die Abbausequenzen der Ahrensburger Kultur widerspiegeln (Foto: Stiftung Staatliche Museen Schleswig-Holstein Schloss Gottorf/ C. Dannenberg).

 

2018 bestand unser Team aus PD Dr. habil. Berit V. Eriksen (PI), Dr. Sonja B. Grimm (Post-Doc), Sascha Krüger M.A. (Doktorand), Dr. Mara-Julia Weber (ZBSA), Katja Winkler M.A./Dr. des. (wissenschaftliche Hilfskraft, dann Mitarbeiterin), Benjamin Serbe M.A. (wissenschaftliche Hilfskraft), Tobias Burau B.Sc. (studentische Hilfskraft), Moiken Hinrichs B.A. (studentische Hilfskraft).

News
New Publications
Fieldworks
Links