SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Feldarbeiten


07.09.2021

Das geht ja gut los!

Die Ausgrabung des Teilprojektes D2 bei Wittelsberg westlich von Marburg ist gerade erst gestartet. Nach zwei Tagen liegt die Hälfte der Untersuchungsfläche als frisch geputztes erstes Planum vor. Geputzt wird in der Archäologie natürlich mit Schaufel, Kratze und Kelle. Die relativ geringe Größe der Fläche ist maßgeschneidert über dem erwartetem Befund eines steinzeitlichen Hauses ausgerichtet. Auch die Entscheidung, den Pflughorizont auf 6 m x 12 m von Hand abzunehmen hat sich gelohnt. Neben zahlreichen Scherben und Flintartefakten wurde auch ein Steinbeil gefunden. Mal sehen, was die nächsten 4 Wochen noch bringen.

Grabungsfläche mit Personen
Abb. 1. Die Nase im Dreck, in den Augen den Glanz der Geschichte.

Drei Personen bei der Betrachtung eines Steinbeils
Abb. 2. Das Beil der Steinzeit als Glücksbringer, zumindest glücklicher Momente.


06.09.2021

Die Wiederentdeckung eines Weges – Ausgrabung eines Moorweges in Norddeutschland

Bohlenwege gehören zu den ältesten uns bekannten Wegen. In Norddeutschland wurden sie häufig gebaut, um nur schwer passierbares Gelände wie Moore zu überqueren, ohne kilometerweite Umwege gehen zu müssen. Mit ihren bis heute teilweise noch Wasser gesättigten Böden ermöglichten die Moore zugleich die Erhaltung der Bohlenwege. Solche Wege wurden bereits in der jüngeren Steinzeit gebaut, um Austausch zwischen unterschiedlichen Gruppen zu betreiben, Nachrichten zu überbringen oder Vieh zu treiben. Der durch das Teilprojekt C1 gesuchte und anschließend ausgegrabene Weg ist dabei mit einem vermuteten Alter von ca. 2600 Jahren v. Chr. in einen Zeitabschnitt einzuordnen, der von Migrationsbewegungen geprägt war.

Durch ein internationales Grabungsteam wurde der Weg auf einer Strecke von 3 m freigelegt. Dabei zeigte sich, dass der Weg aus Erlen- und Birkenstämmen gebaut wurde, die dicht nebeneinander auf längs liegende Birkenäste gelegt wurden. Durch die feuchte Umgebung haben sich viele der Hölzer ausgezeichnet erhalten, so dass sogar die Arbeitsspuren der Steinäxte noch sichtbar waren. Begleitet wurden die Ausgrabungen neben der Niedersächsischen archäologischen Denkmalpflege (NLD) von den palynologischen Experten Ingo Feeser und Walter Dörfler aus dem Teilprojekt F2 und der Datierungsspezialistin Helene Rose aus dem Teilprojekt G1. Neben Analysen der Umwelt und der Datierung sowie der dazugehörigen Methodenentwicklung sollen auch klimatische Rekonstruktionen an den gewonnenen Proben durchgeführt werden.

Diese außergewöhnliche Entdeckung hat auch in der Region für Begeisterung gesorgt, so dass gleich zwei Zeitungsartikel in der lokalen Presse erschienen sind:

Presseartikel Diepholzer Kreisblatt PDF

Presseartikel Oldenburgische Volkszeitung PDF

Luftbild einer Ausgrabung
Abb. 1. Vorsichtig werden die Hölzer des Bohlenweges freigelegt. Gut zu erkennen sind im Luftbild die quer liegenden Hölzer des Weges, die auf mehreren längs liegenden Hölzern aneinandergelegt wurden. An mehreren Birkenstämmen hat sich sogar die Rinde noch erhalten (Foto: Jan Piet Brozio).

2 Personen an der Grabung beim Befeuchten
Abb. 2. Während der Ausgrabung wurden die Hölzer des Bohlenweges regelmäßig befeuchtet, um den Zersetzungsprozess durch den Kontakt mit der Luft zu verlangsamen (Foto: Jan Piet Brozio).

2 Personen entnehmen eine Probe
Abb. 3. Für Untersuchungen der Vegetation und der Umwelt im Umfeld des Bohlenweges vor 4500 Jahren wird eine Probe neben dem Weg entnommen (Foto: Jan Piet Brozio).


