SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Publikationen


18.02.2019

Die Menschen der Bronzezeit: Neueste Forschung zur Populationsgenetik, Lebensweise und Kultur im Kaukasus

  Kultur im Kaukasus

Eine kürzlich in Nature Communications veröffentlichte Studie zu palaeogenetischen Untersuchungen bezeugt die komplexe Interaktion von Bevölkerungsgruppen der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergländer im Zeitraum zwischen 6500 und 3500 vor unserer Zeitrechnung.

Die Studie fußt auf den Analysen genomweiter Daten von 45 Individuen aus der Steppen- und der Gebirgszone des Nordkaukasus. Die Untersuchungen wurden vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI-SHH) und der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin koordiniert. Zwei der untersuchten Individuen entstammen dem Gräberfeld „Kudachurt 14“, zentrales Forschungsobjekt der interdisziplinären Promotion von Katharina Fuchs (SFB Teilprojekt Z1).

mehr Informationen: CAU Pressemitteilung

 

Chuan-Chao Wang et al. (2019): Ancient human genome-wide data from a 3000-year interval in the Caucasus corresponds with eco-geographic regions. Nature Communications DOI 

Abbildung: Der Elbrus, mit mehr als 5600 Metern der höchste Berg des Kaukasus und Europas, umgeben von Bergketten, Gebirgsflanken und Hochtälern (Sabine Reinhold, DAI Berlin).


18.02.2019

Special Issue

Think global, act local! Bell Beakers in Europe

  Publication Think global, act global

Die Special Issue 4 des Journal of Neolithic Archaeology präsentiert eine Reihe von Artikeln zu Vorträgen des „Archaéologie et Goblets“ - Glockenbecher-Workshops „Think global, act local“, der im Mai 2017 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stattfand. „Archaéologie et Goblets“ ist ein Netzwerk europäischer Archäologen, die sich der der Erforschung des Glockenbecherphänomens widmen, einer Kulturerscheinung, die im Europa des 3. Jahrtausend v.u.Z. eine wichtige Rolle in der transregionalen Distribution materieller Kultur sowie sozialer und ökonomischer Innovationen spielte.

Die Artikel der Sonderausgabe liefern Hintergrundinformationen zu den Transformationsprozessen, die insbesondere in den SFB-Teilprojekten C1 und F1 erforscht werden, die sich mit Norddeutschland und dem westlichen Mittelmeerraum beschäftigen. Eine Druckversion ist in Kürze erhältlich.

Zur Special Issue des Journal of Neolithic Archaeology

 

Kleijne, J.P., Furholt, M., Müller, J. (eds) 2018. Think global, act local. Bell Beakers in Europe. Proceedings of the Bell Beaker Workshop Kiel 2017, Kiel: Christian-Albrechts Universität zu Kiel (Journal of Neolithic Archaeology, Special Issue 4)


09.01.2019

PRÄHISTORISCHE DEMOGRAPHIE

Neue Studie liefert Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung in Europa und im Nahen Osten im Zeitraum von 6000 bis 1000 vor Christus.

Prähistorische Demographie Karte

Auf der Karte sind die Gebiete ersichtlich, für die erstmals die Bevölkerungsdichten für urgeschichtliche Zeiten großräumig rekonstruiert wurden. (Abbildung aus Artikel, open access)

 

 

Genaue Bevölkerungszahlen für lang zurückliegende Zeiten zu ermitteln ist schwierig, denn sie lassen sich nur indirekt über die Auswertung von archäologischen Funden ermitteln. Eine am 2. Januar in der Online-Zeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie legt nun neue Ergebnisse zur absoluten Bevölkerungsdichte in Europa und im Vorderen Orient für den Zeitraum von circa 6000 bis 1000 vor Christus vor. Den Wissenschaftlern Dr. Aleksandr Diachenko vom Archäologischen Institut der Nationalakademie der Wissenschaften, Kiew (Ukraine), und Professor Johannes Müller, Sprecher des SFB 1266, ist es gelungen, die Bevölkerungszahlen für weite Teile Europas und Mesopotamiens zu rekonstruieren. Dazu führten sie das primär auf Ausgrabungsergebnissen beruhende Expertenwissen aus wissenschaftlichen Studien zu unterschiedlichen Kleinregionen zusammen und gewannen daraus absolute Einwohnerzahlen und Informationen über die Dichte der Bevölkerung vor Tausenden von Jahren.

