SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Publikationen


14.05.2018

aDNA-Forschung im SFB 1266: Steinzeitliches Hepatitis-B-Virus genetisch entschlüsselt  

The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography

Neu eLIFE publizierte Forschungsergebnisse belegen erstmalig den Nachweis viraler DNA aus archäologischen Proben (aDNA=ancient DNA) und zeigen, dass das Hepatitis-B-Virus bereits seit mindestens 7.000 Jahren in Europa vorkommt.

Die aktuelle Studie wurde unter der Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Teilprojekt F4 „Infektiöse Erkrankungen in prähistorischen Populationen“ und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI) durchgeführt. Neben Teilprojekt F4 ist auch D2 mit dem Fundkontext Sorsum als Forschungsobjekt neolithischer Transformationen im Gebiet der Mitteldeutschen Tiefebene beteiligt. Die Ergebnisse stellen einen methodischen Durchbruch in der aDNA-Analyse viraler Pathogene dar und rücken die Entwicklungsgeschichte von Hepatitis B, mit 250 Millionen infizierten Menschen eine der heute am weitesten verbreiteten Krankheiten, in ein neues Licht.

Kartierung

Mehr Informationen, auch zur thematischen Relevanz im SFB 1266, und Stellungnahmen der verantwortlichen Autoren Ben Krause-Kyora (SFB 1266, Institut für Klinische Molekularbiologie) und Johannes Krause (MPI Jena) finden Sie in der offiziellen Pressemitteilung der CAU

B. Krause-Kyora, J.Susat, F. M. Key, D. Kühnert, E. Bosse, A. Immel, C. Rinne, Sabin-Christin Kornell, D. Yepes, S. Franzenburg, H. O. Heyne, T. Meier, S. Lösch, H. Meller, S. Friederich, N. Nicklisch, K. W.  Alt, S. Schreiber, A. Tholey, A. Herbig, A. Nebel, J. Krause (2018) Neolithic and Medieval virus genomes reveal complex evolution of Hepatitis B. eLIFE Genomics and Evolutionary Biology, Short report May 10, 2018.

DOI: 10.7554/eLife.36666

Beteiligte Autoren des SFB 1266: A. Immel, B. Krause-Kyora, A. Nebel, C. Rinne.
 

Foto: Schädel einer jungsteinzeitlichen Person mit Hepatitis-B-Infizierung aus Karsdorf, Sachsen-Anhalt. Es handelt sich einen Mann, gestorben im Alter von 25-30 Jahren. 8N. Nicklisch) / Abbildung: Fundstellen der Proben von Personen mit Hepatitis-B-Infizierung. Die Symbole zeigen das Probenmaterial an (von Zähnen oder Mumien stammend). Proben, die für diese Studie gewonnen wurden, sind schwarz umrahmt (Krause-Kyora et al. 2018, Abb. A).


19.04.2018

„Critical Physical Geography in Practice“: Buchbeitrag von SFB 1266 PostDoc Daniel Knitter    

The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography

Landschaftsarchäologie, das ist ein sich zunehmend etablierendes Forschungsfeld, in dem Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler in interdisziplinärer Zusammenarbeit Fragen der Mensch-Umwelt Interaktion sowie der menschlichen Wahrnehmung und Schaffung von Landschaften untersuchen. Im SFB 1266 spielen landschaftsarchäologische Fragestellungen eine besondere Rolle und werden vor dem Hintergrund prähistorischer Transformation beleuchtet. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Physischen Geographie der FU Berlin diskutiert Daniel Knitter, PostDoc in Teilprojekt A2, in dem jüngst erschienen Buchbeitrag Herausforderungen und Schwierigkeiten der Analyse landschaftsarchäologischer Systeme. Anhand der Hauptthemen (Skale und Ort, Ursache und Prozess, sowie Systemreaktion) verdeutlichen die Autoren, wie mittels einer kritisch physisch-geographischen Perspektive Problemstellungen offengelegt und, im besten Fall, gelöst werden können. Ihr Resümee ist, dass landschaftsarchäologische Forschung nur dann erfolgreich sein kann, wenn neben gegenseitigem Respekt und Offenheit der beteiligten Akteure aus den verschiedenen Disziplinen auch der Wille zum Erlernen fachfremder Sprache und entsprechender grundlegender Konzepte vorliegen.

