SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Feldarbeiten

06.11.2017

Teilprojekt G2: Geophysikalische Prospektionen im Sommer 2017

 in-situ Widerstandsmessungen in Stolniceni       Bodenradarmessungen in Vráble

Von Mitte August bis Anfang Oktober führt das Teilprojekt G2 “Geophysikalische Prospektion, Klassifikation und Validierung von Siedlungsresten in sich ändernden Umgebungen” Messungen auf den archäologischen Fundstellen Vráble (Slowakei) in Kooperation mit Teilprojekt C2 und Stolniceni (Republik Moldau) sowie Maidanetske (Ukraine)  in Kooperation mit Teilprojekt D1 durch. Es wurde ein Multimethoden-Ansatz, bestehend aus den Methoden elektrische Widerstandstompgraphie (ERT), Bodenradar (GPR), elektromagnetische Induktionsmessungen (EMI) und Magnetik, verwendet um die Befunde der verschiedenen Fundstellen zu untersuchen. ERT, GPR und EMI wurden nicht nur auf der Erdoberfläche sondern auch in den offenen archäologischen Ausgrabungen angewandt. Darüber hinaus wurden in-situ Messungen des elektrischen Widerstands und der magnetischen Suszeptibilität auf der Erdoberfläche, in offnenen archäologischen Ausgrabungen und Pürckhauer-Bohrlöchern in Kooperation mit Teilprojekt F2 durchgeführt. Der Fokus der Kampagne lag auf der Erstellung von hochauflösenden multimethoden Datensätzen von archäologischen Schlüsselbefunden.

Fotos:
In-situ Widerstandsmessungen in Stolniceni / Bodenradarmessungen in Vráble

Text und Fotos: Natalie Pickartz


06.10.2017

Bohrungskampagne: Spätglazialen Fundplätze der Hamburger und Ahrensburger Kultur im Kreis Segeberg

 Grabungssituation Brodersby

Unweit der Ortschaft Nahe (Kreis Segeberg) fanden am Dienstag und Mittwoch (17.-18.10.) Bohrungen im Rahmen des Teilprojektes B1 statt. Der Bohrstandort liegt inmitten einer reichen archäologischen Fundlandschaft in unmittelbarer Nähe zu spätglazialen Fundplätzen der sogenannten Hamburger und Ahrensburger Kulturen. Die Träger der Hamburger Kultur waren Pioniere, die als erste Menschen Norddeutschland nach dem Rückzug der großen Inlandgletscher des letzten Kältemaximums besiedelten. Die Rentierjäger der Ahrensburger Kultur markieren am Übergang zum Holozän das Ende des Paläolithikums in Norddeutschland. Unter Mithilfe von Walter Dörfler (F2) und Jan Weber (E1) wurden an beiden Tagen insgesamt 34 m Sediment aus einem ehemaligen Schmelzwassersee gewonnen. Der Aufschluss der erbohrten Sedimentkerne ergab, dass in den untersten Kernabschnitten laminierte Ablagerungen des Spätglazials erhalten sind. Aus Voruntersuchungen von Hartmut Usinger Anfang der 2000er Jahre ist darüber hinaus bekannt, dass es sich in den tieferen Seeabschnitten generell um überwiegend ungestörte Sedimentationsbedingungen zur Zeit des späten Pleistozäns handelte. Dieser Umstand erlaubt diverse, auf Übergangsphasen fokussierte Analysen in hoher Auflösung. In den kommenden Wochen und Monaten werden die Sedimente mit palynologischen, geologischen und geochemischen Verfahren in den Teilprojekten B1, E1 und F2 untersucht.  Die zahlreichen Analysen werden dazu beitragen, die Mensch-Umwelt-Interaktion während des Spätglazials von verschiedenen Standpunkten aus zu beleuchten und helfen, archäologische Fragestellungen mit naturwissenschaftlichen Methoden zu beantworten.

Text und Fotos: S. Krüger


06.10.2017

Neolithikum im Feuchtboden: Grabungen von Teilprojekt C1 in Brodersby-Schönhagen

Luftbild Brodersby      Grabungssituation Brodersby

An der Ostseeküste zwischen Kappeln und Eckernförde in Schleswig-Holstein finden gegenwärtig - im Anschluss an die Untersuchungen des jungsteinzeitlichen Siedlungsplatzes in Duvensee - weitere Ausgrabungen durch das Teilprojekt C1 statt. Die Fundstelle Brodersby-Schönhagen ist an drei Seiten von Feuchtgebieten umgeben und war im Neolithikum eine Insel oder Halbinsel in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Küstenverlauf der Ostsee. Der Siedlungsplatz wird von einer Kulturschicht bedeckt, die sich durch eine hohe Anzahl von Funden und Aktivitätsarealen, wie Werkplätzen für die Flintproduktion, auszeichnet. In den feuchten Randbereichen der ehemaligen Geländeerhöhung haben sich zudem Knochen und daraus hergestellte Werkzeuge erhalten. Das Fundmaterial umfasst gegenwärtig mehr als 2000 Artefakte. Verzierte Keramikscherben und Beile verweisen auf eine Einordnung des Siedlungsplatzes Brodersby-Schönhagen in den Zeitraum des Überganges vom Mittel- zum Jungneolithikum bzw. von der Trichterbecher- zur Einzelgrabkultur im dritten Jahrtausend v. Chr. Der Prozess gehört zu den die gesellschaftlichen Organisationen am stärksten verändernden Transformationen im norddeutschen und südskandinavischen Neolithikum und steht im Fokus von Projekt C1.