Zur Pressemitteilung

Großsteingrab

 

Mueller J, Diachenko A (2019) Tracing long-term demographic changes: The issue of spatial scales. PLoS ONE 13(8):e0208739. DOI

 


23.11.2018

Aktuelle Publikation von B2: Frühmesolithische Aktivitätsmuster im Gebiet des Duvensees, Schleswig-Holstein

Beilschäftung aus Duvensee

In dem jüngst in der Fachzeitschrift “The Holocene” erschienenen Artikel „Early Mesolithic activities at ancient Lake Duvensee“ präsentiert das Teilprojekt B2 erste Ergebnisse zu einem zentralen Fundplatz des frühen Holozäns in Norddeutschland. Gemeinsam mit Expertise aus Teilprojekt F2 und unter der Anwendung archäologischer und paläoökologischer Methoden erlangten die Wissenschaftler neue Einblicke in das Residenz- und Subsistenzverhalten der frühmesolithischen Menschen im nordeuropäischen Fokus des SFB 1266.

Abstract:

‘The ancient lake Duvensee in Schleswig-Holstein, Germany, is one of the prime locations in northern Europe for early Holocene research. Archaeological sites on the former lakeshore provide vivid illustrations of early Mesolithic life, with bark mats and other organic finds preserved, including evidence for the extensive use of hazelnuts. Although the area has been the subject of research for almost 100 years, a coherent summary of these discoveries has not yet been written. Here we review past research at Duvensee, and give some prospects for further research. We show that the Duvensee sites varied in their structure and chronology. While only a limited number of sites can be connected to hazelnut exploitation, some of them show signs of hafting and retooling and other domestic activities. At a few sites, specific hearths were excavated which can be connected with hazelnut roasting and other subsistence activities. Finally, we show that while most earlier studies focused almost exclusively on archaeological research questions, Duvensee has the potential to reveal not only transformations in human behaviour, but also environmental changes at a detailed scale; we therefore argue for a more holistic perspective and multidisciplinary approach to reconstructing prehistoric landscapes and cultural transformations.’

Groß, D., Lübke, H., Schmölcke, U., Zanon, M., 2018. Early Mesolithic activities at ancient Lake Duvensee, northern Germany. The Holocene. DOI

Abbildung: Der Fund einer Beilschäftung (Duvensee WP 1)  mit Resten den Holzschaftes zeugt von den außerordentlich guten Erhaltungsbedingungen der Fundplätze im Duvenseer Moor (copyright: Archäologisches Landesmuseum Schleswig-Holstein; Groß et al. 2018, Abb. 6, S. 4).


15.11.2018

Neue SFB- Forschungen für einen bronzezeitlichen Tell im Karpatenbecken veröffentlicht: Internationale Ausgrabungen in Kakucs-Turján

Kakucs-Turján

Die aktuelle Publikation legt die ersten Ergebnisse zur Fundstelle Kakucs-Turján vor, die in den letzten Jahren von einem Forschungsteam aus polnischen, ungarischen und deutschen Archäologen und weiteren Spezialisten ausgegraben und untersucht wurde. Die Auswertung der mehrschichtigen Stratigraphie erlaubt die Rekonstruktion einer komplexen Siedlungsgeschichte und Hinweise zu ihrer ökonomischen Nutzung. Analysen des archäologischen und paläo-ökologischen Materials geben Auskunft über grundlegenden Entwicklungsmerkmale der mittelbronzezeitlichen Vataya Kultur: Charakteristisch waren lokale Traditionen, die in das größere kulturelle Netzwerk des Karpatenbeckens eingebunden waren.

Der Siedlungsplatz von Kakucs-Turján ist auch Teil der archäobotanischen Forschungen zur bronzezeitlichen Pflanzenökonomie im Karpatenbecken von Teilprojekt F3 und steht im  Rahmen der anvisierten diachronen Vergleiche des Teilprojektes C2, nachzulesen in Kapitel 1, 6 und 9. In Kiel sind darüber hinaus die Johanna Mestorf Academy und die Graduiertenschule "Human Development in Landscapes" federführend.

