SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Forschungsaktivitäten 2017-2019

2017 in der Anfangsphase des Projektes konzentrierte sich das Arbeitspaket von E3 sich auf die Erhebung der grundlegenden Daten für die Analyse der Heiligtumskontexte, was für Asja Müller viel Literaturrecherche bedeutete, aber auch eine umfangreiche Exkursion zur Untersuchung der architektonischen Überreste von Heiligtümern und ihrer unterschiedlichen Landschaften im östlichen Mittelmeerraum umfasste. Unter den dabei untersuchten Orten befinden sich einige echte „Eye Catcher“ wie das Heiligtum des Apollon in Delphi in Griechenland (Abb. 1) und das Heiligtum von Zeus in Labraunda in der Türkei (Abb. 2), die einen klaren Eindruck von der Bedeutung der Landschaft für die architektonische Gestaltung und die Wahrnehmung der heiligen Orte vermitteln.

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Abb. 1. Das Theater und der Tempel im Heiligtum des Apollon von Delphi vor dem Parnass (links) und dem darunterliegenden Tal des Xeropotamos (rechts). (Foto: A. Müller)

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Abb. 2. Labraunda, Panorama mit Blick auf die Tempelterrasse (obere Terrasse, ganz links), die mittlere Terrasse (Zentrum) und den Propylonbereich auf der untersten Ebene (ganz rechts). (Foto: A. Müller)

Aktivitäten und Highlights 2018

Neben den alltäglichen Forschungsaufgaben gab es im Arbeitspaket 2018 der E3 eine Reihe weiterer herausragender Aktivitäten, Kooperationen und Personalfluktuationen:

Das Heiligtum der Artemis Limnatis: Archäologische und geographische Feldforschungen in Messene/Griechenland

Im August 2018 führte das Teilprojekt E3 vertreten durch Stefan Feuser in Zusammenarbeit mit den Kollegen des Lehrstuhls für Landschaftsökologie und Geoinformation, der Society of Messenian Archaeological Studies und dem Heinrich-Schliemann-Institut für Altertumskunde der Universität Rostock im Heiligtum der Artemis Limnatis in Messene eine vierwöchige Feldkampagne durch.

Das hellenistische Heiligtum liegt in markanter Spornlage am Hang des Ithome hoch über der Stadt Messene (Abb.3). In der Kampagne wurden die Nebengebäude des Heiligtums zeichnerisch dokumentiert und Sondagen im Bereich des Nebengebäudes D durchgeführt, um die Datierung und Nutzung klären zu können. Eine vom Lehrstuhl für Landschaftsökologie und Geoinformatik durchgeführte UAV-Befliegung (Drohne) diente der Erstellung eines topographischen Plans und einer großräumigen Visualisierung des Geländes und ausgewählter Gebäude (Abb. 4).

Anhand der topographischen Visualisierungen und der Bauaufnahme der Gebäude kann nun die wechselseitige Beeinflussung von gebautem und natürlichem Raum in diesem für die Stadt Messene wichtigen Heiligtum untersucht werden.

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Abb. 3. Die antike Stadtmauer von Messene und der über der Stadt thronende Berg Ithome mit der Position des Artemis-Limnatis-Heiligtums (Pfeil). (Foto: T. Keßler)

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Abb. 4. Die Kollegen vom Lehrstuhl für Landschaftsökologie und Geoinformation starten ihre Drohne für die Luftbildvermessung. (Foto: T. Keßler)

Internationales Kolloquium „Hellenistic Architecture and Human Action – A Case of Reciprocal Influence“

Vom 30. Oktober bis 1. November 2018 fand in Kiel das von Annette Haug und Asja Müller im Rahmen des Teilprojektes E3 veranstaltete Kolloquium zum Thema „Hellenistic Architecture and Human Action – A Case of Reciprocal Influence“ statt (Abb. 5). Neben zahlreichen deutschsprachigen Wissenschaftlern konnten wir auch Forscher aus Italien, Griechenland, Schweden und den USA an der Förde begrüßen: zum Programm

CRC1266 Kolloquium Hellenistic Architecture and Human Action – A Case of Reciprocal Influence
Abb. 5. Poster des Kolloquiums

Feldstudien römischer Villen und ihrem Landschaftskontext in Italien

Nach dem Ausscheiden von Asja Müller aus dem CRC für eine neue Position in Berlin im August 2018 wurde Michael Feige neuer Post-Doc in E3 und ergänzte das Teilprojekt um ein neues Themengebiet. Seine Forschungen über römische Villen im spätrepublikanischen Italien erweitern nicht nur den räumlichen und zeitlichen Fokus des Projekts, sondern ergänzen sie um einen architektonisch verwandten Handlungskontext, der geeignete Vergleichsmöglichkeiten zur Situation der von Asja Müller untersuchten hellenistischen Heiligtümer bietet. Im November 2018 unternahm er zur Datenerhebung eine Exkursion zu den Überresten römischer Villen in verschiedenen Landschaften Italiens, vor allem dem Golf von Neapel (Abb. 6), der römischen Campagna und der tyrrhenischen Küste (Abb. 7).

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Abb. 6. Überreste der Villa Marittima am Capo di Sorrento am Golf von Neapel mit der modernen Stadt Neapel auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. (Foto: M. Feige)

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Abb. 7. Die sogenannte Villa des Tiberius bei Sperlonga in Latium mit der berühmten Grotte und künstlichen Fischbecken. (Foto: M. Feige)

Forschungsaktivität 2019

Die Arbeiten des Jahres 2019 umfassten die Recherche, Sammlung und Auswertung von Ausgrabungsbefunden römischer Villen am Golf von Neapel. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stand das Verhältnis der Fundplätze zur umliegenden Landschaft. In der Verbreitung der Landgüter kann dabei eine klare organisatorische und hierarchische Struktur in der Nutzung der Landschaft nachvollzogen werden (Abb. 8), die zum einen mit den unterschiedlichen Bauaufgaben der Villen (landwirtschaftlicher Betrieb, extraurbane Residenz), zum anderen aber auch dem unterschiedlichen sozialen Status der Besitzer (lokale Eliten, römische Oberschicht) zu verbinden ist. Diese unterschiedlichen baulichen Aufgaben schlagen sich auch im Umgang und der Nutzung der Landschaft als Gestaltungselement in der Architektur der Komplexe nieder.

Verbreitung der Ausgrabungsstätten römischer Villen in der Sarno-Ebene (Auswahl)
Abb. 8. Verbreitung der Ausgrabungsstätten römischer Villen in der Sarno-Ebene (Auswahl). (Karte: M. Feige)