SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Forschungsaktivitäten 2020-2024


D2: Transformationen sozialer und ökonomischer Praxis im Gebiet der Deutschen Mittelgebirge während des 3. Jahrtausends v.u.Z.


 

Forschungsaktivitäten 2020
 

Oktober 2020: palynologische Untersuchungen

Zusammen mit dem Teilprojekt F2 wurden im Umfeld der jungneolithische Siedlung Wittelsberg Fpl. 7 erste Bohrungen vorgenommen. Die Aus diesen Bohrkernen gewonnenen Pollen und verkohlten Pflanzenreste stellen eine Grundlage zur Erforschung der Vegetationsgeschichte im unmittelbaren und weiteren Umfeld der Siedlung dar. Darüber hinaus wurden für weitere Bohrungen und potentielle Landschaftsarchive im weiteren Umfeld der Nordhessischen Mittelgebirge und im angrenzenden Thüringen prospektiert. 

Die acht Bohrungen nahe der Siedlung Wittelsberg Fpl. 7 wurden sowohl mit einem Pürkhauer (Durchmesser 2 cm) als auch einem größeren Usinger Bohrer (Durchmesser 8 cm) zur Gewinnung von Bohrkernen durchgeführt und erreichten eine Tiefe von bis zu 4 m. Die Bohrungen bieten einen vielschichtigen Aufschluss einer komplexen Sedimentationsgeschichte in den Auen unmittelbar westlich als auch 1,5 km nördlich des Fundplatzes.

Übersichtskarte von Wittelsberg
Abb. 1. Übersichtskarte zu den Bohrungen nahe Wittelsberg Fpl. 7, Gem. Ebsdorfergrund (EPSG 31467).

Sommer 2020: Forschungsaktivität zu Siedlungsstrukturen in Wartberg

Siedlungsorganisation, bekannte Haustypen und vor allem das eingehende Studium teils unzureichend publizierte Befunde aus älteren Untersuchungen des 20. Jahrhunderts bilden weiterhin einen wesentlichen Baustein zur Entschlüsselung der ökonomischer Grundlagen in der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends vor Christus. Bisher sind nur wenige Siedlungen für Wartberg bekannt und noch weniger systematisch untersucht worden. Besonders prominent sind vor allem die Siedlungsplätze auf den markanten Zeugenbergen aus der Kleinregion um Fritzlar in Nordhessen. 

Landschaft mit Basaltkuppen
Abb. 2. Blick vom Güntersberg nördlich von Gudensberg über den Wartberg bei Kirchberg zum Hasenberg bei Lohne. 

Der Beginn des sogenannten Spätneolithikums (SN, 3.500 – 2.800 cal BC) im Mittelgebirgsraum (MG) ist durch eine massive Reduktion der bisher bekannten Hausgrößen geprägt. Diese Tendenz beginnt bereits im vorangehenden Jungneolithikum (JN), auch wenn in einzelnen Siedlungen, z.B. der Michelsberger Siedlung von Mairy (Frankreich), noch eine Entwicklung zu gigantischen Großbauten zu verzeichnen ist. Ausgehend vom Mittelneolithikum (MN) treten als neue Konstruktionsform zunehmend in den Hang hinein planierte Terrassen mit Häusern von rund 60 - 80 m² auf. Hinzu kommt eine zunehmende Anzahl an Grubenhäusern von ca. 20 m². In der überregionalen Betrachtung, auch mit der Entwicklung im Norddeutschen Tiefland (TL), lassen sich neben konstruktiven Unterschieden auch deutliche regional Unterschiede und Veränderungen in der Größe über die Zeit herausstellen. Erst im Endneolithikum (EN) und der frühen Bronzezeit (FBZ) findet erneut eine großräumige Vereinheitlichung statt. 

Grafik Hausgrößen
Abb. 3. Verteilung der Flächen von Hausbefunde des Neolithikums aus der Mittelgebirgsregion (MG) und dem Nordeuropäischen Tiefland (TL). FN: Früh-, MN: Mittel-, JN: Jung-, SN: Spät-, EN: Endneolithikum, FBZ: Frühbronzezeit, bezogen auf die Mitteldeutsche Chronologie (nach Müller u. a. 2019, 27, Abb. 1).