Jaeger, M., Kulscár, G.,Taylor, N., Staniuk, R. (ed.), 2018. Kakucs-Turján. A Middle Bronze Age multi-layered fortified settlement in Central Hungary. Studien zur Archäologie in Ostmitteleuropa, Bd 18, Dr. Rudolf Habelt GmbH, Bonn. ISBN 978-3-7749-4149-6

Kapitelnachweise:

Jaeger, M., Kirleis, W., Kiss, V., Kulsár, G., Müller, J., Staniuk, R., Taylor, N., Kakucs Archaeological Expedition, 13-21.

Jaeger, M., Staniuk, R., Müller, J., Kulsár, G., Taylor, N., History of the Bronze Age Habitation, 97-118.

Filatova, S., Gissel, C., Filipović, D., Kirleis, W. 2018. The plant economy at the Bronze Age site of Kakucs-Turján: first archaeobotanical results, 175-187.


15.11.2018

Isotopen im Fokus: Die Neolithisierung im nördlichen Zentraleuropa

Grafik Isotopen

Der jüngst im Journal of Archaeological Science erschienene Artikel legt wichtige Ergebnisse für die Neolithisierungsprozesse im nordeuropäischen Fokus des SFB 1266 vor. Zu den Analysen, die sich insbesondere auf Ernährungsindikatoren der Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen konzentrierten, haben Forschungen in den Teilprojekten der Cluster B und Cluster C beigetragen.

Abstract:

‘There is a long lasting debate on the nature of the neolithisation process in the northern European lowlands and in southern Scandinavia. Early evidence of domesticates and crop cultivation indicate a transition to farming in this area during the late 5th millennium cal BC. However, there is limited information how this process took place and to what extent the new economy was adopted during the subsequent centuries. (…) Farming economy was introduced in all parts of the lowlands during the early 4th millennium cal BC, but it was not before the 3rd millennium cal BC that it became fully established on a general scale. Our results correspond well with archaeobotanic evidence. They also contribute important information to the discussion of palaeogenetic data, which provide evidence for autochthonous individuals with signals of hunter-gatherer ancestry in farming societies until c. 3000 cal BC.’

Terberger, T., Burger, J., Lüth, F., Müller, J., Piezonka, H. 2018. Step by step – The neolithisation of Northern Central Europe in the light of stable isotope analyses. JAS 99, 66-86. DOI

Abbildung: Die Ergebnisse der Kohlenstoff- und Stickstoffisotope für Individuen des Spätatlantische Mesolithikums und Neolithikums in Norddeutschland (Terberger et al. 2018, Abb. 7, S. 80).


02.11.2018

Antiquity Project Gallery: Präsentation des "Hirsedatierungsprogramms“ der SFB 1266 Teilprojekte F3 und G1

Hirse groß

In der Project Gallery der Zeitschrift Antiquity wird das "Hirsedatierungsprogramms“ der SFB1266 Teilprojekte F3 und G1 vorgestellt. Die Ankunft und Ausbreitung der Rispenhirse mit ihrer fernöstlicher Herkunft in Mitteleuropa ist bislang nicht zufriedenstellend geklärt. Um abzusichern, ob das Aufkommen der Rispenhirse mit einem tiefgreifenden landwirtschaftlichen und gesellschaftichen Wandel im Verlauf der Bronzezeit in Zusammenhang steht, starteten die SFB Teilprojekte F3 und G1 ein Programm zur Radiokarbondatierung von Körnern der Gemeinen Hirse (Panicum miliaceum) aus unterschiedlichen europäischen bronzezeitlichen und neolithischen Fundstätten. Erste absolutchronologische Studien an Körnern aus neolithischen archäologischen Kontexten erregten Zweifel daran, dass Hirse bereits vor der Bronzezeit als Nutzpflanze angebaut wurde.

Das Projekt, in dem mehrere Publikationen geplant sind, erfolgt in Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen und Einrichtungen aus Europa. Wie in der Oktoberausgabe der Antiquity Project Gallery vorgestellt, konzentriert sich die Initialphase des Programms auf Material aus Norddeutschland. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Hirseanbau hier vermutlich in der jüngeren Bronzezeit um 1200 v. u. Z. begann–eine Zeit, die von Änderungen im alltäglichen Leben, in Ideologien und Siedlungsverhalten geprägt war. Weitere Datirungsergebnisse werden für das südliche Mitteleuropa, Osteuropa, und Südosteuropa erwartet. In einem nächsten Schritt untersucht das Projekt sodann, wie landwirtschaftliche Innovationen mit Entwicklungen in anderen Lebensbereichen zusammenwirkten.