20.08.2021

Zeit zum Zählen: Fundbearbeitungskampagne an der großen Fundstelle von Stolniceni, Moldawien

Für etwa zwei Monate führt das D1-Teilprojekt „Bevölkerungskonzentration in Tripolye-Cucuteni Großsiedlungen“ unter Leitung von Dr. Andreea Terna archäologische Forschungen in Moldawien an der Cucuteni-Tripolye-Siedlung von Stolniceni durch. Das internationale Team besteht aus Mitgliedern des SFB 1266, ROOTS Social, Environmental, and Cultural Connectivity in Past Societies, Prmovierenden und Masterstudierenden aus Kiel, Chişinău, Kiew und Odessa. Der SFB 1266 hatte in den letzten Jahren, in Kooperation mit der Şcoala Antropologică Superioară (Chişinău) und der Römisch-Germanische Kommission (Frankfurt/Main), ein umfangreicheres Prospektions- und Grabungsprogramm entwickelt. Diese Ausgrabungen ergaben faszinierende archäologische Befunde, wie z. B. Keramikproduktionsbereiche mit vier Brennöfen und einem Haus, Gruben in Verbindung zu verschiedenen Haustypen, einen prähistorischen Weg und das Verteidigungssystem der Siedlung.

 4 Personen bei der Fundbearbeitung
Abb. 1: Ein Teil des Teams während der Fundbearbeitung, hier Keramik (Fotio: A. Terna)

Die diesjährige Kampagne konzentriert sich auf die Bearbeitung der beeindruckenden Funde der vorangegangenen Grabungen: über eine Tonne Keramik, rund 2.500 Feuersteinobjekte, über 400 Tonminiaturen, fast 200 Knochenwerkzeuge und eine große Ansammlung gut erhaltener Tierreste. Die Kieler Forscher*innen des Teilprojekts D1 beschäftigten sich zudem mit Pflanzenresten, um das in den Vorjahren begonnene Flotationsprogramm zu vollenden. Die neuen Daten, die durch die Untersuchung der verschiedenen Fundkategorien gewonnen werden, erweitern zusammen mit den Informationen, die während der Ausgrabungen und geophysikalischen Prospektionen gewonnen wurden, unser Wissen über die Megasites von Tripolye auf mehreren Ebenen: vom Spektrum und der räumlichen Organisation der wirtschaftlichen Aktivitäten bis hin zur Rolle der verschiedenen Handwerkstraditionen und ihrer Wechselwirkung mit den sozialen und ideologischen Strukturen der Gesellschaft. 

Darstellungen auf einem Gefäß
Abb. 2: Zoomorphe Darstellung auf einem Gefäß (Foto: A. Terna)

Flotationsprozess mit Eimern am See
Abb. 3: Der Flotationsprozess (Foto: M. dal Corso)


16.08.2021

Tripolje nach den Megasites – Ukrainisch deutsche Ausgrabungen in der Mikroregion Kryschopil 2021

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologie der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften führt der SFB 1266 (Teilprojekt D1) derzeit Feldforschungen in der kupferzeitlichen Siedlung Kisnytsia bei Kryschopil, Ukraine, durch. Bis August werden hier Gruben unterschiedlicher Größe und in unterschiedlichen Teilen der Siedlung ausgegraben, die teils bereits umfangreiche Sammlungen von Keramik, Knochen und Werkzeugen lieferten. Materialen und Daten zur Ökonomie, Umwelt und auch Ideologie zu sammeln, ist Ziel der Grabungen unter der Leitung von Vitalii Rud (Kiew) in Kooperation mit Robert Hofmann, Archäologe im Teilprojekt D1. Die Ergebnisse helfen zu verstehen, welche Transformationen während und nach der Desintegration, also der Auflösung von Tripolye Megasites, relevant waren.

Die kleine Siedlung Kisnytsia gehört zu einer Mikroregion, in der wir bei Surveys in den Jahren 2017 und 2018 verstärkte Siedlungsaktivitäten für die Zeit um die Mitte des 4. Jahrtausends nachweisen konnten. Die diesjährigen Grabungen des internationalen Grabungsteams schließen damit nahtlos an die vorherigen Untersuchungen an. 

