SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Phase 2 - Forschungsaktivitäten 2020-2024


F4: Die Erforschung von Infektionskrankheiten des Menschen durch die Analyse alter Genome und Skelettpathologien


 

Forschungsagenda

Für die aktuelle Förderperiode hat das Projekt vier Ziele definiert. Zum einen werden wir die Erforschung der genetischen und phänotypischen Evolution von Krankheitserregern fortsetzen. Zum anderen rücken Anpassungen des menschlichen Immunsystems stärker in den Fokus, wofür wir die genetischen Eigenschaften des Wirtes, also des Menschens, und der Pathogene untersuchen. Durch diesen kombinierten Ansatz wird es möglich, Infektionskrankheiten als Bestandteil von Transformationen direkt (Krankheitserreger) und indirekt (Immungenetik) zu bewerten und den Ursprung dieser genetischen Anpassungen in neolithischen und bronzezeitlichen Populationen in Europa zu beschreiben. Drittens werden wir unser Verständnis von Infektionskrankheiten durch die paläopathologische Analyse menschlicher Überreste komplementieren. Skelettäre Symptome von Entzündungen und anderem körperlichen Stress können wertvolle Informationen insbesondere über solche Krankheiten liefern, für die es keine genetische Ursache gibt. In der paläoepidemiologischen Perspektive geben diese Daten Aufschluss über Infektionen, Anfälligkeit, Morbidität und Mortalität der untersuchten Populationen.

Um die Synergie zwischen den genetischen und skelettären Daten zu gewährleisten, werden in den Arbeitspacketen dieselben Skelettserien untersucht. Dabei konzentrieren wir uns auf das Neolithikum zwischen 3800-2600 v. Chr. in Deutschland, insbesondere auf der Wartbergkultur. Die Ergebnisse der letzten Jahre haben gezeigt, dass diese Periode durch Bevölkerungsvermischungen sowie Phasen von Wachstum und Abnahme verschiedener sozioökonomischer Indikatoren gezeichnet war. Inwieweit Krankheiten und Epidemien an diesen Prozessen beteiligt waren, ist noch unklar. Der Populationsrückgang um 2900 v. Chr. kann beispielsweise von Epidemien ausgelöst oder begleitet worden sein. Daher eignet sich dieser Zeitraum besonders gut für unsere Fragestellung.

Wechselbeziehungen zwischen Mensch und PathogenAbb. 1: Die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Pathogen, Krankheitsbelastung und genetischer Ausstattung. Um diese Wechselbeziehungen besser zu verstehen, kombinieren wir die Ergebnisse aus der alten DNA Forschung mit denjenigen aus der Paläopathologie. Die Resultate der verschiedenen Arbeitspakete werden gemeinsam analysiert und ausgewertet (Abbildung: K. Fuchs).

Für das Ende der Phase 2 sehen wir ein integratives Modell vor, in dem die Ergebnisse unserer Arbeitspakte zusammengeführt und, in Zusammenarbeit mit anderen Projekten des SFBs, mit archäologischen und paläoökologischen Informationen kontextualisert sowie erweitert werden (Abb. 1). Mit diesem reziproken Ansatz wird F4 weiterhin einen wichtigen Bereich im sensiblen Wirkgefüge des Mensch-Umwelt-Interaktionssystems erforschen. Gesundheit und Krankheit wird von vielen verschiedenen humanökologischen Faktoren beeinflusst (z.B. Naturraum und Klima, Demographie, Ökonomie, Mobilität) und bietet so Ansatzpunkte, Transformationen und Zusammenhänge dieses Interaktionssystem besser zu verstehen. Dieses Forschungsvorhaben kann nur in Zusammenarbeit mit den Teilprojekten A1-2 (Theorie und Modellierung), B1-D2 (Untersuchungsmaterial, archäologische Transformationen), F1-3 (Klima, Ökologie, Ernährung), F6 (Demographie), G1 (Chronologie) und Z2 (Datenkuration und Analysen) realisiert werden.