SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Forschungsaktivitäten 2018

In seiner Explorationsphase im Jahr 2017 testete das F3-Projekt das Potenzial und die Eignung verschiedener methodischer Ansätze sowie verfügbarer archäobotanischer Datensätze, um das allgemeine SFB1266-Thema der Transformationen auf verschiedenen Ebenen in der Vergangenheit zu bearbeiten. Im Jahr 2018 wurden die ausgewählten Methoden an einer Reihe von Fallstudien-Fundorten und deren Pflanzenresten angewendet. Dabei wurden sowohl innerhalb als auch außerhalb der SFB-Projekte mehrere Kooperationen aufgebaut, die 2018 zum Aufbau und zur Zusammenstellung eines großen Datenbestandes und zur Erstellung von zur Veröffentlichung eingereichten Manuskripten mit mehreren Autoren führten. Die Ergebnisse wurden auch auf mehreren wichtigen Konferenzen in Europa sowie bei einem eingeladenen Vortrag Link von Dragana Filipović in Wien vorgestellt.

Die Dynamik von Pflanzenproduktion und Verzehr in der Vergangenheit wurde auf der Ebene der Haushalte (Fallstudie Kakucs-Turján), der Siedlung (Vráble in der Slowakei; Oldenburg LA232, Oldenburg LA191, Oldenburg LA77 in Norddeutschland), der Mikroregion (Oldenburger Graben in Norddeutschland), der Region (Karpatenbecken) und der Makroregion/Subkontinent (Mittel- und Nordeuropa) untersucht. Die zuvor gesammelten detaillierten archäobotanischen Daten wurden aktualisiert und neue Primärdaten erstellt. Diese Daten sind jetzt komplett in der archäobotanischen Datenbank ArboDat der UFG-Kiel (mit großer Unterstützung der Techn. Assistentin der UFG-Archäobotanik Tanja Reiser) gespeichert und bilden eine Grundlage für zukünftige Studien. Neben den archäobotanischen Ansätzen erweiterte das F3-Projekt seine analytischen Grundlagen durch die Untersuchung stabiler Isotopenverhältnisse in verkohlten Pflanzenresten, um die Wachstumsbedingungen von Pflanzen in der Vergangenheit besser zu verstehen. Erste Ergebnisse für den Fundort Oldenburg LA77 wurden anhand eines Posters auf der 39th Conference of the Association for Environmental Archaeology Link in Aarhus vom 29. November bis 1. Dezember 2018 vorgestellt.

Dragana Filipović und Sonja Filatova nahmen vom 4. bis 9. Juni 2018 am XVIII Congress of the International Union of the Prehistoric and Protohistoric Sciences (UISPP) in Paris teil. Sie präsentierten in drei Vorträgen und einem Poster die Ergebnisse der disziplinübergreifenden Studien innerhalb des SFB (mit den Projekten C1, C2 und F2) aus Norddeutschland Link und der Ostslowakei Link sowie aus den archäobotanischen Untersuchungen der internationalen archäologischen Expedition am Fundort Kakucs-Turján in Ungarn. Link

Verkohlte Körner von Einkorn aus dem Fundort Vráble in der Slowakei Foto: D. Filipović
Abb. 1. Verkohlte Körner von Einkorn aus dem Fundort Vráble in der Slowakei. (Foto: D. Filipović)

Auf dem 24th Annual Meeting of the European Association of Archaeologists vom 5. bis 8. September 2018 in Barcelona organisierten die SFB-Projekte F3 und D2 eine Session (Nr. 614) zum Thema „Umwelt, Lebensmittelproduktion und Lebensstil in der Bronzezeit in Europa“, an der elf Vorträge und fünf Posterpräsentationen teilnahmen Link. Während dieser Session war das F3-Projekt mit einem Vortrag und zwei Postern vertreten, auf denen die Nachweise für Veränderungen in der Pflanzenverwendung und der Speisenauswahl auf Siedlungs- und regionaler Ebene am Beispiel des Fundorts Kakucs-Turján in Ungarn sowie anhand weiterer Fundorte aus dem südlichen Karpatenbecken und Norddeutschland gezeigt wurden.