Knitter D., Bebermeier W., Krause J., Schütt B. (2018) Critical Physical Geography in Practice: Landscape Archaeology. In: Lave R., Biermann C., Lane S. (eds) The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography. Palgrave Macmillan, Cham. 
DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-319-71461-5_9


21.03.2018

Siedlungsplätze von Jäger-Sammlern: Vergleichende Betrachtung zum Frühmesolithikum im Ostseeraum

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

Im kürzlich erschienenen Artikel „People, lakes and seashores: Studies from the Baltic Sea basin and adjacent areas in the early and Mid-Holocene” stellen Daniel Groß, Harald Lübke (SFB 1266 Teilprojekt B2) sowie Stefan Dreibrodt (Teilprojekt F2) mit weiteren acht Kollegen Forschungen zum Mesolithikum im Ostseeraum in einen vergleichenden Kontext vor. Der Beitrag entstand im Rahmen der Session “Riverbanks and Seashores: The Baltic Sea basin and adjacent areais in the Early and Mid-Holocene” des internationalen Workshops “Socio-Environmental Dynamics over the Last 12,000 Years: The Creation of Landscapes V”, der 2017 von der Graduiertenschule “Human Development in Landscapes” und dem SFB 1266 an der CAU Kiel ausgerichtet wurde.

Der Beitrag betrachtet verschiedene archäologische Fallstudien und diskutiert unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Lagerplatzwahl mesolithischer Jäger-und-Sammler. Hierbei werden sowohl klimageschichtliche als auch ethnoarchäologische Perspektiven aufgezeigt, die auf die Variabilität und den Facettenreichtum prähistorischer Fundplätze eingewirkt haben können, als auch Möglichkeiten zur Fernerkundung und Archäoprognose diskutiert. Die Autoren unterstreichen, dass eine breite und zugleich vergleichbare Datenbasis relevant ist, um Transformationen im Mesolithikum besser nachvollziehen zu können. Darüber hinaus argumentieren sie für eine differenzierte Sichtweise in Bezug auf solche Gesellschaften, die es ermöglichen lokale und überregionale kulturelle Ausprägungen voneinander abzugrenzen und zu verstehen.

Abbildung: Chronologie der behandelten Fundplätze. Darüber hinaus sind Klima-Events, Stadien der Ostsee und Pollenanalytische Chronozonen des nördlichen Zentraleuropas eingetragen (Groß et al 2018, Abb. 2, S. 29).

Groß, D., Zander, A., Boethius, A., Dreibrodt, S., Grøn, O., Hansson, A., Jessen, C., Koivisto, S., Larsson, L., Lübke, H., Nilsson, B., 2018. People, lakes and seashores: Studies from the Baltic Sea basin and adjacent areas in the early and Mid-Holocene. Quaternary Science Reviews 185, 27-40. DOI: 10.1016/j.quascirev.2018.01.021.

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08.01.2018

Subsistenz im Mesolithikum: Neue Forschungen zu Transformationen im südwestlichen Küstengebiet Norwegens

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

Im kürzlich erschienenen Artikel “Towards a refined understanding of the use of coastal zones in the Mesolithic: New investigations on human–environment interactions in Telemark, southeastern Norway.” erläutern  die AutorInnen, M. Wieckowska-Lüth, W. Kirleis, stellvertretende Sprecherin des SFB 1266 und Teilprojektleitung F3, S. Solheim und A. Schülke, beide Museum of Cultural History, Oslo University, mögliche anthropogene Einflüsse auf die Vegetation im Mesolithikum anhand des Vergleichs von Pollen-Analysen eines Sedimentkerns mit Daten archäologischer Ausgrabungen. Sie zeigen, dass sich palyonologische und archäologische Daten unterstützen und ergänzen können, um Transformationen sowohl der Waldzusammensetzung (Anteil der Linde) als auch der Fundplatzmuster (Anlage von Werkplätzen) zu erklären.

