SFB 1266 - TransformationsDimensionen

Archiv Neuerscheinungen


20.12.2019

Eine Umfriedung, Siedlungssysteme und klimatische Veränderungen

Geomagnetikplan des Fundortes Monte da Contenda

Neue Publikationen zur F1-Forschung in West Iberia sind verfügbar. Durch die Synchronisierung kultureller und klimatischer Entwicklungen und vor allem durch die Beurteilung der demographischen und räumlichen Entwicklung kann ein viel diskutierter Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen für die Westiberische Halbinsel plausibel gemacht werden. Dazu werden die Ergebnisse der Aoristik, der 14 C-Summenkalibrierung und der Auswertung der Konzentration langkettiger n-Alkan-Homologe terrestrischen Ursprungs als Niederschlagsvorhersage kombiniert, ihre Korrelation dargestellt und mögliche Antworten aus der Kartierung der Siedlungsentwicklung interpretiert.

Im zweiten Artikel werden die geomegantischen Untersuchungen am Monte da Contenda, Arronchs, Portugal vorgestellt. Während in der ersten Kampagne im Jahr 2013 ein sehr komplexes Grabensystem aufgedeckt wurde, das aber nicht den gesamten Grundriss des Geländes aufdecken konnte, konnten in der Kampagne 2018 die Grabensysteme des Standortes in ihrer Gesamtheit freigelegt werden. Viele der in der ersten Kampagne aufgestellten Annahmen bezüglich der Gestaltung des Geländes wurden in dieser zweiten Kampagne bestätigt, nämlich, dass das Grabensystem im Süden durch die Ribeira das Argamassas begrenzt wird und dass das Gelände zwei verschiedene Grabensysteme mit insgesamt 17 bis 19 Gräben enthält, wodurch sich Monte da Contenda als der Fundplatz mit der höchsten Anzahl von Gräben, die derzeit in Portugal bekannt sind, abzeichnet.

Hinz, M., Schirrmacher, J., Kneisel, J., Rinne, C., Weinelt, M. 2019. The Chalcolithic–Bronze Age transition in southern Iberia under the influence of the 4.2 ka BP event? A correlation of climatological and demographic proxies. Journal of Neolithic Archaeology  21, 1-26. DOI

Ribeiro, A., Rinne, C., Valera, A. 2019. Geomagnetic investigationsat Monte da Contenda, Arronches,Portugal – Results from the 2018 campaign. Journal of Neolithic Archaeology 21, 61-74. DOI

Grafik: Geomagnetikplan des Fundortes Monte da Contenda.


20.12.2019

Transformation soziale Praxis: Das Grab von Altendorf als Gedächtnisort

C14 Datierungen von Altendorf

In einem neuen Aufsatz werden die überraschenden Ergebnisse aus der Zusammenarbeit von D2 und G1 an dem Galeriegrab von Altendorf vorgelegt.

Die neue Analysen des Kollektivgrabes von Altendorf zeigt drei verschiedene Phasen der Bestattungspraxis: 1. Kollektivbestattungen einer gesamten Gemeinschaft (3250-3100 v. Chr.), 2. eine Unterbrechung in der Bestattungsaktivität (3100-2600 v. Chr.) und 3 eine seltene aber konstante Bestattung Einzelner (2600-1450 v. Chr.). Diese Veränderungen können mit der Aufgabe kollektiver sozialer Praktiken in ganz Mitteleuropa am Ende des vierten Jahrtausends v. Chr. und der Etablierung neuer Ideologien und der Wiederverwendung älterer Denkmäler ab 2600 v. Chr. in Verbindung gebracht werden. In Altendorf erstreckt sich diese letzte Phase bis zum nächsten gesamteuropäischen Umbruch in der der Bestattungspraxis, der dann dominierenden Brandbestattung . Das Grab von Altendorf zeigt einmalig die Vielschichtigkeit von Erinnerungskultur und Tradition in dem erkennbaren Wandel vom allgemeinen Bestattungs- zum Gedächtnisort.

Rinne, C., Drummer, C., Hamann, C. 2019. Collective and individual burial practices. Changing patterns at the beginning of the third millennium BC: The megalithic grave of Altendorf. Journal of Neolithic Archaeology 21, 75-88. DOI

Grafik: C14 Datierungen von Altendorf (KDE Model).


20.12.2019

‚Dark Ages‘ im Norden?

Plan der Grabungstätte Schönhagen-Brodersby

In zwei neuen Aufsätzen werden die Grabungsergebnisse zweier Fundplätze in Zusammenarbeit mit anderen Subprojekten durch C1 vorgelegt. Beschreiben werden die Veränderungen in Norddeutschland um 2900 v.Chr. und Hinweise auf eine eher mobile Lebensweise.

Nach dem Höhepunkt der megalithischen Bautätigkeit der Trichterbechergesellschaften und der nachfolgenden Bautätigkeit der Schnurkeramikgesellschaften kann der Zeitraum 3050-2800 v. Chr. als das "dunkle Zeitalter" des Nordens bezeichnet werden. Unsere Analyse dieser Periode im Rahmen eines Sonderforschungsbereichs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (SFB 1266) führte zu einer neuen Perspektive der Rolle von Siedlungsmustern, die mit einem Keramiktypus namens Store Valby verbunden sind. Neben kleinen Siedlungen, wie z.B. Schönhagen LA 107 (Brodersby), die im westlichen und südlichen Teil der kimbrischen Halbinsel dominieren, wurden im Westen, ab ca. 2900 v.Chr., Großsiedlungen und im Osten Palisadeneinfriedungen identifiziert. Trotz der Vielfalt der regionalen Entwicklungen in der westlichen Ostsee sind wir der Meinung, dass die allgemeine Charakterisierung dieser Jahrhunderte als eine eigenständige Phase sozio-ökologischer Transformationen als die gesamte Großregion betrifft.