Sonja Filatova präsentierte die Ergebnisse der auf Kakucs-Turján fokussierten archäobotanischen Forschung sowohl beim Jahrestreffen der Arbeitsgruppe Archäobotanik der RTG der Universität zu Köln in Xanten (25-27) im Mai 2018 als auch auf der Konferenz Lehren aus der Vergangenheit: Archäologie, Anthropologie und die Zukunft des Essens am 23. August 2018 in Oxford. Link

Die archäobotanische Analyse von Kakucs-Turján wurde dank des von Dr. Hannes Knapp in Kiel organisierten Kurses zur Praktischen Einführung in die Holz- und Holzkohlenanalyse vom 26. Februar bis 2. März 2018, an dem Sonja Filatova teilnahm, um Holzkohlenanalysen (zusätzlich zu den Analysen der Samen und Früchte) erweitert.

In Zusammenarbeit mit den SFB-Projekten G1 und D1 initiierte Dragana Filipović das "Millet Dating Programme" mit dem kurzfristigen Ziel, einen hochauflösenden chronologischen Rahmen für das Erscheinen von Rispenhirse (Panicum miliaceum L.) in Europa und ihrer vollständigen Aufnahme in landwirtschaftliche Produktionssysteme zu erstellen. Langfristiges Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich die Einführung dieser neuen Kulturpflanze mit anderen Aspekten der Agrarwirtschaft sowie technologischen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Verbindung bringen lässt.

Fundorte in Norddeutschland, von denen Körner der Rispenhirse für Radiokarbondatierungen eingereicht wurden Karte: D. Filipović
Abb. 2. Fundorte in Norddeutschland, von denen Körner der Rispenhirse für Radiokarbondatierungen eingereicht wurden. (Karte: D. Filipović)

Verkohlte Körner von Rispenhirse aus dem spätbronzezeitlichen Fundort Wismar-Wendorf in Mecklenburg-Vorpommern Foto: D. Filipović
Abb. 3. Verkohlte Körner von Rispenhirse aus dem spätbronzezeitlichen Fundort Wismar-Wendorf in Mecklenburg-Vorpommern. (Foto: D. Filipović)

Im Rahmen des „Millet Dating Programme“ reisten Wiebke Kirleis und Marta Dal Corso (D1) im März 2018 nach Kiew, um die lokale Archäobotanikerin Galyna Pashkevich zu treffen und Reste von Rispenhirse aus ihrem Archiv im Natural History Museum in Kiew zu sichten. Wiebke Kirleis wurde daraufhin eingeladen, an dem japanisch-ukrainischen Workshop Ukraine as the Crossroad for Agricultural Dispersal in Eurasia teilzunehmen, der am 30. und 31. August 2018 an der Borys Grinchenko Kyiv Universität in Kiew stattfand.

Teilnehmende des Workshops in Kiew Foto Hiro Nasu
Abb. 4. Teilnehmende des Workshops in Kiew. (Foto ©: H. Nasu)

Wiebke Kirleis und Sonja Filatova waren im März 2018 an der Organisation des vom SFB 1266 veranstalteten Internationalen Workshops "Gendertransformationen in prähistorischen und archaischen Gesellschaften" beteiligt (Link).

Das ganze Jahr über wurde im Archäologisch-Ökologischen Zentrum Albersdorf der experimentelle Anbau der wichtigsten Kulturpflanzen des Neolithikums und der Bronzezeit fortgesetzt (AÖZA; Link).

Getreideernte im AÖZA Foto: A. Hoffmann
Getreideernte im AÖZA Foto: A. Hoffmann
Abb. 5. und Abb. 6. Getreideernte im AÖZA. (Foto: A. Hoffmann)

Sonja Filatova nahm an einem Workshop mit dem Titel Writing a successful article teil, der von der Nordischen Graduiertenschule für archäologische Dialoge mit der Vergangenheit vom 28. bis 30. November in Rom organisiert wurde.

Teilnehmende des Workshops in Rom Foto © DialPast
Abb. 7. Teilnehmende des Workshops in Rom. (Foto ©: DialPast)