Im Rahmen von archäologischen Rettungsgrabungen im Vorfeld des Eisenbahnbaus im Landkreis Telemark, SO-Norwegen,  wurden an der Universität Kiel palynologische Untersuchungen an einem Sedimentkern aus dem Skogstjern-See durchgeführt. Die Daten ergaben detaillierte Informationen über die Vegetationsgeschichte des Küstengebietes und zeigen, dass die küstennahen Wälder im Mesolithikum wiederholt vom Menschen genutzt und sowohl absichtlich als auch zufällig in ihrer Zusammensetzung verändert wurden. Die Zusammenführung der Pollendaten mit den archäologischen Ergebnissen zeigt, dass die Einwanderung der Linde und die wiederholten Anstiege der zugehörigen Tilia-Pollenkurve einhergehen mit der Produktion von Nøstvet-Äxten. Daraus läßt sich ableiten, dass die Verfügbarkeit der Ressource Lindenholz und -bast die Axtproduktion stimuliert hat. Generell wurde das Holz der Linde aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften und dem leichten Gewicht im Mesolithikum bevorzugt zur Herstellung von Einbäumen genutzt.

Abbildung: Summierte Wahrscheinlichkeitsverteilung aller publizierten 14C-Daten (n = 57) von 18 Fundstellen in Südost-Norwegen, die Nøstvet-Äxte und Produktionsrückstände enthielten im Vergleich zur prozentualen Verteilung von Tilia und Betula im Pollendiagramm. Das Fallen der Tilia-Kurve repräsentiert den Rückgang der Bewaldung und die Nutzung der Linde, wohingegen der Anstieg der Betula-Kurve den Beginn der Waldregeneration mit der Pionierart Birke anzeigt.

M. Wieckowska-Lüth, S. Solheim, A. Schülke, W. Kirleis, 2018: Towards a refined understanding of the use of coastal zones in the Mesolithic: New investigations on human–environment interactions in Telemark, southeastern Norway. Journal of Archaeological Science: Reports 17 (2018) 839-851. DOI:10.1016/j.jasrep.2017.12.045

sciencedirect.com


23.10.2017

Neue Publikationen zu Bevölkerungsagglomerationen, sozialer Ungleichheit und Formen zentralisierter Macht vom Neolithikum bis zur Eisenzeit

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

In den von SFB 1266 Sprecher Johannes Müller kürzlich erschienenen Publikationen werden Aspekte von Bevölkerungsentwicklungen beleuchtet, die in Zusammenhang mit der Entstehung sozialer Ungleichheiten und Formen zentralisierter Kontrolle im prähistorischen Europa stehen. Die Forschungen resultieren aus langjährigen Kollaborationen der Ur- und Frühgeschichte sowie GSHDL der CAU Kiel mit Projektpartnern aus der Balkan-Region und dem nordpontischen Raum, zentrale Untersuchungsobjekte der interdisziplinären Feldarbeiten sind archäologische und paläo-ökologische Archive neolithischer Siedlungen und chalkolitischer „Mega-Sites“. Zusätzlich zum inhaltlichen Fokus der „Human Development in Landscapes“ sind die Ergebnisse relevant für Forschungsfragen zu sozialen und ökonomischen Transformationen des SFB 1266, insbesondere der Teilprojekte A1 und D1 sowie den Querschnittsgruppen „Ökonomie: Stabilität und Transformation“ und „Soziale Organisation und Geschaffener Raum“.