Archäologische Gruben in Kisnytsia
Abb. 1: Hervorragende Archive in Kisnytsia liefern diese Gruben, die zunächst zur Gewinnung von Baumaterial angelegt und später mit Siedlungsabfällen gefüllt wurden (Foto: R. Hofmann).

Foto von Funden mit Maßstab
Abb. 2: In situ-Situation mit Knochen und Knochengeräten in einer Grube (Foto: R. Hofmann)


15.08.2021

Der Weg ist das Ziel – Prospektion und Ausgrabung eines Moorweges in Norddeutschland

Zusammen mit der niedersächsischen Moor- und Feuchtbodenarchäolgie ist der SFB (Teilprojekt C1) seit Anfang August mit einem internationalen Grabungsteam auf der Suche nach einem Bohlenweg aus dem 3. vorchristlichen Jahrtausend im Aschener Moor. Für diesen Weg wird eine Länge von mehr als 2 km mit einer Breite von 3.3 m vermutet, um das Moor von Westen nach Osten zu überqueren. Ein solcher Bau würde einen Holzbedarf von gut 21.000 Erlenbäumen erfordern, was ca. 100 ha Erlenbruchwald entspräche. Seit dem 19. Jahrhundert kennen wir Forscher*innen der Archäosolche Wege, die seit der Eisenzeit genutzt wurden. Obwohl Bewegungen von Menschen oder der Austausch von Ideen zu verschiedenen Zeiten zu beobachten sind, erkennen wir diese in prähistorischer Zeit oft gleich einer Vogelperspektive: häufig nur indirekt über große Entfernungen hinweg. Direkte Wegverbindungen sind hingegen kaum zu fassen. Dabei war insbesondere das 3. Jahrtausend durch die Migration von Ideen und Menschen geprägt. Die Untersuchung eines Bohlenweges aus dieser Zeit soll zudem Erkenntnisse darüber bringen, ob nicht auch klimatische Veränderungen neue Anpassungen wie kilometerlange Wege zur Überquerung ganzer Landschaften notwendig machten.

Menschen gehen im Moor mit Arbeitsgeräten
Abb. 1: Um in dem unwegsamen Moorgebiet den Weg zu finden, sind teils kilometerlange Fußmärsche mitsamt Ausrüstung erforderlich (Foto J. P. Brozio).

Zwei Menschen arbeiten mit Sondierstange im Moor
Abb. 2: Gegenwärtig werden in langen Transekten Bohrungen durchgeführt sowie mit Sondierstangen nach möglichen Bohlen eines Weges gesucht (Foto J. P. Brozio).


05.08.2021

Sultana am Start – Grabung 2021

Der SFB gräbt in der Walachei! Gemeinschaftlich mit unseren Projektpartnern in Bukarest findet eine sechswöchige Ausgrabung seit Mitte Juli statt. Das ca. 50 Menschen umfassende Team gräbt im Siedlungshügel (ca. 4500-4100 v.u.Z.) mit reichen Hinterlassenschaften der weltweit ältesten metallurgischen Gesellschaften, dem dazugehörigen Gräberfeld, einem Großbau in der Umgebung des Siedlungshügels und in einer jungsteinzeitlichen Boian-Vorgängersiedlung. Im nahen See wurde eine Tiefenbohrung mit dem Usinger-Bohrer zur Gewinnung von einem Pollen- und Sedimentprofil vorgenommen. Im Siedlungshügel selbst haben wir inzwischen vier Siedlungshorizonte und eine Befestigungsanlage identifiziert, akkumuliert in den letzten 200 Jahren der Siedlung. Wir erfassen dort den Zusammenbruch der kupferzeitlichen Gemeinschaft zu einer Zeit, als in Tripolje die Megasiedlungen beginnen. Die Grabungsergebnisse werden sicherlich zur Korrelation der Prozesse zwischen Balkan und Steppe beitragen und die sozial-, umwelt- und technikgeschichtliche Rekonstruktion der Transformation ca. 4200/4100 v.u.Z. verbessern.