Während des Endneolithikums (2800 - 2200 v. Chr.) fanden in der Altmark (Sachsen-Anhalt, Deutschland), die mit den nördlichen Welten verbunden ist, verschiedene Transformationsprozesse statt. Paläoökologische Untersuchungen weisen auf eine deutliche Zunahme des menschlichen Einflusses auf die Landschaft hin. Wahrscheinlich haben wir es mit einer hochmobilen und translokalen Gesellschaft zu tun, die kleinere saisonale Stationen nutzte und deren Wirtschaft auf Viehzucht, Jagd und Fischerei sowie dem Ackerbau basierte. Neben den ökologischen Veränderungen sind auch soziale Veränderungen im archäologischen Material erkennbar, die sich vor allem in den Bestattungspraktiken zeigen. Nach einer Phase relativ standardisierter Bestattungen innerhalb von Megalithgräbern zeichnet sich eine Verschiebung zu neuen Bestattungspraktiken ab. Fundorte wie Brunau und Lüdelsen weisen ebenfalls auf eine Mischung verschiedener Keramikstile hin, was auf einen starken kulturellen Austausch in dieser Region zu dieser Zeit hinweist.

Brozio, J.P., Müller, J., Filipović, D., Kirleis, W.Schmölcke, U., Meyer, J. 2019. The Dark Ages in the North? A transformative phase at 3000 – 2750 BCE in the western Baltic: Brodersby-Schönhagen and the Store Valby phenomenon. Journal of Neolithic Archaeology 21, 103-146. DOI

Pfeiffer, A. 2019. Transformations of semi-mobility? The Younger Neolithic in  the Altmark. Journal of Neolithic Archaeology 21, 147-156. DOI

Grafik: Plan der Grabungstätte Schönhagen-Brodersby.


08.11.2019

Zwei Artikel über Textilien und Textilproduktion im Tagungsband „The Textile Revolution in Bronze Age Europe“ werden in Kürze erscheinen

Abdrücke von Textilien auf bronzezeitlicher Keramik vom Fundplatz Bruszczewo, Polen.

Die beiden Studien untersuchen die Textil- und Textilproduktion in Mitteleuropa in der Bronze- und Früheisenzeit (2200- 500 v. Chr.). Nachweise von Textilien in der Bronzezeit Mitteleuropas sind selten, so dass sich die Studien auf Textilabdrücke und die Verbreitung von Webgewichten in Mitteleuropa konzentrieren. Webgewichte finden sich nicht nur in Siedlungen, sondern auch in Gräbern und Horten. Seit dem Neolithikum sind Webgewichte aus dem Alpenraum, Südost- und Mitteleuropa bekannt, während nur wenige Funde aus benachbarten Regionen im Norden und Westen existieren. Aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein kennen wir hauptsächlich Webgewichte aus der vorrömischen Eisenzeit und der Kaiserzeit. In der Literatur gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen für die Gewichte, die in dieser Studie auf sechs Grundtypen reduziert wurden. Im Gegensatz zur Typenvarianz aus dem nördlichen Alpenraum sind die mitteleuropäischen Typen auf zwei Grundformen beschränkt. Mehrere Fallstudien zeigen das Potenzial der Analyse von Webgewichten und Textilabdrücken. Eines der Ergebnisse ist die deutliche Transformation des Textilhandwerk von der Früh- zur Spätbronzezeit hin zu einer nahezu standardisierten Herstellungsprozess der Gewebe in Mitteleuropa.

Eine online-Datenbank zu Webgewichten ist auf der Homepage der Johanna-Mestorf-Akademie zugänglich.

Kneisel, J., Schaefer-Di Maida, S. 2019. Loom Weights in Bronze Age Central Europe, in: Sabatini, S., Bergerbrant S. (eds.). The Textile Revolution in Bronze Age Europe. Production, Specialisation, Consumption. Cambridge: Cambridge University Press, 80-116.

Schaefer-Di Maida, S., Kneisel, J. 2019. Textile ceramics as a complement to textile research, in: Sabatini, S., Bergerbrant S. (eds.). The Textile Revolution in Bronze Age Europe. Production, Specialisation, Consumption. Cambridge: Cambridge University Press, 197-216.

Zum Verlag Cambridge University Press

Foto: Abdrücke von Textilien auf bronzezeitlicher Keramik vom Fundplatz Bruszczewo, Polen.


17.10.2019

Lebensraum „Acker“ im Wandel

Rezente, angekohlte Knollen vom Knolligen Glatthafer

Der Knollige Glatthafer (Arrhenatherum elatius spp. bulbosum) ist eine Subspezies vom heute an Straßenrändern und auf Ruderalflächen weit verbreiteten wilden Glatthafer, die als Ackerunkraut im westlichen und südlichen Europa, aber auch in Großbritannien, und bis zum Kaukasus sowie in Nordwestafrika verbreitet ist. In Mitteleuropa sind verkohlte Knollen vom Glatthafer bis in die vorrömische Eisenzeit regelmäßig im archäologischen Befund vertreten, ab der Zeitenwende verschwinden sie jedoch. In einem Beitrag im Journal for Environmental Archaeology wurden jetzt Ergebnisse und Interpretationen von Anbauexperimenten mit Knolligem Glatthafer vorgelegt, die im Botanischen Garten der CAU Kiel durchgeführt wurden und zeigen, dass die Biodiversität im Lebensraum „Acker“ schon früh durch den Menschen eingeschränkt wurde. Der Rückgang des Ackerunkrauts steht möglicherweise mit der Einführung vom schollenwendenden Pflug am Ende der vorrömischen Eisenzeit (1. Jh. v.u.Z. ff.) in Verbindung, samt spätem Pflügen mit eben diesem Gerät am Ende der Vegetationsperiode. Zumindest im zentralen Kontinentaleuropa mit seinen harten Wintern trug die Einführung der neuen Technologie wohl zum Verschwinden des Knolligen Glatthafers bei. So entstanden neue Konkurrenzverhältnisse in Ackerunkrautgesellschaften. Weiterhin liefern die Anbauexperimente ein Werkzeug, um zu bestimmen, zu welcher Jahreszeit die Knollen zur Verkohlung gelangten. Ein Kochexperiment zeigt zudem, dass die Stärkehaltigen Knollen nur schwer genießbar sind, was eine Nutzung von Glatthaferhorsten als Zundermaterial in prähistorischer Zeit wahrscheinlicher erscheinen lässt. Gesamthaft liefern diese Ergebnisse einen wichtigen Beitrag zu den Forschungen des Teilprojektes F3 und zeigen einmal mehr die Bedeutung von technologischer Innovation für Transformationsprozesse im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur.