Mehr zum Verlauf des Projektes ‘Before and after: millet cultivation and the transformation of prehistoric crop production in northern Germany’ finden Sie hier: Cambridge Core Antiquity

Filipović, D., Meadows, J., Wiethold, J., Jahns, S., Bittmann, F., & Kirleis, W. (2018). Before and after: Millet cultivation and the transformation of prehistoric crop production in northern Germany. Antiquity, 92(365), E3. DOI

Foto: Detaillierte Dokumentation von Hirsekörnern (D. Filipovic)


14.05.2018

aDNA-Forschung im SFB 1266: Steinzeitliches Hepatitis-B-Virus genetisch entschlüsselt  

The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography

Neu eLIFE publizierte Forschungsergebnisse belegen erstmalig den Nachweis viraler DNA aus archäologischen Proben (aDNA=ancient DNA) und zeigen, dass das Hepatitis-B-Virus (HBV) bereits seit mindestens 7.000 Jahren in Europa vorkommt.

Die aktuelle Studie wurde unter der Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Teilprojekt F4 „Infektiöse Erkrankungen in prähistorischen Populationen“ und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI) durchgeführt. Neben Teilprojekt F4 ist auch D2 mit dem Fundkontext Sorsum als Forschungsobjekt neolithischer Transformationen im Gebiet der Mitteldeutschen Tiefebene beteiligt. Die Ergebnisse stellen einen methodischen Durchbruch in der aDNA-Analyse viraler Pathogene dar und rücken die Entwicklungsgeschichte von Hepatitis B, die mit jährlich 250 Millionen infizierten Menschen eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten ist, in ein neues Licht.

Kartierung

Mehr Informationen, auch zur thematischen Relevanz im SFB 1266, und Stellungnahmen der verantwortlichen Autoren Ben Krause-Kyora (SFB 1266, Institut für Klinische Molekularbiologie) und Johannes Krause (MPI Jena) finden Sie in der offiziellen Pressemitteilung der CAU

B. Krause-Kyora, J.Susat, F. M. Key, D. Kühnert, E. Bosse, A. Immel, C. Rinne, Sabin-Christin Kornell, D. Yepes, S. Franzenburg, H. O. Heyne, T. Meier, S. Lösch, H. Meller, S. Friederich, N. Nicklisch, K. W.  Alt, S. Schreiber, A. Tholey, A. Herbig, A. Nebel, J. Krause (2018) Neolithic and Medieval virus genomes reveal complex evolution of Hepatitis B. eLIFE Genomics and Evolutionary Biology, Short Report May 10, 2018.

DOI: 10.7554/eLife.36666

Beteiligte Autoren des SFB 1266: A. Immel, B. Krause-Kyora, A. Nebel, C. Rinne.
 

Foto: Schädel einer jungsteinzeitlichen HBV-infizierten Person aus Karsdorf, Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um einen Mann, gestorben im Alter von 25-30 Jahren. (N. Nicklisch) / Abbildung: Fundstellen der Proben von HBV-infizierten Personen. Die Symbole zeigen das Probenmaterial an (von Zähnen oder Mumien stammend). Proben, die für die vorliegende Studie verwendet wurden, sind schwarz umrahmt (Krause-Kyora et al. 2018, Abb. A).


19.04.2018

„Critical Physical Geography in Practice“: Buchbeitrag von SFB 1266 PostDoc Daniel Knitter    