In “From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control” werden aus diachroner Perspektive ökonomische und soziale Strukturen von prähistorischen Bevölkerungskonzentrationen diskutiert. Müller sieht als möglichen Auslöser für den Niedergang dieser frühen proto-urbanen Gesellschaften deren Vulnerabilität gegenüber Veränderungen im politischen Systemen. Fehlende nachhaltige Etablierung solcher proto-urbanen Strukturen ist in Südosteuropa nicht auf generellen Populationswachstum zurückzuführen, sondern auf soziale Sensitivität und den Grad ausgeübter sozio-politischer Kontrolle innerhalb der Bevölkerungskonzentrationen. Dies stünde im Gegensatz zu späteren Besiedlungsformen im Nahen Osten. In gemeinsamer Autorenschaft mit GSHDL und SFB 1266 Wissenschaftlern Vesa Arponen, Robert Hofmann und René Ohlrau werden in “The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies” neue methodische und konzeptuelle Ansätze zur Identifikation sozialer Ungleichheit und Formen sozialer Kontrolle vorgestellt. Hierbei dienen die archäologischen Nachweise von Hausbefunden neolithischer Siedlungen des Balkans und chalkolitischer Mega-Sites des nordpontischen Raumes als Proxies, wie beispielsweise die soziale Bedeutung eines Haushaltes durch den Vergleich von Architektur und Fundinventar. In “Inheritance, population development and social identities” beschäftigt sich Johannes Müller mit der Rolle von Hausgemeinschaften und Vererbungsregeln im südöstlichen Europa zwischen 5200-4300 v.u.Z.  Institutionelle und regulatorische Charakteristika dieser Konzepte werden anhand konkreter archäologischer Proxies, unter anderem Hausgröße, Siedlungsstruktur, oder Bevölkerungsdichte, diskutiert.

Müller, J., From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control. In: Manuel Fernández-Götz und Dirk Krause (Ed.): Eurasia at the Dawn of History. Urbanization and Social Change. New York: Cambridge University Press, 2017, p. 106–124.

Müller, J.; Arponen, V. P.; Hofmann, R.; Ohlrau, R., The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies. In: Andrea Cardarelli, Alberto Cazalla und Marcella Fangipane (Ed.): Preistoria e protostoria delle civilta antiche. Thematic issue: The Origin of Inequality. [S.l.]: GANGEMI (Origini. Preistoria e protostoria delle civiltà antiche - Prehistory and protohistory of ancient civilizations, XXXVIII, 2015-2), 2017, p. 65–83.

Müller, J., Inheritance, population development and social identities. Southeast Europe 5200-4300 BCE. In: Maja Gori und Maria Ivanova (Hg.): Balkan Dialogues. Negotiating Identity between Prehistory and the Present. Florence: Taylor and Francis (Routledge Studies in Archaeology) 2017, p. 156–168.

Bild: Müller, Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa. Unterschiedliche Erbschaftsregeln können im archäologischen Befund anhand räumlicher Verteilungsmuster, Größe und Nutzungskontinuitäten von Behausungen interpretiert werden: Primogenitur statt geteilte Vererbung (J. Müller, Inheritance, population development and social identities, S. 162).


12.04.2017

Neue Publikation zur Kalibration eines portablen Röntgenfluoreszenzgerätes    

Abbildung geochemische Zusammensetzung Grube

Aktuelle Veröffentlichung: Kalibration des portablen Röntgenfluoreszenzgerätes der Graduiertenschule illustriert am Beispiel der geochemischen Zusammensetzung der Füllung einer linearbandkeramischen hausbegleitenden Grube vom Standort Vráble, Slowakei    

Das an der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ nutzbare portable xrf Gerät wurde in einem Eich- und Kalibrierungsexperiment mit 80 Proben, deren Elementzusammensetzung aus konventionellen xrf Messungen bekannt war, hinsichtlich seiner Eignung zur quantitativen Messungen von mineralischen Archäosedimentproben erfolgreich getestet. Am Beispiel der Füllung einer hausbegleitenden Längsgrube eines linearbandkeramischen Hauses wurde getestet, ob aus dem Phosphorgehalt der Grubenfüllung Informationen über die Einwohnerzahlen bandkeramischer Häuser abgeleitet werden können. Die vergleichsweise geringen Phosphorgehalte der Grubenfüllung zeigen, dass auch postdepositionale Prozesse, die Verluste des ursprünglichen Phosphorgehaltes erklären bzw. differenziertere Modelle der Stoffflüsse zur paläodemographischen Interpretation geochemischer Daten aus archäologischen Befunden herangezogen werden müssen. Beteiligte SFB 1266 Autoren sind Stefan Dreibrodt (F2), Martin Furholt (C2), Robert Hofmann (D1) und Martin Hinz (F1).