Effenberger, H., Nickol, M., Kirleis, W. 2019. Arrhenatherum elatius ssp. bulbosum Revisited – A Practical Approach to Decode Past Plant-related Activities. Environmental Archaeology. DOI

Foto: Rezente, angekohlte Knollen vom Knolligen Glatthafer (Arrhenatherum elatius spp. bulbosum). (Foto: S. Jagiolla, UFG Kiel)


09.10.2019

Eine aktuelle Studie zu Radiokarbondatierung von Leichenbrand in Radiocarbon erschienen

Leichenbrand aus Aarupgaard

Leichenbrand ist zu einem akzeptierten Material für Radiokarbondatierung geworden, allerdings haben 14C-Labors unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Arten von Verunreinigungen vorhanden sein könnten, und wenden daher sehr unterschiedliche Vorbehandlungsmethoden an. Dies ist für die Untersuchung von prähistorischen Transformationen von großer Bedeutung und wurde daher von Forschern des Teilprojektes G1 des SFB 1266 in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Labors für Radiokarbondatierung in Brüssel, des Leibniz-Labors in Kiel und des Zentrums für Isotopenforschung in Groningen untersucht.

In einer dazu aktuell in Radiocarbon veröffentlichten Studie, werden die Protokolle der Laborvorbehandlung durch Replikatmessungen verglichen. Die 14C-Ergebnisse zeigten, dass die Daten zwischen den Labors reproduzierbar sind und mit der erwarteten archäologischen Chronologie übereinstimmen.

Rose, H.A.Meadows, J., Palstra, S., Hamann, C., Boudin, M., Huels, M. 2019. Radiocarbon dating cremated bone a case study comparing laboratory methods. RadiocarbonDOI

Foto: Leichenbrand aus Aarupgaard, einem früheisenzeitlichen Urnenfeld in Südjütland, Dänemark. (Foto: H.A. Rose)


09.10.2019

Band 4 der SFB 1266-Reihe STPAS ist erschienen

Cover How´s Life

“How’s Life? Living Conditions in the 2nd and 1st Millennia BCE” herausgegeben von Marta Dal Corso, Wiebke Kirleis, Nicole Taylor, Magdalena Wieckowska-Lüth und Marco Zanon ist jetzt verfügbar. Es handelt sich um den vierten Band der SFB 1266-Reihe „Scales of Transformations in Prehistoric and Archaic Societies“ (STPAS). Mit diesem Band soll der Alltag in vergangenen Gemeinschaften näher beleuchtet werden.

Während der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit gab es zahlreiche Neuerungen in der Metallverarbeitung, der Sozialstruktur, der Nahrungsmittelproduktion und der Ernährung. Gleichzeitig wurden die Austauschnetzwerke in Europa enger geknüpft und die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt änderten sich. Welchen Einfluss hatten diese Transformationen auf das tägliche Leben? Mit welchen Methoden können Forscherinnen und Forscher diese Themen untersuchen?

Dieser Band stellt Beiträge aus einer gleichnamigen Session zusammen, die beim International Open Workshop "Socio-Environmental Dynamics over the Last 12.000 Years: The Development of Landscapes IV“ der Graduiertenschule "Human Development in Landscapes" organisiert wurde und 2017 in Kiel stattfand. Er versammelt wissenschaftliche Beiträge aus verschiedenen Bereichen der modernen Archäologie, die die Lebensbedingungen der Vergangenheit anhand des archäologischen Befundes und unter Berücksichtigung lokaler Umweltbedingungen erschließen. Im Fokus stehen dabei die Herstellung von Lebensmitteln und Metallen, die Themen Ernährung, Gesundheit, Abfallentsorgung und Wasserwirtschaft sowie zwischenmenschliche Beziehungen, wie sie für das Tollensetal als Gewaltexzesse nachgezeichnet werden können. Darüber hinaus werden zeitgenössische bildliche Rekonstruktionen von Lebensbedingungen in der Bronzezeit kritisch analysiert. 

Der Band kann online kostenlos gelesen und bei Sidestone Press bestellt werden.

Zum Verlag Sidestone Press 


07.10.2019

Band 3 der SFB 1266-Reihe STPAS ist erschienen

Cover Habitus

“Habitus? The Social Dimension of Technology and Transformation” herausgegeben von Sławomir Kadrow und Johannes Müller ist jetzt verfügbar. Es handelt sich um den dritten Band der SFB 1266-Reihe „Scales of Transformations in Prehistoric and Archaic Societies“ (STPAS).
Das Problem der sozialen Dimension von Technologie und Transformation aus der Perspektive des Habitus wurde in verschiedenen Arbeiten immer wieder aufgegriffen. Die Komplexität dieser Phänomene führt jedoch dazu, dass nachfolgende Ansätze in neuen Kontexten dargestellt und wieder erklärt werden müssen, was zu interessanten Beobachtungen führt.
Der Sammelband soll zu einem besseren Verständnis eines unter dem Begriff "Habitus" verborgenen Systems von verkürzten Dispositionen beitragen und stellt die neuesten Studien zur sozialen Dimension von Technologie und Transformation vor. Diese Studien decken hauptsächlich die Gebiete Europas von Skandinavien bis Italien und zum Balkan und von den britischen Inseln bis zur Ukraine und zum Nordkaukasus ab. In einem Fall wurden ethnoarchäologische Feldstudien in Indonesien durchgeführt, die jedoch zur Interpretation der Hallstattkultur in Europa verwendet werden. In der chronologischen Dimension umfassen sie die Zeit vom Neolithikum bis zum Beginn der Eisenzeit. Zu den behandelten Themen gehören Felskunst, Megasites der Tripolje-Gesellschaft, Steinäxte und -beile, Metallurgie, Wagen, Bogenschießen, Drehscheibenkeramik, Mechanismen der kulturellen Genese, dualistische Sozialsysteme und Kommentare zu Pierre Bourdieus' Theorie der Praxis, einschließlich des Konzeptes des Habitus.
„Habitus? The Social Dimension of Technology and Transformation“ richtet sich an die internationale Forschung und stellt eine wichtige Sammlung von Informationen und Interpretationen für alle Archäologen und an der europäischen Vorgeschichte interessierten Leser dar.
Der Band kann online kostenlos gelesen und bei Sidestone Press bestellt werden. 