The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography

Landschaftsarchäologie, das ist ein sich zunehmend etablierendes Forschungsfeld, in dem Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler in interdisziplinärer Zusammenarbeit Fragen der Mensch-Umwelt Interaktion sowie der menschlichen Wahrnehmung und Schaffung von Landschaften untersuchen. Im SFB 1266 spielen landschaftsarchäologische Fragestellungen eine besondere Rolle und werden vor dem Hintergrund prähistorischer Transformation beleuchtet. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Physischen Geographie der FU Berlin diskutiert Daniel Knitter, PostDoc in Teilprojekt A2, in dem jüngst erschienen Buchbeitrag Herausforderungen und Schwierigkeiten der Analyse landschaftsarchäologischer Systeme. Anhand der Hauptthemen (Skale und Ort, Ursache und Prozess, sowie Systemreaktion) verdeutlichen die Autoren, wie mittels einer kritisch physisch-geographischen Perspektive Problemstellungen offengelegt und, im besten Fall, gelöst werden können. Ihr Resümee ist, dass landschaftsarchäologische Forschung nur dann erfolgreich sein kann, wenn neben gegenseitigem Respekt und Offenheit der beteiligten Akteure aus den verschiedenen Disziplinen auch der Wille zum Erlernen fachfremder Sprache und entsprechender grundlegender Konzepte vorliegen.

Knitter D., Bebermeier W., Krause J., Schütt B. (2018) Critical Physical Geography in Practice: Landscape Archaeology. In: Lave R., Biermann C., Lane S. (eds) The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography. Palgrave Macmillan, Cham. 
DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-319-71461-5_9


21.03.2018

Siedlungsplätze von Jäger-Sammlern: Vergleichende Betrachtung zum Frühmesolithikum im Ostseeraum

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

Im kürzlich erschienenen Artikel „People, lakes and seashores: Studies from the Baltic Sea basin and adjacent areas in the early and Mid-Holocene” stellen Daniel Groß, Harald Lübke (SFB 1266 Teilprojekt B2) sowie Stefan Dreibrodt (Teilprojekt F2) mit weiteren acht Kollegen Forschungen zum Mesolithikum im Ostseeraum in einen vergleichenden Kontext vor. Der Beitrag entstand im Rahmen der Session “Riverbanks and Seashores: The Baltic Sea basin and adjacent areais in the Early and Mid-Holocene” des internationalen Workshops “Socio-Environmental Dynamics over the Last 12,000 Years: The Creation of Landscapes V”, der 2017 von der Graduiertenschule “Human Development in Landscapes” und dem SFB 1266 an der CAU Kiel ausgerichtet wurde.

Der Beitrag betrachtet verschiedene archäologische Fallstudien und diskutiert unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Lagerplatzwahl mesolithischer Jäger-und-Sammler. Hierbei werden sowohl klimageschichtliche als auch ethnoarchäologische Perspektiven aufgezeigt, die auf die Variabilität und den Facettenreichtum prähistorischer Fundplätze eingewirkt haben können, als auch Möglichkeiten zur Fernerkundung und Archäoprognose diskutiert. Die Autoren unterstreichen, dass eine breite und zugleich vergleichbare Datenbasis relevant ist, um Transformationen im Mesolithikum besser nachvollziehen zu können. Darüber hinaus argumentieren sie für eine differenzierte Sichtweise in Bezug auf solche Gesellschaften, die es ermöglichen lokale und überregionale kulturelle Ausprägungen voneinander abzugrenzen und zu verstehen.

Abbildung: Chronologie der behandelten Fundplätze. Darüber hinaus sind Klima-Events, Stadien der Ostsee und Pollenanalytische Chronozonen des nördlichen Zentraleuropas eingetragen (Groß et al 2018, Abb. 2, S. 29).

Groß, D., Zander, A., Boethius, A., Dreibrodt, S., Grøn, O., Hansson, A., Jessen, C., Koivisto, S., Larsson, L., Lübke, H., Nilsson, B., 2018. People, lakes and seashores: Studies from the Baltic Sea basin and adjacent areas in the early and Mid-Holocene. Quaternary Science Reviews 185, 27-40. DOI: 10.1016/j.quascirev.2018.01.021.

sciencedirect.com


08.01.2018

Subsistenz im Mesolithikum: Neue Forschungen zu Transformationen im südwestlichen Küstengebiet Norwegens

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

Im kürzlich erschienenen Artikel “Towards a refined understanding of the use of coastal zones in the Mesolithic: New investigations on human–environment interactions in Telemark, southeastern Norway.” erläutern  die AutorInnen, M. Wieckowska-Lüth, W. Kirleis, stellvertretende Sprecherin des SFB 1266 und Teilprojektleitung F3, S. Solheim und A. Schülke, beide Museum of Cultural History, Oslo University, mögliche anthropogene Einflüsse auf die Vegetation im Mesolithikum anhand des Vergleichs von Pollen-Analysen eines Sedimentkerns mit Daten archäologischer Ausgrabungen. Sie zeigen, dass sich palyonologische und archäologische Daten unterstützen und ergänzen können, um Transformationen sowohl der Waldzusammensetzung (Anteil der Linde) als auch der Fundplatzmuster (Anlage von Werkplätzen) zu erklären.

