SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Forschungsaktivitäten 2017


Die Feldarbeiten von Teilprojekt F3 stehen in engem Zusammenhang mit Teilprojekten, die Fallstudien bearbeiten. In diesem Jahr werden alte Pflanzenreste von Fundstellen aus Norddeutschland, der westlichen Slowakei, Ungarn und Moldawien, die vom Frühen Neolithikum bis zur Späten Bronzezeit datieren, gewonnen und analysiert. Im Archäologisch-Ökologischen Zentrum in Albersdorf (Steinzeitpark Dithmarschen) widmen sich die Wissenschaftlerinnen von F3 laufend dem experimentellen Anbau jungsteinzeitlicher Kulturpflanzen. Daneben findet die Datensammlung für die Archäo-Ethnobotanische Datenbank statt, erste archäobotanische Berichte werden verfasst und der Austausch im SFB mit Teilprojekten und in Querschnittsgruppen befördert.

Wismar
Verkohlte Hirse- und Gerstenkörner aus dem spätbronzezeitlichen Wismar-Wendorf.

Der spätbronzezeitliche Fundplatz Wismar-Wendorf in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich durch Gruben unterschiedlicher Größe und Form aus. Bemerkenswert ist ein Massenfund von Spelzgerste mit Hirsebeimengungen (ca. 30 kg!). Aus weiteren Befunden wurden Emmer und Nacktgerste sowie ein stattliches Set von Unkräutern geborgen.


Vrable
Diesjährige Ausgrabungen im neolithischen Vráble

Vrable
Das Schlemmen derr Proben in Vrable

Die Ausgrabungen der linearbandkeramische Siedlung Vráble (Slowakei) im Teilprojekt C2 förderten ein übersichtliches archäobotanisches Material zu Tage, in dem Getreidereste überwiegen. Einkorn und Emmer sind die wichtigsten Nutzpflanzen. Anhand der detaillierten Daten aus den verschiedenen archäologischen Schnitten zeichnen sich zum jetzigen Forschungsstand bereits spezifische räumliche Verteilungsmuster für Einkorn und Emmer ab, die auf unterschiedliche Deponierungs- und Nutzungsverhältnisse sowie Erhaltungsbedingungen zurückzuführen sind.

Mengenanteile der Pflanzenarten Einkorn und EmmerMengenanteile der Pflanzenarten Einkorn und Emmer
Erste Ergebnisse der archäobotanischen Archive (Mengenanteile der Pflanzenarten Einkorn und Emmer).

Während der diesjährigen Ausgrabungen der neolithischen Siedlung Duvensee, durchgeführt von Teilprojekt C1, wurde aus überlagerten Torfschichten Probenmaterial für archäobotanische Untersuchungen gewonnen. Erwartet werden botanische Makroreste in Feuchterhaltung, ähnlich wie es bei den in Teilprojekt C1 verorteten neolithischen Fundplätzen Oldenburg LA77 und LA 232 (Ostholstein) der Fall ist. Dort wurden große Mengen von Pflanzenresten geborgen und bestimmt, neben verkohlten auch subfossile Kultur- und Wildpflanzen.


Experimenteller Anbau im Archäologisch-Ökologischen Zentrum in Albersdorf, Dithmarschen
Experimenteller Anbau im Archäologisch-Ökologischen Zentrum in Albersdorf, Dithmarschen ​
 

In Kooperation mit Teilprojekt D1 (Marta Dal Corso) sowie weiteren Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Ur- und Frühgeschichte wird im Freigelände des Archäologisch-Ökologischen Zentrums in Albersdorf ein landwirtschaftliches Experiment durchgeführt. Auf einer Parzelle werden verschiedene Getreide und Lein händisch in Reihe eingesät, regelmäßig gejätet (inklusive Bestimmung der Unkrautflora) und geerntet. Zu den angebauten Arten gehören die fünf wichtigsten Kulturpflanzen der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur: Einkorn, Emmer, freidreschende Gerste, freidreschender Hartweizen und Lein.

FlyerKulturpflanzen der Jungsteinzeit. Experimenteller Anbau im des Archäologisch-Ökologischen Zentrum Albersdorf.

Bei der diesjährigen Feldkampagne zur Erforschung des bronzezeitlichen Fundortes Kakucs-Turján in Ungarn führte Teilprojekt F3 umfassende archäobotanische Feldarbeiten durch (Sammlung und Schlemmen von Proben) und beteiligte sich an der Freilegung eines Siedlungsareals. Dieses Siedlungsareal zeichnet sich durch Befunde von Abfallgruben aus. Um die Deponierungsphasen von Pflanzenmaterial in diesen komplexen Grubenbefunden zu verstehen, wurden zur Analyse der botanische Makroreste und Phyolithen das Substrat umfangreich beprobt.

Ausgrabungsarbeiten eines Grubenbefundes in Kakucs.
Feldkampagne zur Erforschung des bronzezeitlichen Fundortes Kakucs-Turján in Ungarn

Am 8. Oktober veranstaltete der Tierpark „Arche Warder“ einen Tag zum Thema Steinzeit Live.Gemeinsam mit Graduiertenschule Human Development in Landscapes“ und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte gewährte Teilprojekt F3 praktische Einblicke in die Disziplin der Archäobotanik. Die jüngsten Gäste konnten sich beim Knacken gerösteter Haselnüsse mit Steinen versuchen und beim Blick durchs Mikroskop Interessantes über die verschiedenen Pflanzenarten erfahren, die in archäobotanischen Archiven zu finden sind.

Rösten und Knacken von Haselnüssen beim „Steinzeit Live“ Event in der Arche Warder.
Rösten und Knacken von Haselnüssen beim „Steinzeit Live“ Event in der Arche Warder.