Zum Verlag Sidestone Press 


27.09.2019

Eine Studie von SFB 1266 Mitgliedern zeigt, dass zunehmende Zentralisierung und mangelnde Partizipation zum Zusammenbruch von Mega-Sites der Tripolye-Kultur führte

Luftbild Maidanetske

Wie Untersuchungen des SFB 1266 in einer in PLoS One erschienen Studie zeigen, kann der Niedergang der von bis zu 15.000 Menschen bewohnten Mega-Sites der Tripolye-Kultur (5000-2700 v. Chr.) in der Nordpontischen Steppe auf veränderte sozio-politische Strukturen zurückgeführt werden. Dies wird an der diachronen Entwicklung von bestimmten öffentlichen Gebäuden aufgezeigt. So gab es zur Blütezeit der Tripolye-Kultur kleinere, mittelgroße und große Bauten, die als Versammlungs- und Entscheidungszentren interpretiert werden. Aufgrund ihrer Verteilung dienten die kleineren und mittelgroßen Bauten dabei wahrscheinlich den Bewohnern von Teilbereichen der Großsiedlungen, in denen über Belange auf unterer und mittlerer Ebene entschieden wurde. In den großen Versammlungshäusern wurden demgegenüber weitreichendere Entscheidungen gefällt. Allerdings verlieren kleinere und mittlere Versammlungsbauten gegen Ende der Tripolye-Kultur an Bedeutung und verschwinden schließlich, während die Großbauten an Größe, Monumentalität und Bedeutung gewinnen. 
Dies wird als eine Konzentration von Entscheidungsbefugnissen – Macht – interpretiert, während Belange auf unterer und mittlerer Ebene nicht mehr behandelt wurden. Entsprechend nahm die Konzentration von Macht auf einen kleineren Personenkreis oder sogar einen Machthaber zu, während die Partizipationsmöglichkeiten breiterer Bevölkerungsgruppen verschwand. Dieses sozio-politische Ungleichgewicht trug wesentlich zum Zerbrechen der Gesellschaft und zur endgültigen Auflassung der Großsiedlungen um 3700 v. Chr. bei. 
Die Studie, an der zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des SFB 1266 aus den Teilprojekten D1, F2 und F3 beteiligt waren, ist dabei nicht einseitig betrieben wurden, sondern berücksichtigte auch andere Faktoren, wie eine Übernutzung der Umwelt. Diese konnten jedoch als wesentliche Ursache, die zum Niedergang der Mega-sites führten, ausgeschlossen werden.
Eine detaillierte Pressemeldung finden sie hier.
Aufgrund ihrer großen Relevanz für das Verständnis von langfristigen sozio-politischen Entwicklungen, hat die Studie schon international für Resonanz gesorgt, so erschienen z. B. Beiträge in Newsweek, New Scientist, unian, NPLUS1, PhysOrg, Haaretz, Life Science, altasoscura und beim MDR.

Hofmann, R., Müller, J., Shatilo, L., Videiko, M., Ohlrau, R., Rud, V., Burdo, N., Dal Corso, M., Dreibrodt, S., Kirleis, W. 2019. Governing Tripolye: Integrative architecture in Tripolye settlements. PLoS ONE 14 (9): e0222243. DOI

Foto: Luftbild des 200 Hektar großen Siedlungsareals der Tripolye Mega-Site Maidanets‘ke mit Grabungsflächen. Die Errichtung von 3000 Häusern und die Ernährung einer mehrere Tausend Menschen umfassenden Bevölkerung bedeuteten einen erheblichen Eingriff in die Landschaft. Das Zusammenleben von 5.000 bis 15.000 Menschen stellte auch in sozialer Hinsicht eine große Herausforderung dar, die nur durch die Etablierung funktionierender politischer Institutionen bewältigt werden konnte.


18.09.2019

SFB 1266 beteiligt an einer in SCIENCE veröffentlichten Studie zu frühester Globalisierung

Ausgrabungen in Moldawien

Eine aktuelle, in der Zeitschrift SCIENCE veröffentlichte Studie von 255 internationalen Archäologinnen und Archäologen, darunter Forscher des Sonderforschungsbereiches 1266, verändert das Bild von der menschlichen Umgestaltung der Welt grundsätzlich. Nicht erst in der Neuzeit, sondern bereits vor 4000 Jahren waren demnach praktisch alle Gebiete der Erde durch menschliche Landnutzung extrem verändert worden. Zu dieser Erkenntnis beigetragen haben auch die Forschungen des SFB 1266, die Aussagen zur Intensität von Siedlungsweise und Landnutzung ermöglichten.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier.

Die Studie hat bereits öffentliches Interesse hervorgerufen: Johannes Müller, Sprecher des SFB 1266 und Co-Autor der Studie, gab dem Magazin Spiegel dazu ein Interview (Spiegel Plus).

Stephens, L. Fuller, D., Boivin, N., Rick, T., Gauthier, N., Kay, A., Marwick, B., Armstrong, C.G., Barton, C.M., Denham, T., Douglass, K., Driver, J., Janz, L., Roberts, P., Rogers, J.D., Thakar, H., Altaweel, M., Johnson, A.L., Sampietro Vattuone, M.M., Aldenderfer, M., Archila, S., Artioli, G., Bale, M.T., Beach, T., Borrell, F., Braje, T., Buckland, P.I., Jiménez Cano, N.G., Capriles, J.M., Diez Castillo, A., Çilingiroğlu, Ç., Negus Cleary, M., Conolly, J., Coutros, P.R., Covey, R.A., Cremaschi, M., Crowther, A., Der, L., di Lernia, S., Doershuk, J.F., Doolittle, W.E., Edwards, K.J., Erlandson, J.M., Evans, D., Fairbairn, A., Faulkner, P., Feinman, G., Fernandes, R., Fitzpatrick, S.M., Fyfe, R., Garcea, E., Goldstein, S., Goodman, R.C., d'Alpoim Guedes, J., Herrmann, J., Hiscock, P., Hommel, P., Horsburgh, K.A., Hritz, C., Ives, J.W., Junno, A., Kahn, J.G., Kaufman, B., Kearns, C., Kidder, T.R., Lanoë, F., Lawrence, D., Lee, G.-A., Levin, M.J., Lindskoug, H.B., López-Sáez, J.A., Macrae, S., Marchant, R., Marston, J.M., McClure, S., McCoy, M.D., Miller, A.V., Morrison, M., Matuzeviciute, G.M., Müller, J., Nayak, A., Noerwidi, S., Peres, T.M., Peterson, C.E., Proctor, L., Randall, A.R., Renette, S., Robbins Schug, G., Ryzewski, K., Saini, R., Scheinsohn, V., Schmidt, P., Sebillaud, P., Seitsonen, O., Simpson, I.A., Sołtysiak, A., Speakman, R.J., Spengler, R.N., Steffen, M.L., Storozum, M.J., Strickland, K.M., Thompson, J., Thurston, T.L., Ulm, S., Cemre Ustunkaya, M., Welker, M.H., West, C., Williams, P.R., Wright, D.K., Wright, N., Zahir, M., Zerboni, A., Beaudoin, E., Garcia, S.M., Powell, J., Thornton, A., Kaplan, J.O., Gaillard, M-J., Klein Goldewijk, K., Ellis, E. 2019. Archaeological assessment reveals Earth's early transformation through land use. Science 365, Issue 6456, 897-902. DOI