Im Rahmen von archäologischen Rettungsgrabungen im Vorfeld des Eisenbahnbaus im Landkreis Telemark, SO-Norwegen,  wurden an der Universität Kiel palynologische Untersuchungen an einem Sedimentkern aus dem Skogstjern-See durchgeführt. Die Daten ergaben detaillierte Informationen über die Vegetationsgeschichte des Küstengebietes und zeigen, dass die küstennahen Wälder im Mesolithikum wiederholt vom Menschen genutzt und sowohl absichtlich als auch zufällig in ihrer Zusammensetzung verändert wurden. Die Zusammenführung der Pollendaten mit den archäologischen Ergebnissen zeigt, dass die Einwanderung der Linde und die wiederholten Anstiege der zugehörigen Tilia-Pollenkurve einhergehen mit der Produktion von Nøstvet-Äxten. Daraus läßt sich ableiten, dass die Verfügbarkeit der Ressource Lindenholz und -bast die Axtproduktion stimuliert hat. Generell wurde das Holz der Linde aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften und dem leichten Gewicht im Mesolithikum bevorzugt zur Herstellung von Einbäumen genutzt.

Abbildung: Summierte Wahrscheinlichkeitsverteilung aller publizierten 14C-Daten (n = 57) von 18 Fundstellen in Südost-Norwegen, die Nøstvet-Äxte und Produktionsrückstände enthielten im Vergleich zur prozentualen Verteilung von Tilia und Betula im Pollendiagramm. Das Fallen der Tilia-Kurve repräsentiert den Rückgang der Bewaldung und die Nutzung der Linde, wohingegen der Anstieg der Betula-Kurve den Beginn der Waldregeneration mit der Pionierart Birke anzeigt.

M. Wieckowska-Lüth, S. Solheim, A. Schülke, W. Kirleis, 2018: Towards a refined understanding of the use of coastal zones in the Mesolithic: New investigations on human–environment interactions in Telemark, southeastern Norway. Journal of Archaeological Science: Reports 17 (2018) 839-851. DOI:10.1016/j.jasrep.2017.12.045

sciencedirect.com


23.10.2017

Neue Publikationen zu Bevölkerungsagglomerationen, sozialer Ungleichheit und Formen zentralisierter Macht vom Neolithikum bis zur Eisenzeit

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

In den von SFB 1266 Sprecher Johannes Müller kürzlich erschienenen Publikationen werden Aspekte von Bevölkerungsentwicklungen beleuchtet, die in Zusammenhang mit der Entstehung sozialer Ungleichheiten und Formen zentralisierter Kontrolle im prähistorischen Europa stehen. Die Forschungen resultieren aus langjährigen Kollaborationen der Ur- und Frühgeschichte sowie GSHDL der CAU Kiel mit Projektpartnern aus der Balkan-Region und dem nordpontischen Raum, zentrale Untersuchungsobjekte der interdisziplinären Feldarbeiten sind archäologische und paläo-ökologische Archive neolithischer Siedlungen und chalkolitischer „Mega-Sites“. Zusätzlich zum inhaltlichen Fokus der „Human Development in Landscapes“ sind die Ergebnisse relevant für Forschungsfragen zu sozialen und ökonomischen Transformationen des SFB 1266, insbesondere der Teilprojekte A1 und D1 sowie den Querschnittsgruppen „Ökonomie: Stabilität und Transformation“ und „Soziale Organisation und Geschaffener Raum“.