Interdisziplinär sind Teams der Umweltarchäologie und Geophysik zusätzlich zu dem der Archäologie beteiligt. Projektpartner vor Ort sind die Universität Bukarest und verschiedene Museen, dazu die Technische Universität Gent. Das Grabungsteam ist vielsprachig (rumänisch, deutsch, italienisch, englisch, französisch, ukrainisch, russisch, niederländisch …), - ein Beitrag zur europäischen Gemeinsamkeit.

SeebohrungAbb. 1: Seebohrung auf dem Sultana See (Foto: J. Müller)

Grabungsschnitt Sultana
Abb. 2: Ausgrabung eines Grabungsschnittes auf dem Siedlungshügel Sultana (Foto: J. Müller)

Industriestaubsauger Grabung
Abb. 3: Einsatz von Industriestaubsaugern auf der Grabung (Foto: J. Müller)

Ausgrabung Bestattung

Abb. 4: Ausgrabung einer chalkolitischen Bestattung (Foto: J. Müller)


03.11.2020

Fortsetzung der Grabung am Fundplatz Dobbin Herbst 2020, Mecklenburg-Vorpommern

Zu nebelig zum Messer (Foto: J. Kneisel)
Zu nebelig zum Messen (Foto: J. Kneisel)

Trotz Corona, mit Abstandsregeln und mit einem guten Hygienekonzept im Gepäck konnten die Untersuchungen des Frühjahres im Herbst 2020 fortgesetzt werden. Diesmal mit einem größeren Team und auf einer größeren Untersuchungsfläche.

Der Schnitt vom Anfang des Jahres wurde nach Norden und Osten erweitert, um das Ende der Grubenstruktur im NW zu erfassen und eventuelle Befunde östlich der Hausstruktur zu erfassen. Zusätzlich erfolgte im Osten die Öffnung eines 125m2 Schnittes, parallel zum Trassenverlauf der Gastrasse. Bei leider sonnigem Wetter, welches das Erkennen der Befunde erheblich erschwerte, konnten diesmal weitere Befunde der Siedlung freigelegt werden.

Die große Grube im Norden der Fläche stellte sich als eisenzeitliches Grubenhaus heraus, dass von mindesten 6 Pfosten umgeben war und auch hölzerne Innenbauten, in Form von Stakenlöchern unter dem Boden aufwies. Es enthielt typisch eisenzeitliche Keramik und einen Spinnwirtel. Damit bestätigen sich vorherige Vermutungen, dass es sich um einen mehrperiodigen Fundplatz handelt.

Im Osten konnten die Studierenden fünf steingefasste Feuerstellen untersuchen, deren ursprüngliche Oberkante bis in die Humusschicht erhalten war. Deutlich zeichneten sich die Steinkreise bereits beim Abbaggern der Humusoberfläche ab. Keramikfunde beim Baggern, belegen, dass ursprünglich ganze Töpfe, vermutlich Kochgefäße, auf der Feuerstelle standen. Damit gelang es ungestörte Arbeitsbereiche der Siedlung freizulegen. Der Bau der Hochspannungsleitung in den 1960er Jahren und die vorherige Bewaldung hatten die Befunde die letzten 2000-3000 Jahre bewahrt. Ein Glückstreffer für die Forschenden.

Wie immer erfolgte die Bearbeitung der naturwissenschaftlichen Proben aus den Siedlungsresten unmittelbar vor Ort. Die Forscher*innen der Archäologie wurden von einen 5-köpfigen Botanik-Team begleitet, die die Erdproben direkt vor Ort schlämmten und auf erhaltene Makroreste hin untersuchten. Die enge Zusammenarbeit und die Absprache vor Ort ermöglichte es eine gemeinsame Beprobungsstrategie zu entwickeln.

Regen Zuspruch fand der Tag der Offenen Tür, organisiert vom Heimatverein „Kiek in‘t Land“ Below, besonders die Kombination von Archäologie und botanischen Untersuchungen kam bei den Besuchern gut an.

