SFB 1266 - TransformationsDimensionen

D3: Die Bronzezeit in Nordmitteleuropa: Skalen der Transformation

Zeitschema
Wandlungsprozesse in der Bronzezeit, archäologisch, klimatologisch und umweltarchäologisch. Rot markiert die besprochenen Transformationszeiträume.

Im Mittelpunkt dieses Projektes stehen zwei entscheidende Umbrüche in der mitteleuropäischen Bronzezeit: zum einen der Übergang zur Mittelbronzezeit und zum anderen der Beginn der Urnenfelderzeit. Beide Zeithorizonte sind durch einschneidende, aber unterschiedliche Veränderungen im mitteleuropäischen Raum geprägt: dem Ende der ersten bronzezeitlichen Besiedlung zwischen Elbe und Warthe um 1500 v. Chr. und einer folgenden Siedlungsleere dieser Gebiete für gut 150 Jahre. 200 Jahre später setzen die Brandbestattungen ein und die großen Urnengräberfelder entstehen, sie markieren den Beginn der Spätbronzezeit um etwa 1300 v. Chr.  Die Einführung der Brandbestattung zeugt nicht nur von einem Wandel des Grabrituals, sondern belegt einschneidende soziale Veränderungen. Im Gegensatz zu den wenigen älterbronzezeitlichen Gräbern wird nun jedes Individuum bestattet.

Doch nicht in allen Regionen lassen sich gleiche Reaktionen auf die Wandlungsprozesse nachweisen. Besonders im Norden scheinen die Übergangsphasen wenig an der Besiedlung zu ändern. Der Beginn der Periode II um 1500 v. Chr. mit Großgrabhügeln und reichen Schmuckausstattungen zeigt im Gegenteil ein Erblühen der bronzezeitlichen Kulturgruppen im Norden an. Der Übergang zur Spätbronzezeit Periode IV geht zwar mit Veränderungen der Bestattungssitte einher, dennoch werden Siedlungen in den gleichen Regionen angelegt und Gräber weisen im Gegensatz zu Mitteleuropa Ortskonstanz auf. Diese überregional unterschiedlichen Reaktionen auf die beiden bronzezeitlichen Umbruchphasen sollen daher in einem Transekt von Nord- bis Mitteleuropa untersucht werden. Wichtig ist dabei die Einbeziehung paläoökologischer Daten, die uns Aufschluss über Besiedlungsdichte geben können, sowie geophysikalische Vermessungen, die uns erlaubt nach weiteren Fundplätzen in der Umgebung der Grabhügel zu suchen. Die erste Phase des Projekts orientiert sich an zwei paläoökologisch untersuchten Seen, deren laminierte Pollenprofile uns jahrgenau Aufschluss über landschaftliche Entwicklung und Veränderungen bieten können. Der Belauer See liegt unmittelbar nördlich einer dichten Konzentration beigabenreicher Grabhügel in der Umgebung von Bornhöved. Der Vergleich zwischen zeitlicher Abfolge der Besiedlung und Anlage der Grabhügel mit Informationen zum menschlichen Einfluss auf die Umwelt erlaubt uns die bronzezeitlichen Transformationsprozesse in Norddeutschland zu erfassen. Den zweiten Punkt des Transekts, das von Norddeutschland bis Polen reicht, nimmt die Umgebung des Woseriner Sees in Mecklenburg-Vorpommern ein.