Foto: Ausgrabungen von kupferzeitlichen vorstädtischen Siedlungen aus der Zeit um 3800 v.Chr. und von bronzezeitlichen Aschehügeln um 1300 v. Chr. des Teilprojektes D1 in Moldawien (Stolniceni) haben entscheidend zur Rekonstruktion der Landnutzung und Siedlungsweise in den Wald- und Grassteppen Eurasiens beigetragen. (Foto: J. Müller)


16.09.2019

Untersuchung von Klima- und Landschaftstransformationen zwischen dem Neolithikum und dem Beginn der Bronzezeit

Klimakurve

Am Übergang von der Kupfer- zur Bronzezeit gab es im Gebiet des Gardasees (Norditalien, um 4150 BP) einen tiefgreifenden Wandel in den Siedlungsstrategien. Nach relativ spärlichen Nachweisen von neolithischen und kupferzeitlichen Resten, entstehen mehrere Pfahlbausiedlungen am Gardasee und den zahlreichen weiteren, kleineren Seen und Feuchtgebieten in der Umgebung.

Eine neue Publikation, die in Kollaboration der Teilprojekten F2, E1 und F3 entstand, untersucht den Umweltkontext vor und während der Entwicklung des bronzezeitlichen Pfahlbauphänomens. Zwei größere warme/aride Übergänge traten während des Neolithikums und der Kupferzeit auf: ein früherer datiert auf ca. 6300 bis 6100 Jahre vor heute, während der zweite zwischen ca. 4600 und 4300 Jahren vor heute auftrat. Insbesondere wurde ein deutlicher Übergang hin zu kälteren/feuchteren Bedingungen nach ca. 4300 Jahren vor heute erfasst. Dieser Trend setzt sich auch nach Beginn der Bronzezeit fort und deutet darauf hin, dass die Einführung neuer Bautechniken unter den sich schnell verändernden klimatischen Bedingungen erfolgte.

Zanon, M., Unkel, I., Andersen, N., Kirleis, W. 2019. Palaeoenvironmental dynamics at the southern Alpine foothills between the Neolithic and the Bronze Age onset. A multi-proxy study from Bande di Cavriana (Mantua, Italy). Quaternary Science Reviews 221. DOI

Abbildung: Aus einer Kombination zahlreicher Umweltindikatoren ermittelte Klimakurve. Modifiziert aus Zanon et al. 2019.


18.07.2019

The Holocene Special Issue des SFB 1266 online erschienen!

The Holocene Special Issue des SFB 1266

Die aktuellen Forschungsergebnisse des SFB 1266 sind in einer Special Issue in The Holocene unter dem Titel „Scales of Transformation – Human-Environmental Interaction in Prehistoric and Archaic Societies“ erschienen. Vom Mesolithikum bis zur Bronzezeit, von Norddeutschland bis in die Ukraine reichend, decken die zwölf Beiträge das ausgedehnte Arbeitsgebiet des SFB 1266 in seiner großen chronologischen und geographischen Ausdehnung ab. Im Fokus aller Beiträge liegt die Erforschung von Transformationsprozessen auf unterschiedlichen Skalen. Diese reichen vom Wirken von Transformationen auf Individuen, auf Populationsdynamiken und auf ganze Landschaften, die mit modernen Modellierungsansätzen untersucht werden. Die Beiträge, die auch theoretische Beträge miteinschließen, zeigen dabei den hohen inhaltlichen und methodischen Stand des SFB 1266. Darüber hinaus spiegeln sie die intensive interdisziplinäre Kooperation innerhalb des SFB 1266, und die dadurch verbesserten Erkenntnisse zu Transformationen von prähistorischen Gesellschaften wider.

Die Beiträge des Bandes: The Holocene Special Issue „Scales of Transformation – Human-Environmental Interaction in Prehistoric and Archaic Societies“ sind bereits online erhältlich. Das Verzeichnis der einzelnen Beiträge und die Abstracts sind hier: Abstracts und Beiträge einsehbar. Die Druckversion wird im Oktober erscheinen.

Abbildung: Beispiele aus den Beiträgen mit Schädel und Landschaftsmodellierungen. Zusammengestellt aus Abbildungen von Fuchs et al. 2019 und Knitter et al. 2019.


09.07.2019

Neu erschienen: Embracing Bell Beaker. Adopting new ideas and objects across Europe during the later 3rd millennium BC (c. 2600-2000 BC)

Cover Embracing Bell Beaker

Im neu erschienen Band der SFB-Reihe „Scales of Transformation in Prehistoric and Historic Societies“ zeigt Jos Kleijne basierend auf Siedlungsnachweisen der Glockenbecherzeit, dass lokale Gemeinschaften Ideen und Objekte auf unterschiedliche Arten übernahmen. Während manche prähistorischen Gemeinschaften das Glockenbecherphänomen schnell und als Paket übernahmen, taten dies andere Gemeinschaften deutlich langsamer oder überarbeiteten die Ideen um sie ihrer eigenen kulturellen Sphäre anzupassen. Diese variierenden Strategien und Geschwindigkeiten hingen dabei mit existierenden sozialen Informationsaustauschnetzwerken zusammen, wie Kleijne in seiner Forschung zeigen konnte. Diese entstehenden Glockenbecher- Informationsaustauschnetzwerken basierten auf einer Fernstreckenmobilität einer begrenzten Anzahl von Individuen, die neue Technologien und Praktiken verbreiteten. 