Planum mit großer steinumkränzter Feuerstelle. (Foto: A. Heitmann)

Planum mit großer steinumkränzter Feuerstelle (Foto: A. Heitmann)

Studierende beim Abtiefen des Grubenhauses (Foto: S. Jagiolla)

Studierende beim Abtiefen des Grubenhauses (Foto: S. Jagiolla)

Die östliche Grabungsfläche mit den dunkel verfärbten Feuerstellen. (Foto: S. Jagiolla)

Die östliche Grabungsfläche mit den dunkel verfärbten Feuerstellen. (Foto: S. Jagiolla)

Frisch geputztes Planum, wo sind Befunde zu erkennen? (Foto: J. Kneisel)

Frisch geputztes Planum, wo sind Befunde zu erkennen? (Foto: J. Kneisel)

Tag der offen Tür organisiert vom Heimatverein Below (Foto: L. Rose)

Tag der offen Tür organisiert vom Heimatverein Below (Foto: L. Rose)

Der Schlämmplatz (Foto: W. Kirleis)

Der Schlämmplatz (Foto: W. Kirleis)

Was hält das Sieb bereit? (Foto: W. Kirleis)

Was hält das Sieb bereit? (Foto: W. Kirleis)

Feierabend, letzter Tag (Foto: L. Rose)

Feierabend, letzter Tag (Foto: L. Rose)


13.10.2020

Tag der offenen Tür: Neue Ergebnisse der Grabung in Dobbin 2020

Vorbereitung des Bohrgeräts
Mitarbeiter der Universität Kiel bei der Vorbereitung des Bohrgeräts

Am Samstag, den 17. Oktober 2020, gegen 11 Uhr lädt der Heimatverein Below herzlich zur Besichtigung der archäologischen Ausgrabung in Dobbin bei Dobbertin ein. Treff: Gaststätte Below, 10:30 Uhr.

Der Fundplatz wird seit 2019 von Archäolginnen und Archäologen der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Kooperation mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Schwerin untersucht. Bereits im Jahre 2011 fanden im Zuge der Gastrasse NEL Rettungsgrabungen am Fundplatz statt. Auf dem Fundplatz wurden viele Jungbronzezeitliche Siedlungsreste, Gruben, Hausgrundrisse, und zahlreiche Funde entdeckt. Inzwischen gesellen sich weitere Funde jüngerer Zeitstellungen hinzu. Die Grabungen sind Teil eines Sonderforschungsbereiches der Universität Kiel zum Thema Transformation in der Urgeschichte. In Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern der Archäobotanik werden Landschaftsanalysen aus dem Woseriner See und ehemaligen Dobbiner See in die Untersuchung mit einbezogen. Die Forscher*innen bieten ihnen am Tag der offenen Tür einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand und in die archäologische Grabungsmethodik und stehen für weitere Fragen zur Verfügung. Vor Ort wird das Auswaschen von Sedimentproben gezeigt, um Aussagen zum Pflanzenspektrum und der Ernährung innerhalb der Siedlung zu erhalten.

Die Veranstaltung findet im Freien statt, mit ausreichend Möglichkeiten, um Abstand einzuhalten. Wir freuen uns auf ihren Besuch!

Weiterführende Infos auf der Seite der Uni Kiel


23.09.2020

Grabung an der Hunte beim Dümmer in Niedersachsen 2020

Luftbild der Grabungsschnitte am Fundplatz Hunte im Sommer 2020
Abb.1: Luftbild der Grabungsschnitte am Fundplatz Hunte im Sommer 2020 (Foto J. P. Brozio).

Die diesjährige Grabungskampagne fand in Kooperation mit der archäologischen Denkmalpflege in Niedersachsen nördlich des Dümmers am Flusslauf der Hunte statt. Durch Ausgrabungen in den 1930er und 1940er Jahren ist eine Vielzahl von Fundstellen in der Niedermooregion bekannt, an denen teilweise bereits Ausgrabungen stattgefunden haben. Diese führten beispielsweise zur Aufdeckung eines Siedlungsplatzes mit Häusern und einer Palisade, wie am Fundplatz Hunte 1 oder ermöglichten es, den Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum in Norddeutschland, wie am Fundplatz Hüde I, nachzuvollziehen.

Der in diesem Jahr untersuchte Platz ist ebenfalls bereits seit den 1940er Jahren bekannt. In den erhaltenen Aufzeichnungen werden neben einem umfangreichen Fundmaterial aus dem Zeitraum zwischen ca. 2600 und 2200 v.u.Z. vor allem die guten Erhaltungsbedingungen hervorgehoben.