In “From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control” werden aus diachroner Perspektive ökonomische und soziale Strukturen von prähistorischen Bevölkerungskonzentrationen diskutiert. Müller sieht als möglichen Auslöser für den Niedergang dieser frühen proto-urbanen Gesellschaften deren Vulnerabilität gegenüber Veränderungen im politischen Systemen. Fehlende nachhaltige Etablierung solcher proto-urbanen Strukturen ist in Südosteuropa nicht auf generellen Populationswachstum zurückzuführen, sondern auf soziale Sensitivität und den Grad ausgeübter sozio-politischer Kontrolle innerhalb der Bevölkerungskonzentrationen. Dies stünde im Gegensatz zu späteren Besiedlungsformen im Nahen Osten. In gemeinsamer Autorenschaft mit GSHDL und SFB 1266 Wissenschaftlern Vesa Arponen, Robert Hofmann und René Ohlrau werden in “The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies” neue methodische und konzeptuelle Ansätze zur Identifikation sozialer Ungleichheit und Formen sozialer Kontrolle vorgestellt. Hierbei dienen die archäologischen Nachweise von Hausbefunden neolithischer Siedlungen des Balkans und chalkolitischer Mega-Sites des nordpontischen Raumes als Proxies, wie beispielsweise die soziale Bedeutung eines Haushaltes durch den Vergleich von Architektur und Fundinventar. In “Inheritance, population development and social identities” beschäftigt sich Johannes Müller mit der Rolle von Hausgemeinschaften und Vererbungsregeln im südöstlichen Europa zwischen 5200-4300 v.u.Z.  Institutionelle und regulatorische Charakteristika dieser Konzepte werden anhand konkreter archäologischer Proxies, unter anderem Hausgröße, Siedlungsstruktur, oder Bevölkerungsdichte, diskutiert.

Müller, J., From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control. In: Manuel Fernández-Götz und Dirk Krause (Ed.): Eurasia at the Dawn of History. Urbanization and Social Change. New York: Cambridge University Press, 2017, p. 106–124.

Müller, J.; Arponen, V. P.; Hofmann, R.; Ohlrau, R., The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies. In: Andrea Cardarelli, Alberto Cazalla und Marcella Fangipane (Ed.): Preistoria e protostoria delle civilta antiche. Thematic issue: The Origin of Inequality. [S.l.]: GANGEMI (Origini. Preistoria e protostoria delle civiltà antiche - Prehistory and protohistory of ancient civilizations, XXXVIII, 2015-2), 2017, p. 65–83.

Müller, J., Inheritance, population development and social identities. Southeast Europe 5200-4300 BCE. In: Maja Gori und Maria Ivanova (Hg.): Balkan Dialogues. Negotiating Identity between Prehistory and the Present. Florence: Taylor and Francis (Routledge Studies in Archaeology) 2017, p. 156–168.

Bild: Müller, Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa. Unterschiedliche Erbschaftsregeln können im archäologischen Befund anhand räumlicher Verteilungsmuster, Größe und Nutzungskontinuitäten von Behausungen interpretiert werden: Primogenitur statt geteilte Vererbung (J. Müller, Inheritance, population development and social identities, S. 162).


12.04.2017

Neue Publikation zur Kalibration eines portablen Röntgenfluoreszenzgerätes    

Abbildung geochemische Zusammensetzung Grube

Aktuelle Veröffentlichung: Kalibration des portablen Röntgenfluoreszenzgerätes der Graduiertenschule illustriert am Beispiel der geochemischen Zusammensetzung der Füllung einer linearbandkeramischen hausbegleitenden Grube vom Standort Vráble, Slowakei    

Das an der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ nutzbare portable xrf Gerät wurde in einem Eich- und Kalibrierungsexperiment mit 80 Proben, deren Elementzusammensetzung aus konventionellen xrf Messungen bekannt war, hinsichtlich seiner Eignung zur quantitativen Messungen von mineralischen Archäosedimentproben erfolgreich getestet. Am Beispiel der Füllung einer hausbegleitenden Längsgrube eines linearbandkeramischen Hauses wurde getestet, ob aus dem Phosphorgehalt der Grubenfüllung Informationen über die Einwohnerzahlen bandkeramischer Häuser abgeleitet werden können. Die vergleichsweise geringen Phosphorgehalte der Grubenfüllung zeigen, dass auch postdepositionale Prozesse, die Verluste des ursprünglichen Phosphorgehaltes erklären bzw. differenziertere Modelle der Stoffflüsse zur paläodemographischen Interpretation geochemischer Daten aus archäologischen Befunden herangezogen werden müssen. Beteiligte SFB 1266 Autoren sind Stefan Dreibrodt (F2), Martin Furholt (C2), Robert Hofmann (D1) und Martin Hinz (F1).