Zum Verlag Sidestone Press

Kleijne, J. 2019Embracing Bell Beaker: Adopting new ideas and objects across europe during the later 3rd millennium BC (c. 2600-2000 BC), Scales of Transformations 02. Leiden: Sidestone Press Dissertations.


07.07.2019

Die Kieler Konferenz „Megaliths – Societies – Landscapes“ ist erschienen

MegaBand2

Im 5. und 4. Jahrtausend v. Chr. entstand Monumentalarchitektur in neolithischen und chalkolithischen Kontexten in verschiedenen Teilen Europas. Die aktuelle Forschung verwendet eine Reihe verschiedener Methoden und erarbeitet vielschichtige Interpretationen, um facettenreiche Narrative über dieses Phänomen zu erstellen.

Die internationale Konferenz „Megaliths – Societies – Landscapes. Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe“ zielte darauf ab, Forscher aus verschiedenen Regionen und Zusammenhängen zusammenzubringen und so eine aktuelle Perspektive auf die prähistorische Monumentalarchitektur zu schaffen. Die Konferenz bot auch die Möglichkeit, die Ergebnisse des DFG-Schwerpunktprogramms 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Über die Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und die Entstehung früher komplexer Gesellschaften in Nordmitteleuropa“ zu präsentieren, das sich auf das Aufkommen von Monumentalität im Kontext neolithischer Trichterbechergesellschaften konzentrierte. 

In den Beiträgen des Tagungsbandes werden die Ergebnisse der Konferenz vorgestellt, die sich sowohl mit Monumenten aus Stein, Holz und Erde, als auch mit interpretativen Aspekten wie der Bedeutung der Monumentalität für die Landschaftsstruktur und der sozialen Bedeutung der Monumentalität befassen. Sie bestehen aus breit angelegten Fallstudien mit kontinentalem Rahmen, die die vielfältigen Implikationen und Erscheinungsformen der Monumentalität veranschaulichen. Sie zeigen auch die Notwendigkeit holistischer Ansätze und der Integration verschiedener Datensätze für das Verständnis eines Phänomens von derartiger Komplexität. Für ein umfassenderes Verständnis der verschiedenen Erscheinungsformen der Monumentalität wurden auch ethnoarchäologische Studien zu Megalithbauten aus verschiedenen Kontinenten integriert.

Der Tagungsband zeigt, dass der Bau von Monumenten von sehr unterschiedlichen Faktoren beeinflusst sein kann und in verschiedene Kontexte der sozialen Organisation eingebettet war und somit ein sehr variables, transformatives Phänomen darstellt.

Zum Habelt Verlag

Müller, J., Hinz, M., Wunderlich, M. (eds.) 2011Megaliths – Societies – Landscapes. Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe, Proceedings of the International Conference "Megaliths – Societies – Landscapes". Early Monumentality and Social Differentiation in Neolithic Europe, 16-20 June 2015 Kiel.,Vol. 2, Frühe Monumentalität und Soziale Differenzierung 18. Bonn: Dr. Rudolf Habelt GmbH. ISBN 978-3-7749-4213-4 


27.06.2019

Neue Ergebnisse zum 4,2 ka Ereignis auf der süd-iberischen Halbinsel

Diagramm 4,2 ka Event

Abbildung: Korrelation der Dürrephasen auf der süd-iberischen Halbinsel sowie Änderungen im Strömungsmuster der Alboran See mit Verschiebungen der Nord-Atlantischen Oszillation

Das 4,2 ka Event war eine Dürrephase, die mehrere Jahrhunderte andauerte und für bedeutende soziale und kulturelle Transformationen mitverantwortlich war –  darauf lassen zumindest einige Erkenntnisse aus dem östlichen und zentralen Mittelmeerraum schließen. Die Ausprägung und die Auswirkungen des 4,2 ka Event im westlichen Mittelmeerraum ist hingegen noch immer Gegenstand intensiver Debatten in der Wissenschaftsgemeinschaft.

Eine aktuelle Publikation des F1 Teilprojekts hat jetzt einen wichtigen Beitrag zu dieser Debatte geleistet und dabei gezeigt, dass das 4,2 ka Ereignis auf der süd-iberischen Halbinsel deutlich komplexer ausgeprägt war als bisher angenommen. Demnach herrschte zwischen ca. 4400 und 4300 Jahren vor heute eine etwa 100-jährige Dürre, die sich vor allem durch reduzierte Niederschläge im Winter auszeichnete. Darauf folgte relative abrupt eine stabilere, humidere  Phase zwischen ca. 4300 und 3800 Jahren vor heute, die vor allem durch erhöhte Niederschläge im Winter gekennzeichnet war. Diese rasche Änderung ist vermutlich auf eine Verschiebung der Nord-Atlantischen Oszillation zurückzuführen.

Schirrmacher, J., Weinelt, M., Blanz, T., Andersen, N., Salgueiro, E., Schneider, R.S. 2019. Multi-decadal atmospheric and marine climate variability in southern Iberia during the mid- to late-Holocence. Clim. Past 15, 617-634.


04.06.2019

Atlas of Neolithic plant remains from northern central Europe

  Atlas of Neolithic plant remains

Der „Atlas of Neolithic plant remains from northern central Europe“ ist als Band 4 der Reihe “Advances in Archaeobotany” erschienen. Er wurde von Wiebke Kirleis, Sprecherin des SFB 1266 und Teilprojektleiterin von F3 und D1, abgefasst und entstand unter anderem aus ihren Arbeiten im SFB 1266. Der Atlas versammelt hochwertige Makrophotographien von alten Pflanzenresten aus 36 jungsteinzeitlichen Fundorten der Linearbandkeramik, Trichterbecherzeit, Einzelgrabkultur und Dolchzeit und gibt somit einen Überblick, welche Nutz- und Wildpflanzen verfügbar waren. Er bildet so ein grundlegendes Referenzwerk für zukünftige archäobotanische Untersuchungen dieser Epoche. Kurzbeschreibungen der Archäologie der Fundplätze ergänzen den umfangreichen Katalog der Pflanzenreste. Der Atlas ergänzt das Digital Plant Atlas project und ist bei Barkhuis publishing erschienen.