Bilder: J. P. Brozio


25.09.2017

Ausgrabungen einer “Mega-Site”: Stolniceni 2017

Ausgrabung Moldawien      Zwei Studenten und eine Tasse Kaffee

Dieses Jahr konzentrierten sich die Feldarbeiten von Teilprojekt D1 „Bevölkerungskonzentration in Tripolye-Cucuteni Großsiedlungen“ auf einen Fundplatz im nördlichen Moldawien. In Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Şcoala Antropologică Superioară in Chişinău, Moldawien, und Kollegen der Römisch-Germanischen Kommission wurde Bereiche der chalkolitischen Großsiedlung Stolniceni untersucht. Ähnlich wie Maidanetske, eine „Mega-Site“ in der Ukraine, datiert sie in den Anfang des 4. Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung. Das internationale Team aus moldawischen, rumänischen und ukrainischen Mitgleidern legte Grabungsschnitte von 500m2 Fläche frei, die vorher durch die Anwendung verschiedener geophysikalischer Methoden von Teilprojekt G1 prospektiert wurden. Archäologische Befunde von zentralem Interesse waren ein Brennofen zur Keramikherstellung, Graben- und Häuserstrukturen sowie verschiedene Abfallgruben. Zudem erbrachte die vollständige Ausgrabung eines Hauses und zusätzliche Testschnitte neue Ergebnisse zum Verständnis von Produktionsaktivitäten innerhalb und außerhalb häuslicher Strukturen. Die Anwendung einer spezifischen Datierungsstrategie der Befunde wird die zeitliche Dimension der Siedlungsprozesse und Entwicklungen von Bevölkerungsdichten konkretisieren. Die Interpretation eines interessanten Befundes einer freigelegten Anomalie, die sich im Randbereich des geophysikalischen Prospektionsareals befand, steht momentan noch aus.

Die Feldarbeiten umfassten Forschungsaktivitäten der Archäologie, Geoarchäologie, Geochemie sowie verschiedener Spezialgebiete der Archäobotanik und Geophysik, begleitet von Jonas Fischer, Kommunikationsdesgin-Student an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Seine Impressionen hielt er mit Zeichnungen und Erzählungen im Archäologie-Blog des SFB 1266 Archaeo Lounge fest. Exkursionen zum Museum in Iasi und den Ausgrabungen von Kollegen der Universität Erlangen in Scanteia, Rumänien, vervollständigten die Kampagne, die auch dieses Jahr durch das gemeinsame Leben und Arbeiten mit den Einwohnern und den kulturellen Traditionen Moldawiens bereichert wurde.

Bilder: Marta dal Corso


13.09.2017

Funde im Torf: Ausgrabungen von Teilprojekt C1 im Duvenseer Moor

Luftbild Duvensee      Duvensee

Obgleich das Duvenseer Moor in Norddeutschland vor allem durch seine mesolithischen Fundplätze international bekannt ist, liegt auf einer ehemaligen Insel innerhalb des Feuchtgebietes einer der wenigen jungsteinzeitliche Siedlungsplätze der Einzelgrabkultur der Norddeutschen Tiefebene. Der bereits 1994 kleinräumig erfasste Siedlungsplatz Wohnplatz 15 wird gegenwärtig im Rahmen des Teilprojektes C1 untersucht. Zielsetzung der Ausgrabungen ist die Erfassung des Aufbaus und die räumliche Ausdehnung des Siedlungsplatzes. Bisher wurden über 1000 Funde dokumentiert. Beobachtete räumliche Konzentrationen von Artefakten in der Siedlungsfläche haben das Potenzial Werkplätze zu rekonstruieren, die auf Grund der Zusammensetzung unterschiedliche Abschnitte der chaîn opératoire von Flintgeräten nahelegen. Darüber hinaus verweisen eine Schleifplatte sowie Produktionsabfälle neben einer ad hoc Produktion auf die Herstellung größerer Geräte innerhalb der Siedlung, wie beispielsweise Beile. Trotz der hohen Fundanzahl ist dem Siedlungsplatz auf Grund fehlender Baustrukturen eine saisonale Nutzung zu unterstellen. Der Fundplatz gehört damit zu einer Kategorie von Siedlungsplätzen, die vor 4500 Jahren gezielt in Feuchtgebieten in der Norddeutschen Tiefebene aufgesucht wurden.

Bilder: Katharina Fuchs & Jan Piet Brozio


13.09.2017

Teilprojekt E3 ergründet hellenistische Landschaften in Griechenland

Ascepieion of Kos      Sanctuary of Athena Lidia

Asja Müller, Mitarbeiterin im Teilprojekt E3, bereist derzeit für drei Wochen die griechischen Inseln, um Befundstudien zur landschaftlichen Einbettung hellenistischer Architekturen vorzunehmen. Das Projekt soll ergründen, wie im Hellenismus eine neue Architektur-Landschafts-Interaktion entstand. Im Zuge dieser Interaktion wurden gezielt spannungsvolle landschaftliche Situationen ausgewählt und umgestaltet, um in der Wahrnehmung des antiken Besuchers eine entsprechende Reaktion hervorzurufen. Dabei wurde gleichermaßen Architektur an Landschaft angepasst, wie auch Landschaft an Architektur. Der Funktionstypus des Heiligtums steht dabei im Fokus, da er sich als ausgesprochen vielversprechend für die vorliegende Forschungsfrage erwiesen hat.

Im Kontext dieser Forschungsarbeit besuchte Asja Müller verschiedene archäologischen Stätten auf den Inseln Thasos, Samothrake, Kos, Rhodos, Kreta, Thera und Paros. Zurzeit ist sie auf Tenos, um das dortige Poseidonheiligtum in Augenschein zu nehmen. Kurz vor ihrer Rückkehr nach Kiel wird sie sich den Heiligtümern von Delos bei Mykonos widmen.

Bilder: Asja Müller

 

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