Dreibrodt, S., Furholt, M., Hofmann, R., Hinz, M., Cheben I., P-ed-XRF-geochemical signatures of a 7300 year old Linear Band Pottery house ditch fill at Vráble-Ve'lké Lehemby, Slovakia - House inhabitation and post-depositional processes. Quaternary International, 2017 (in press). DOI: 10.1016/j.quaint.2017.03.054
 


07.03.2017

 Neue Publikation zur Erforschung von Maidanetske – ein Schlüsselfundplatz chalkolitischer Tripolye-Cucuteni „Mega-Sites"

Maidanetske

Im prähistorischen Europa stellen Bevölkerungskonzentrationen mit über 10.000 Einwohnern pro Siedlung ein sehr seltenes Phänomen dar. In Osteuropa jedoch sind chalkolitische „Mega-Sites“ bereits vor 50 Jahren von sowjetischen, ukrainischen und moldawischen Forschern freigelegt worden; Großsiedlungen mit über 2000 Häusern verteilt auf bis zu 250 Hektar Fläche. Seitdem stehen diese „Mega-Sites“ im Focus multidisziplinärer Untersuchungen.
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23.12.2016

Als Hirse auf den Speiseplan des Menschen kam: Publikation in Nature Scientific Reports

Karte Bruszczewo

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung “First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels” in Nature Scientific Reports (Heron et al. 2016) berichten SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis und Wissenschaftlerin Jutta Kneisel über neue molekulare Nachweismethoden von Hirse und ihrer Bedeutung als Nahrungspflanze in der Bronzezeit. Die Publikation entstand aus einer internationalen Kollaboration zwischen Professor Carl Heron, Spezialist in Bioarchäologie (Leiter Department of Archaeological Science, The British Museum, London) und sowie Wissenschaftler aus Polen, England, Japan, Südkorea, den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland.

Für den SFB 1266 sind die Forschungsergebnisse insbesondere im Hinblick auf sich ändernde Ernährungsstrategien in der Bronzezeit von Bedeutung. In Speisekrustenresten wurden für Rispenhirse (Panicum miliaceum) spezifische molekulare Marker identifiziert. Die Nahrungsreste fanden sich an spätbronzezeitlicher Keramik von der Siedlungsgrabung Bruszczewo in Polen. Somit gelang der Nachweis, dass Hirse in der Spätbronzezeit Mitteleuropas zum Spektrum der Nahrungspflanzen gehörte und zur Diversifizierung der Ernährung beitrug. Der Wandel von Nahrungsmittelproduktion und deren soziale Dimensionen im diachronen Vergleich sind zentrale Themen des SFB 1266, insbesondere von Teilprojekt F3.

Beteiligte Autoren des SFB 1266 sind Johannes Müller (A1, C1, D1, F5, Z1), Wiebke Kirleis (D1, F3, Z1) und Jutta Kneisel (D3, F1).

Heron, C., Shoda, S., Breu Barcons, A., Czebreszuk, J., Eley, Y., Gorton, M., Kirleis, W., Kneisel, J., Lucquin, A., Müller, J., Nishida, Y., Son, J., Craig, O.E., First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels. Nature Scientific Reports 6, Article number: 38767 (2016) doi:10.1038/srep38767.

Foto/Copyright: Kneisel


14.12.2016

Neue Publikation zu einem Galeriegrab der spätneolithischen Wartberggruppe (3350-2900 calBC)

3-4 jähriges Kind bestattet im Galeriegrab von Niedetiefenbach
In einer interdisziplinären Pilotstudie kollaborierten Forscher der CAU Kiel, der Universität Zürich und dem Landesdenkmalamt Hessen. Neue Ergebnisse zur Datierung des Galeriegrabes und zu ausgewählten Krankheitsbildern auf Basis paläopathologischer, dentaler und molekulargenetischer Untersuchungen der menschlichen Überreste wurden jetzt in der Prähistorischen Zeitschrift publiziert. Beteiligt sind Mitarbeiter der SFB-Teilprojekte D2 und F4.

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