Dies war Anlass für erste Testgrabungen durch das Teilprojekt C1. Neben der Lokalisation der vor 80 Jahren erkannten Fundstelle wurden neben Funden von Flintsteinen auch ein Mahlstein sowie Fragmente weiterer Mahlsteine aufgefunden, die auf Siedlungstätigkeiten vor Ort schließen lassen. Eine Aufgabe des Siedlungsplatzes ist möglicherweise mit wiederholten Überschwemmungsereignissen in Verbindung zu bringen.

Ausgrabungsarbeiten am Fundplatz Hunte im Sommer 2020
Abb.2: Ausgrabungsarbeiten am Fundplatz Hunte im Sommer 2020 (Foto J. P. Brozio).

Neben der Entnahme von Sedimentproben zur Rekonstruktion der Pflanzenproduktion und des Pflanzenkonsums durch das Teilprojekt F3 erfolgten durch das Teilprojekt F2 Probebohrungen in unmittelbarer Nähe zur Fundstelle sowie in nahegelegenen Hochmooren. Die Zielsetzung der Bohrungen war es, das Potential für hochauflösende Umweltrekonstruktionen durch die Analyse und Datierung entnommenen Probematerials aus unterschiedlichen Schichten abzuschätzen. In Verbindung stehen damit auch geophysikalische Untersuchungen durch das Teilprojekt G2 im Bereich der Fundstelle, um das heute nicht mehr erkennbare Relief der Landschaft zu rekonstruieren und weitere potentielle Siedlungshinterlassenschaften zu entdecken.


02.04.2020

Fortsetzung der Grabung und paläoökologische Untersuchungen am Fundplatz Dobbin 2020, Mecklenburg-Vorpommern

Planum mit großer flacher Grube im Vordergrund

Die Grabungen am bronzezeitlichen Fundplatz von Dobbin werden vom Teilprojekt D3 durchgeführt. Schon im Sommer 2019 und Herbst 2019 fanden Grabungen statt.

Im Frühjahr 2020 wurde der Schnitt des Vorjahres nach Norden und Westen erweitert auf 125 m2, um das westliche Ende des Hausareales zu erfassen. Bei wechselhaftem Wetter von Regen und Hagel bis hin zu Sturm und Sonnenschein gelang es den Hausgrundriss des Vorjahres zu vervollständigen.

Auch westlich des Hauses war die Kulturschicht noch bis zu 20cm erhalten (Abb. 1) und enthielt viele verrollte Scherben und Abschläge. Ein schön bearbeiteter Klopfstein war darunter. In der Fläche fanden sich zahlreiche Pfostenlöcher und drei Silogruben (Abb. 2). In einer hatte sich noch der Negativabdruck des Korbgeflechtes im anstehenden Boden erhalten (Abb. 3). Interessant war im Westen der Fläche eine flache Grube von 3,5m Breite, deren unterer Bereich aus einer 10cm dicken holzkohlehaltigen Schicht bestand (Abb. 4).

Georadarmessung der Geophysiker vom Projekt G2Neben der Ausgrabung konnte das benachbarte Feld magnetisch untersucht und prospektiert werden. Ziel der Untersuchung war es das Zentrum der Siedlung zu lokalisieren. Zusätzlich untersuchten die Geophysiker*innen der Universität Kiel vom Teilprojekt G2 die archäologisch untersuchte Fläche vor dem Abtiefen mit dem Georadar (Abb. 5).

Tag der Offenen TürRegen Zuspruch fand der Tag der Offenen Tür (Abb. 6), organisiert vom Heimatverein „Kiek in‘t Land“ Below mit anschließendem Vortrag bei Kaffee, Kuchen und Würstchen (Abb. 7), die Schweriner Volkszeitung berichtete (Downloadversion).

Abb. 1-5: J. Kneisel; Abb. 6-7: D. Bradke

 

Paläoökologische Untersuchungen

Vorbereitung des BohrersAm 11.3.2020 ging es für Forscher*innen des Teilprojekts F2, bei strahlendem Sonnenschein, zur Feldarbeit nach Dobbin. Ziel war das Erbohren einer Sedimentkernsequenz im Umfeld der archäologischen Ausgrabungen des Teilprojekts D3. In einer nahegelegenen, c. 200m von den Ausgrabungsflächen entfernten, Niederung ließen Prospektionsbohrungen im Oktober letzten Jahres auf c. 6m mächtige Seesediment und Torfablagerungen erwarten. Diese haben sich seit dem Ende der letzten Eiszeit dort abgelagert und bieten die Möglichkeit der Rekonstruktion der lokalen Vegetations- und Landnutzungsgeschichte der bronzezeitlichen Siedlung durch palynologische und sedimentologische Analysen.

