SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Publikationen


23.10.2017

Neue Publikationen zu Bevölkerungsagglomerationen, sozialer Ungleichheit und Formen zentralisierter Macht vom Neolithikum bis zur Eisenzeit

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

In den von SFB 1266 Sprecher Johannes Müller kürzlich erschienenen Publikationen werden Aspekte von Bevölkerungsentwicklungen beleuchtet, die in Zusammenhang mit der Entstehung sozialer Ungleichheiten und Formen zentralisierter Kontrolle im prähistorischen Europa stehen. Die Forschungen resultieren aus langjährigen Kollaborationen der Ur- und Frühgeschichte sowie GSHDL der CAU Kiel mit Projektpartnern aus der Balkan-Region und dem nordpontischen Raum, zentrale Untersuchungsobjekte der interdisziplinären Feldarbeiten sind archäologische und paläo-ökologische Archive neolithischer Siedlungen und chalkolitischer „Mega-Sites“. Zusätzlich zum inhaltlichen Fokus der „Human Development in Landscapes“ sind die Ergebnisse relevant für Forschungsfragen zu sozialen und ökonomischen Transformationen des SFB 1266, insbesondere der Teilprojekte A1 und D1 sowie den Querschnittsgruppen „Ökonomie: Stabilität und Transformation“ und „Soziale Organisation und Geschaffener Raum“.

In “From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control” werden aus diachroner Perspektive ökonomische und soziale Strukturen von prähistorischen Bevölkerungskonzentrationen diskutiert. Müller sieht als möglichen Auslöser für den Niedergang dieser frühen proto-urbanen Gesellschaften deren Vulnerabilität gegenüber Veränderungen im politischen Systemen. Fehlende nachhaltige Etablierung solcher proto-urbanen Strukturen ist in Südosteuropa nicht auf generellen Populationswachstum zurückzuführen, sondern auf soziale Sensitivität und den Grad ausgeübter sozio-politischer Kontrolle innerhalb der Bevölkerungskonzentrationen. Dies stünde im Gegensatz zu späteren Besiedlungsformen im Nahen Osten. In gemeinsamer Autorenschaft mit GSHDL und SFB 1266 Wissenschaftlern Vesa Arponen, Robert Hofmann und René Ohlrau werden in “The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies” neue methodische und konzeptuelle Ansätze zur Identifikation sozialer Ungleichheit und Formen sozialer Kontrolle vorgestellt. Hierbei dienen die archäologischen Nachweise von Hausbefunden neolithischer Siedlungen des Balkans und chalkolitischer Mega-Sites des nordpontischen Raumes als Proxies, wie beispielsweise die soziale Bedeutung eines Haushaltes durch den Vergleich von Architektur und Fundinventar. In “Inheritance, population development and social identities” beschäftigt sich Johannes Müller mit der Rolle von Hausgemeinschaften und Vererbungsregeln im südöstlichen Europa zwischen 5200-4300 v.u.Z.  Institutionelle und regulatorische Charakteristika dieser Konzepte werden anhand konkreter archäologischer Proxies, unter anderem Hausgröße, Siedlungsstruktur, oder Bevölkerungsdichte, diskutiert.

Müller, J., From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control. In: Manuel Fernández-Götz und Dirk Krause (Ed.): Eurasia at the Dawn of History. Urbanization and Social Change. New York: Cambridge University Press, 2017, p. 106–124.

Müller, J.; Arponen, V. P.; Hofmann, R.; Ohlrau, R., The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies. In: Andrea Cardarelli, Alberto Cazalla und Marcella Fangipane (Ed.): Preistoria e protostoria delle civilta antiche. Thematic issue: The Origin of Inequality. [S.l.]: GANGEMI (Origini. Preistoria e protostoria delle civiltà antiche - Prehistory and protohistory of ancient civilizations, XXXVIII, 2015-2), 2017, p. 65–83.

Müller, J., Inheritance, population development and social identities. Southeast Europe 5200-4300 BCE. In: Maja Gori und Maria Ivanova (Hg.): Balkan Dialogues. Negotiating Identity between Prehistory and the Present. Florence: Taylor and Francis (Routledge Studies in Archaeology) 2017, p. 156–168.

Bild: Müller, Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa. Unterschiedliche Erbschaftsregeln können im archäologischen Befund anhand räumlicher Verteilungsmuster, Größe und Nutzungskontinuitäten von Behausungen interpretiert werden: Primogenitur statt geteilte Vererbung (J. Müller, Inheritance, population development and social identities, S. 162).


