SFB 1266 - TransformationsDimensionen

C1: Neolithische Transformationen in der nordmitteleuropäischen Tiefebene


 

Karte westliches Baltikum mit markierten Arbeitsgebieten
Abb. 1. In der zweiten Phase werden die dänischen Inseln, das polnische Tiefland und die nordwestdeutschen Feuchtgebiete einbezogen, um die intensiv untersuchten Regionen der Phase 1 strukturell mit anderen Entwicklungen zu vergleichen.

In Phase 2 wollen wir Archive nutzen, die späte Wildbeuter Gesellschaften, frühen Gartenbauern und Ackerbauern beinhalten, und den diachronen sowie vergleichenden Ansatz innerhalb der 12-Jahres-Perspektive des SFB 1266 fortführen. Von spätmesolithischen bis zu spätneolithischen Perioden, insbesondere um 3100 v. u. Z., 2800 v. u. Z. und 2200 v. u. Z., werden mehrere markante Transformationen auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen diskutiert. Während der Phase 1 lag der Fokus auf den Transformationen von 3100-2800 v. u. Z., wobei neue sozio-ökologische Muster der Transformation sichtbarwurden: Die Identifizierung einer Phase der Auflösung von Identitäten zwischen mittel- und jungneolithischen Gesellschaften ermöglicht es uns, Store Valby/Schönhagen als eine ca. 200 Jahre lange Transformationsphase zu bestimmen. Die regionalen Reaktionen variieren allerdings von dispersen, kleinräumigen Gruppen im Westen über die Entwicklung von agglomerierten Megastandorten im zentralen westlichen Ostseeraum bis hin zur Errichtung neuer ritueller Plätze wie Palisadenanlagen im Osten.

Die qualitativen Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen innerhalb der Transformationsphase Store Valby/Schönhagen machen es in der zweiten Phase notwendig, die räumliche Mustererkennung sowohl auf Südskandinavien undNordwestdeutschland, als auch auf Zentralpolen auszuweiten. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten Phase des SFB 1266 konzentriert sich das Teilprojekt C1 daher weiterhin darauf, diese Veränderungen und sozialen Dynamiken im nördlichen Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien zu rekonstruieren und diese sozialen Aspekte mit Umweltdaten zu vergleichen.

Daher sind Untersuchungen und Feldaktivitäten in Regionen des Baltikums und der nordeuropäischen Tiefebene geplant, da dort Archive existieren, die Aufschluss über die Entwicklung von Menschen und Umwelt im 3. Jahrtausend v. u. Z. geben können. Da Untersuchungen von Siedlungen, Siedlungssystemen und der Umwelt derzeit fast vollständig fehlen, wird der Schwerpunkt auf der Lokalisierung und Untersuchung von Fundstellen durch Prospektionen, Ausgrabungen und paläoökologische Untersuchungen liegen. Der Fokus der Forschungsagenda liegt daher einerseits auf der interdisziplinären Untersuchung von Mikroregionen der nordeuropäischen Tiefebene, die zum Teil in Form von Feuchtbodensituationen erhalten sind; andererseits werden in großräumigen Studien die Mikroregionen und die gemeinsamen Forschungsergebnisse aus anderen Projekten zusammengeführt, um großräumige Transformationsmodelle für das 3. Jahrtausend v. Chr. der nordeuropäischen Tiefebene und Südskandinaviens und damit für die Transformationskonzeption des gesamten SFB 1266 zu entwickeln. Im Gegensatz zur ersten Phase wird die zweite Phase um drei Regionen erweitert. So werden wir die dänischen Inseln, das polnische Tiefland und die nordwestdeutschen Seengebiete in den Prozess der Mustererkennung einbeziehen. Mit einem solchen Ansatz wird es möglich sein, die intensiv untersuchten Regionen Westmecklenburgs und vor allem Ostholsteins (SFB 1266 Phase 1) strukturell mit anderen Entwicklungen zu vergleichen. In der zweiten Phase werden somit ebenfalls räumlich-zeitliche Transformationsmuster hinsichtlich ihrer Konsequenzen für die nordeuropäische Tiefebene für sowohl das jüngere Neolithikum um 2800 v. Chr. als auch das Spätneolithikum um 2200 v. u. Z. analysiert.


 

Forschungsaktivitäten 2020-2024