Foto: K. Schöps

 


 

18.03.2020

Experimenteller Getreideanbau im Archäologisch-Ökologischen Zentrum Albersdorf (AÖZA), Dithmarschen

Aussaat-des-Sommergetreides-im-Archaeologisch-Oekologischen-Zentrum-Albersdorf

Bevor es für die Archäobotaniker*innen vom Institut für Ur- und Frühgeschichte Corona-bedingt ins Home-Office ging, wurde noch zügig die alljährliche Aussaat im Archäologisch-Ökologischen Zentrum Albersdorf (AÖZA) vollzogen. Mit der fleißigen Unterstützung zweier Mitarbeiter*innen des Dithmarscher Steinzeitparks konnten neolithische Kulturpflanzen wie Einkorn, Emmer, Nacktgerste und in diesem Jahr auch Hartweizen als Sommergetreide ausgebracht werden. Die nordische Bronzezeit wird auf der Versuchsfläche zusätzlich repräsentiert mit gängigen Vertretern wie der Rispenhirse, dem ölhaltigen Leindotter und der eiweißreichen Saubohne. Lein und Rispenhirse werden jedoch erst Ende April eingesät. Die jeweiligen Kulturpflanzen werden zum Vergleich auf einer gedüngten sowie einer Fläche ohne Rinderdung angebaut. Leider fiel die Ernte im letzten Jahr durch starken Verbiss von Rehen und Kaninchen komplett aus. Das Thema des diesjährigen Anbaus ist daher „Schutz vor Tierfraß“. Um die Tiere aus der Fläche herauszuhalten, haben die Mitarbeiter*innen des AÖZA rund um die Anbaufläche einen dichten Zaun mit Pforte installiert, selbstverständlich aus natürlichen Materialien wie Weidenzweigen, Bast und Leder. Eine mit Knochen und anderen im Neolithikum verfügbaren lärmenden Objekten bestückte Fadenkonstruktion über dem Feld soll als Klanginstallation zudem auch Vögel vertreiben. Die neuen Konstruktionen bringen außerdem neue Aspekte zum Anbau ein: Den Schutz der Pflanzen vor Wind und eine mögliche Beschattung in den Randbereichen der Fläche. Wir danken den fleißigen Helfer*innen des AÖZA sehr für die kreative und tatkräftige Unterstützung!


08.11.2019

Grabung (D3-Projekt) Dobbin 2019, Mecklenburg-Vorpommern

Ausgrabung am Fundplatz Dobbin 2019, Mecklenburg-Vorpommern

Die diesjährige Grabungskampagne fand in Kooperation mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern im Spätherbst statt. Trotz regelmäßiger Schauer und Starkregen war die Stimmung ausgezeichnet. Die jungbronzezeitliche Fundstelle war bereits im Jahre 2011 bei Untersuchungen zur Gastrasse entdeckt und entlang der Trasse untersucht worden. Sie liegt auf einer Moränenkuppe zwischen zwei Seen, von denen der nordöstliche heute verlandet ist.

Ausgrabung am Fundplatz Dobbin 2019, Mecklenburg-VorpommernEin kleiner Schnitt, nördlich an die Trasse anschließend, erbrachte dieses Jahr über 130 Befunde, meist Pfostenlöcher, und 4 Silogruben. Im Planum ließ sich deutlich ein Grundriss erkennen, der sich in der Trasse fortsetzt und zu mindestens einem Haus gehört. Die darüberliegende Kulturschicht enthielt zahlreich Keramik, war aber durch den modernen Pflug gestört. Die bereits 2011 gefundene Gussform wurde dieses Jahr durch ein Fragment eines Gusstiegels ergänzt und belegt die lokale Metallproduktion. Fragmente eines Schleifsteins, Klopfsteine und das Fragment einer bronzenen Armspirale zeugen von einer gutsituierten Siedlung. Die für diese Zeit eher ungewöhnliche Ansammlung von Pfostenkonzentrationen und kleinen Grubenarealen spricht für einen kleinen Weiler. Ergänzt wurde das Grabungsteam durch die Botaniker*innen des Teilprojektes F3, die Bodenproben auf verkohlte Getreidereste und Holzkohle hin untersuchen. Ferner wurde durch das Teilprojekt F2 aus dem verlandeten Dobbiner See ein Bohrkern für die Pollenanalyse entnommen.