Dreibrodt, S., Furholt, M., Hofmann, R., Hinz, M., Cheben I., P-ed-XRF-geochemical signatures of a 7300 year old Linear Band Pottery house ditch fill at Vráble-Ve'lké Lehemby, Slovakia - House inhabitation and post-depositional processes. Quaternary International, 2017 (in press). DOI: 10.1016/j.quaint.2017.03.054
 


07.03.2017

Neue Publikation zur Erforschung von Maidanetske – ein Schlüsselfundplatz chalkolitischer Tripolye-Cucuteni „Mega-Sites"

Maidanetske

Im prähistorischen Europa stellen Bevölkerungskonzentrationen mit über 10.000 Einwohnern pro Siedlung ein sehr seltenes Phänomen dar. In Osteuropa jedoch sind chalkolitische „Mega-Sites“ bereits vor 50 Jahren von sowjetischen, ukrainischen und moldawischen Forschern freigelegt worden; Großsiedlungen mit über 2000 Häusern verteilt auf bis zu 250 Hektar Fläche. Seitdem stehen diese „Mega-Sites“ im Focus multidisziplinärer Untersuchungen.
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23.12.2016

Als Hirse auf den Speiseplan des Menschen kam: Publikation in Nature Scientific Reports

Karte Bruszczewo

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung “First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels” in Nature Scientific Reports (Heron et al. 2016) berichten SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis und Wissenschaftlerin Jutta Kneisel über neue molekulare Nachweismethoden von Hirse und ihrer Bedeutung als Nahrungspflanze in der Bronzezeit. Die Publikation entstand aus einer internationalen Kollaboration zwischen Professor Carl Heron, Spezialist in Bioarchäologie (Leiter Department of Archaeological Science, The British Museum, London) und sowie Wissenschaftler aus Polen, England, Japan, Südkorea, den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland.

Für den SFB 1266 sind die Forschungsergebnisse insbesondere im Hinblick auf sich ändernde Ernährungsstrategien in der Bronzezeit von Bedeutung. In Speisekrustenresten wurden für Rispenhirse (Panicum miliaceum) spezifische molekulare Marker identifiziert. Die Nahrungsreste fanden sich an spätbronzezeitlicher Keramik von der Siedlungsgrabung Bruszczewo in Polen. Somit gelang der Nachweis, dass Hirse in der Spätbronzezeit Mitteleuropas zum Spektrum der Nahrungspflanzen gehörte und zur Diversifizierung der Ernährung beitrug. Der Wandel von Nahrungsmittelproduktion und deren soziale Dimensionen im diachronen Vergleich sind zentrale Themen des SFB 1266, insbesondere von Teilprojekt F3.

Beteiligte Autoren des SFB 1266 sind Johannes Müller (A1, C1, D1, F5, Z1), Wiebke Kirleis (D1, F3, Z1) und Jutta Kneisel (D3, F1).

Heron, C., Shoda, S., Breu Barcons, A., Czebreszuk, J., Eley, Y., Gorton, M., Kirleis, W., Kneisel, J., Lucquin, A., Müller, J., Nishida, Y., Son, J., Craig, O.E., First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels. Nature Scientific Reports 6, Article number: 38767 (2016) doi:10.1038/srep38767.

Foto/Copyright: Kneisel


14.12.2016

Neue Publikation zu einem Galeriegrab der spätneolithischen Wartberggruppe (3350-2900 calBC)

3-4 jähriges Kind bestattet im Galeriegrab von Niedetiefenbach

In einer interdisziplinären Pilotstudie kollaborierten Forscher der CAU Kiel, der Universität Zürich und dem Landesdenkmalamt Hessen. Neue Ergebnisse zur Datierung des Galeriegrabes und zu ausgewählten Krankheitsbildern auf Basis paläopathologischer, dentaler und molekulargenetischer Untersuchungen der menschlichen Überreste wurden jetzt in der Prähistorischen Zeitschrift publiziert. Beteiligt sind Mitarbeiter der SFB-Teilprojekte D2 und F4.

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