Zum Verlag Barkhuis publishing

Kirleis, W. 2019. Atlas of Neolithic plant remains from northern central Europe, Advances in Archaeobotany 4. Eelde: Barkhuis publishing. ISBN 9789492444912 


20.05.2019

Gesichtsurnen – Menschenbilder der Vergangenheit

  Gesichtsurnen

Gesichter faszinieren, besonders die der Vergangenheit. Gesichtsdarstellungen rückten bereits früh in das Interesse von Sammlern und Museen.

Jutta Kneisel, Projektleiterin des SFB 1266 Teilprojektes D3, hat einen anschaulichen Band über anthropomorphe Gefäße veröffentlicht. In der Bronze- und Eisenzeit wurden sie vor allem als Grabgefäße genutzt. Das vorliegende Buch beinhaltet die aktuellen Forschungsergebnisse zu den Gesichtsurnen. Den Leser erwartet in diesem reich bebilderten Band ein Einblick in das Leben einer Gesellschaft vor knapp 3000 Jahren.
Wer war die bedeutende Frau und welche Rolle spielte der alte Mann? Wir lernen Kinder und Krieger kennen und erfahren etwas über Handel und Tauschnetzwerke, die bereits damals quer durch Europa führten. Dabei spielen für die Untersuchungen Gesichtserkennung und die Bedeutung des Gesichtes eine wesentliche Rolle. Der spannende Beitrag ist im Habelt Verlag, Bonn, erschienen.

Zum Habelt Verlag

Kneisel, J. 2019Gesichtsurnen. Menschenbilder der Vergangenheit.Bonn: Dr. Rudolf Habelt GmbH.


15.05.2019

Langfristige Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in das Stymphalia See-Ökosystem

  Stymphalia-See

Am Stymphalia-See kämpfte der Sage nach Herakles gegen die Stymphalischen Vögel. Heute kämpft der See wegen des Raubbaus an seinen Wasserressourcen ums Überleben, obwohl er als Natura2000-Gebiet (eigentlich) geschützt sein sollte.

Ein in der aktuellen Ausgabe der Quaternary Science Reviews erschienener Artikel des Teilprojektes E1 zeigt, dass es bereits während der letzten 2500 zu drastischen Veränderungen des See-Ökosystems kam. Diese waren schon damals durch menschliche Eingriffe verursacht worden.

Gerade in Zeiten von durch den Menschen verursachter globaler Klimaerwärmung und Umweltzerstörung ist dieser exemplarische Blick in die Vergangenheit besonders wichtig, um die langfristigen Auswirkungen von menschlichen Eingriffen in die Umwelt besser verstehen zu können.

Seguin, J., Bintliff, J. L., Grootes, P. M., Bauersachs, T., Dörfler, W., Heymann, C., Manning, S.W., Müller, S., Nadeau, M.-J., Nelle, O., Steier, P., Weber, J., Wild, E.-M., Zagana, E., Unkel, I. 2019. 2500 years of anthropogenic and climatic landscape transformation in the Stymphalia polje, Greece. Quaternary Science Reviews 213, 133-154.  DOI

Abbildung: Joana Seguin während der Feldarbeiten am Stymphalia See, Griechenland.


26.04.2019

Kontinuitäten und Diskontinuitäten von Siedlungsplätzen während Transformationsprozessen im Mittel- und Jungneolithikum in Ostholstein

  Oldenburg Siedlungsplatz

In der aktuellen Ausgabe der Praehistorsichen Zeitschrift stellt das Teilprojekt C1 seine in Kooperation mit den Teilprojekten B2, F3 und F5 erzielten Ergebnisse der Ausgrabungen an einem mittel- und jungneolithischen Siedlungsplatz mit Feuchtbodenerhaltung im Untersuchungsgebiet Ostholstein vor. Der Artikel verbindet in ausführlicher Weise archäologische, archäobotanische und archäzoologische Ergebnisse, die innerhalb des SFB 1266 in den Jahren 2016-2018 interdisziplinär erzielt wurden. Dabei ließen sich, ausgehend von dem neu gegrabenen Fundplatz, sowohl Kontinuitäten als auch Diskontinuitäten auf regionaler Ebene nachweisen. Insbesondere die Platzkontinuität von Siedlungen erweist sich demnach für das Verständnis der Transformationsprozesses vom Mittel- zum Jungneolithikum in der Norddeutschen Tiefebene von entscheidender Bedeutung.

Brozio, J.P.Filipovic, D.Schmölcke, U.Kirleis, W.Müller, J. 2018. Mittel- bis jungneolithische Siedlungshinterlassenschaften zwischen 3300–2600 v. Chr. Der Fundplatz Oldenburg LA 232 im Oldenburger Graben, Ostholstein. Praehistorische Zeitschrift 93 (2), 185-224. DOI

Abbildung: Rekonstruktion des Siedlungsplatzes Oldenburg LA 232 in seinem lokalen Umfeld.


18.02.2019

Die Menschen der Bronzezeit: Neueste Forschung zur Populationsgenetik, Lebensweise und Kultur im Kaukasus

  Kultur im Kaukasus

Eine kürzlich in Nature Communications veröffentlichte Studie zu palaeogenetischen Untersuchungen bezeugt die komplexe Interaktion von Bevölkerungsgruppen der eurasischen Steppe und der vorderasiatischen Bergländer im Zeitraum zwischen 6500 und 3500 vor unserer Zeitrechnung.

Die Studie fußt auf den Analysen genomweiter Daten von 45 Individuen aus der Steppen- und der Gebirgszone des Nordkaukasus. Die Untersuchungen wurden vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI-SHH) und der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin koordiniert. Zwei der untersuchten Individuen entstammen dem Gräberfeld „Kudachurt 14“, zentrales Forschungsobjekt der interdisziplinären Promotion von Katharina Fuchs (SFB Teilprojekt Z1).

mehr Informationen: CAU Pressemitteilung

Zum Artikel der Nature Communications

Chuan-Chao Wang et al., 2019. Ancient human genome-wide data from a 3000-year interval in the Caucasus corresponds with eco-geographic regions. Nature Communications.