Zeitraum: 07.-20.10.2019

Ausgrabung am Fundplatz Dobbin 2019, Mecklenburg-Vorpommern 

Abb. 1-3: Ausgrabungsarbeiten am Fundplatz Dobbin im Spätherbst 2019.


29.07.2019

D3-Feldkampagne 2019: Ausgrabungen am bronzezeitlichen Fundort Dobbin

SFB1266 Bornhöved Grabungsfoto

Abb.1: Dokumentation eines Pfostenloches an einem Grabhügel in Bornhöved, Kr. Segeberg im Jahre 2018. (Foto S. Jagiolla)

Das Teilprojekt D3 startet neue archäologische und paläoumweltwissenschaftliche Untersuchungen an einem bereits bekannten Fundplatz in Mecklenburg-Vorpommern. Der Fundplatz Dobbin, Lkr. Ludwigslust-Parchim wurde bereits während einer Trassenuntersuchung im Jahre 2011 entdeckt und partiell ausgegraben. Er weist jungbronzezeitliches Material und interessante Siedlungsstrukturen auf, die auf eine weilerähnliche Ansiedlung schließen lassen. Ziel ist es, die angeschnittenen Hausgrundrisse zu vervollständigen, um den Verlauf der Siedlungsprozesse in dieser Region besser beschreiben zu können.

Mit dem benachbarten Pollenarchiv des Woseriner Sees ist es möglich, über die Umweltdaten die Landschaft zu rekonstruieren und mit dem Verlauf der lokalen Besiedlungsgeschichte zu vergleichen. Wie groß waren ihre Felder und Weideflächen und wie dicht war der Wald? Die zahlreichen Abfallgruben versprechen zudem reiches Fundmaterial, nicht nur für die Rekonstruktion der Alltagsgegenstände, sondern auch für weitere botanische Analysen, die Aufschluss über die Subsistenz und Ernährung in der Bronzezeit geben. In diesem zweiten Teil des Transekt bewegen wir uns von Schleswig-Holstein weiter nach Osten, um die unterschiedlichen Abläufe von Siedlungs- und Landschaftsprozessen während der Bronzezeit in Nordeuropa besser zu verstehen sowie die Transformationen in der Gesellschaft und Umwelt besser nachvollziehen zu können. Geländeprospektion und geophysikalische Surveys begleiten die Untersuchungen vor Ort.

Zeitraum: 07.-20.10.2019 und Frühjahr 2020

SFB1266 Bornhöved Grabungsfoto
Abb.2: Ausgrabungsmaterial bereit für die Arbeit. (Foto S. Jagiolla)

SFB1266 Bornhöved Grabungsfoto
Abb.3: Besucher*innen informieren sich über die Ausgrabungen im Jahr 2018 in Bornhöved, Kr. Segeberg. (Foto S. Jagiolla)


17.07.2019

Ausgrabungen in der Mega-Site Stolnicieni im August 2019!

Keramikfunde aus Stolniceni 2017 (Foto: Sara Jagiolla, UFG)

Abb. 1: Keramikfunde aus Stolniceni 2017. (Foto: S. Jagiolla, UFG)

Diesen Sommer finden seitens des  SFB 1266 Ausgrabungen in der moldawischen Großsiedlung Stolnicieni statt! Das D1 Team wird dabei interdisziplinär zusammen mit den moldawischen Projektpartnern in der Großsiedlung Hinterlassenschaften von Häusern und Wegesystemen ausgraben. Von besonderem Interesse sind drei mächtige Gruben, die zu drei unterschiedlich großen Häusern gehören (3950-3700 BCE). Aus den Hinterlassenschaften erhoffen wir uns Hinweise auf die Rolle, die unterschiedlich große Haushalte in Transformationsprozessen der Spät-Tripolye-Zeit spielten. Die Grabungen finden im August und September statt.

Zeitraum: August and September 2019


 

 

 

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