12.04.2017

Neue Publikation zur Kalibration eines portablen Röntgenfluoreszenzgerätes    

Abbildung geochemische Zusammensetzung Grube

Aktuelle Veröffentlichung: Kalibration des portablen Röntgenfluoreszenzgerätes der Graduiertenschule illustriert am Beispiel der geochemischen Zusammensetzung der Füllung einer linearbandkeramischen hausbegleitenden Grube vom Standort Vráble, Slowakei    

Das an der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ nutzbare portable xrf Gerät wurde in einem Eich- und Kalibrierungsexperiment mit 80 Proben, deren Elementzusammensetzung aus konventionellen xrf Messungen bekannt war, hinsichtlich seiner Eignung zur quantitativen Messungen von mineralischen Archäosedimentproben erfolgreich getestet. Am Beispiel der Füllung einer hausbegleitenden Längsgrube eines linearbandkeramischen Hauses wurde getestet, ob aus dem Phosphorgehalt der Grubenfüllung Informationen über die Einwohnerzahlen bandkeramischer Häuser abgeleitet werden können. Die vergleichsweise geringen Phosphorgehalte der Grubenfüllung zeigen, dass auch postdepositionale Prozesse, die Verluste des ursprünglichen Phosphorgehaltes erklären bzw. differenziertere Modelle der Stoffflüsse zur paläodemographischen Interpretation geochemischer Daten aus archäologischen Befunden herangezogen werden müssen. Beteiligte SFB 1266 Autoren sind Stefan Dreibrodt (F2), Martin Furholt (C2), Robert Hofmann (D1) und Martin Hinz (F1).

Dreibrodt, S., Furholt, M., Hofmann, R., Hinz, M., Cheben I., P-ed-XRF-geochemical signatures of a 7300 year old Linear Band Pottery house ditch fill at Vráble-Ve'lké Lehemby, Slovakia - House inhabitation and post-depositional processes. Quaternary International, 2017 (in press). DOI: 10.1016/j.quaint.2017.03.054
 


07.03.2017

 Neue Publikation zur Erforschung von Maidanetske – ein Schlüsselfundplatz chalkolitischer Tripolye-Cucuteni „Mega-Sites"

Maidanetske

Im prähistorischen Europa stellen Bevölkerungskonzentrationen mit über 10.000 Einwohnern pro Siedlung ein sehr seltenes Phänomen dar. In Osteuropa jedoch sind chalkolitische „Mega-Sites“ bereits vor 50 Jahren von sowjetischen, ukrainischen und moldawischen Forschern freigelegt worden; Großsiedlungen mit über 2000 Häusern verteilt auf bis zu 250 Hektar Fläche. Seitdem stehen diese „Mega-Sites“ im Focus multidisziplinärer Untersuchungen.
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23.12.2016

Als Hirse auf den Speiseplan des Menschen kam: Publikation in Nature Scientific Reports

Karte Bruszczewo

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung “First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels” in Nature Scientific Reports (Heron et al. 2016) berichten SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis und Wissenschaftlerin Jutta Kneisel über neue molekulare Nachweismethoden von Hirse und ihrer Bedeutung als Nahrungspflanze in der Bronzezeit. Die Publikation entstand aus einer internationalen Kollaboration zwischen Professor Carl Heron, Spezialist in Bioarchäologie (Leiter Department of Archaeological Science, The British Museum, London) und sowie Wissenschaftler aus Polen, England, Japan, Südkorea, den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland.

Für den SFB 1266 sind die Forschungsergebnisse insbesondere im Hinblick auf sich ändernde Ernährungsstrategien in der Bronzezeit von Bedeutung. In Speisekrustenresten wurden für Rispenhirse (Panicum miliaceum) spezifische molekulare Marker identifiziert. Die Nahrungsreste fanden sich an spätbronzezeitlicher Keramik von der Siedlungsgrabung Bruszczewo in Polen. Somit gelang der Nachweis, dass Hirse in der Spätbronzezeit Mitteleuropas zum Spektrum der Nahrungspflanzen gehörte und zur Diversifizierung der Ernährung beitrug. Der Wandel von Nahrungsmittelproduktion und deren soziale Dimensionen im diachronen Vergleich sind zentrale Themen des SFB 1266, insbesondere von Teilprojekt F3.

Beteiligte Autoren des SFB 1266 sind Johannes Müller (A1, C1, D1, F5, Z1), Wiebke Kirleis (D1, F3, Z1) und Jutta Kneisel (D3, F1).

Heron, C., Shoda, S., Breu Barcons, A., Czebreszuk, J., Eley, Y., Gorton, M., Kirleis, W., Kneisel, J., Lucquin, A., Müller, J., Nishida, Y., Son, J., Craig, O.E., First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels. Nature Scientific Reports 6, Article number: 38767 (2016) doi:10.1038/srep38767.

Foto/Copyright: Kneisel


14.12.2016

Neue Publikation zu einem Galeriegrab der spätneolithischen Wartberggruppe (3350-2900 calBC)

3-4 jähriges Kind bestattet im Galeriegrab von Niedetiefenbach
In einer interdisziplinären Pilotstudie kollaborierten Forscher der CAU Kiel, der Universität Zürich und dem Landesdenkmalamt Hessen. Neue Ergebnisse zur Datierung des Galeriegrabes und zu ausgewählten Krankheitsbildern auf Basis paläopathologischer, dentaler und molekulargenetischer Untersuchungen der menschlichen Überreste wurden jetzt in der Prähistorischen Zeitschrift publiziert. Beteiligt sind Mitarbeiter der SFB-Teilprojekte D2 und F4.

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