Abbildung: Der Elbrus, mit mehr als 5600 Metern der höchste Berg des Kaukasus und Europas, umgeben von Bergketten, Gebirgsflanken und Hochtälern (Sabine Reinhold, DAI Berlin).


18.02.2019

Special Issue

Think global, act local! Bell Beakers in Europe

  Publication Think global, act global

Die Special Issue 4 des Journal of Neolithic Archaeology präsentiert eine Reihe von Artikeln zu Vorträgen des „Archaéologie et Goblets“ - Glockenbecher-Workshops „Think global, act local“, der im Mai 2017 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stattfand. „Archaéologie et Goblets“ ist ein Netzwerk europäischer Archäologen, die sich der der Erforschung des Glockenbecherphänomens widmen, einer Kulturerscheinung, die im Europa des 3. Jahrtausend v.u.Z. eine wichtige Rolle in der transregionalen Distribution materieller Kultur sowie sozialer und ökonomischer Innovationen spielte.

Die Artikel der Sonderausgabe liefern Hintergrundinformationen zu den Transformationsprozessen, die insbesondere in den SFB-Teilprojekten C1 und F1 erforscht werden, die sich mit Norddeutschland und dem westlichen Mittelmeerraum beschäftigen. Eine Druckversion ist in Kürze erhältlich.

Zur Special Issue des Journal of Neolithic Archaeology

Kleijne, J.P., Furholt, M., Müller J. (eds.) 2018. Think global, act local. Bell Beakers in Europe, Proceedings of the Bell Beaker Workshop Kiel 2017. Journal of Neolithic Archaeology  2018, Special Issue 4.


09.01.2019

PRÄHISTORISCHE DEMOGRAPHIE

Neue Studie liefert Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung in Europa und im Nahen Osten im Zeitraum von 6000 bis 1000 vor Christus.

Prähistorische Demographie Karte

Auf der Karte sind die Gebiete ersichtlich, für die erstmals die Bevölkerungsdichten für urgeschichtliche Zeiten großräumig rekonstruiert wurden. (Abbildung aus Artikel, open access)

Genaue Bevölkerungszahlen für lang zurückliegende Zeiten zu ermitteln ist schwierig, denn sie lassen sich nur indirekt über die Auswertung von archäologischen Funden ermitteln. Eine am 2. Januar in der Online-Zeitschrift PLOS ONE veröffentlichte Studie legt nun neue Ergebnisse zur absoluten Bevölkerungsdichte in Europa und im Vorderen Orient für den Zeitraum von circa 6000 bis 1000 vor Christus vor. Den Wissenschaftlern Dr. Aleksandr Diachenko vom Archäologischen Institut der Nationalakademie der Wissenschaften, Kiew (Ukraine), und Professor Johannes Müller, Sprecher des SFB 1266, ist es gelungen, die Bevölkerungszahlen für weite Teile Europas und Mesopotamiens zu rekonstruieren. Dazu führten sie das primär auf Ausgrabungsergebnissen beruhende Expertenwissen aus wissenschaftlichen Studien zu unterschiedlichen Kleinregionen zusammen und gewannen daraus absolute Einwohnerzahlen und Informationen über die Dichte der Bevölkerung vor Tausenden von Jahren.

Zur Pressemitteilung

Müller, J., Diachenko, A. 2019. Tracing long-term demographic changes: The issue of spatial scales. PLoS ONE 14 (1): e0208739. PlosOne 


23.11.2018

Aktuelle Publikation von B2: Frühmesolithische Aktivitätsmuster im Gebiet des Duvensees, Schleswig-Holstein

Beilschäftung aus Duvensee

In dem jüngst in der Fachzeitschrift “The Holocene” erschienenen Artikel „Early Mesolithic activities at ancient Lake Duvensee“ präsentiert das Teilprojekt B2 erste Ergebnisse zu einem zentralen Fundplatz des frühen Holozäns in Norddeutschland. Gemeinsam mit Expertise aus Teilprojekt F2 und unter der Anwendung archäologischer und paläoökologischer Methoden erlangten die Wissenschaftler neue Einblicke in das Residenz- und Subsistenzverhalten der frühmesolithischen Menschen im nordeuropäischen Fokus des SFB 1266.

Abstract:

‘The ancient lake Duvensee in Schleswig-Holstein, Germany, is one of the prime locations in northern Europe for early Holocene research. Archaeological sites on the former lakeshore provide vivid illustrations of early Mesolithic life, with bark mats and other organic finds preserved, including evidence for the extensive use of hazelnuts. Although the area has been the subject of research for almost 100 years, a coherent summary of these discoveries has not yet been written. Here we review past research at Duvensee, and give some prospects for further research. We show that the Duvensee sites varied in their structure and chronology. While only a limited number of sites can be connected to hazelnut exploitation, some of them show signs of hafting and retooling and other domestic activities. At a few sites, specific hearths were excavated which can be connected with hazelnut roasting and other subsistence activities. Finally, we show that while most earlier studies focused almost exclusively on archaeological research questions, Duvensee has the potential to reveal not only transformations in human behaviour, but also environmental changes at a detailed scale; we therefore argue for a more holistic perspective and multidisciplinary approach to reconstructing prehistoric landscapes and cultural transformations.’

Groß, D., Lübke, H., Schmölcke, U., Zanon, M., 2018. Early Mesolithic activities at ancient Lake Duvensee, northern Germany. The Holocene 29 (2), 1–12. DOI 

Abbildung: Der Fund einer Beilschäftung (Duvensee WP 1)  mit Resten den Holzschaftes zeugt von den außerordentlich guten Erhaltungsbedingungen der Fundplätze im Duvenseer Moor (copyright: Archäologisches Landesmuseum Schleswig-Holstein; Groß et al. 2018, Abb. 6, S. 4).


15.11.2018

Neue SFB- Forschungen für einen bronzezeitlichen Tell im Karpatenbecken veröffentlicht: Internationale Ausgrabungen in Kakucs-Turján

Kakucs-Turján

Die aktuelle Publikation legt die ersten Ergebnisse zur Fundstelle Kakucs-Turján vor, die in den letzten Jahren von einem Forschungsteam aus polnischen, ungarischen und deutschen Archäologen und weiteren Spezialisten ausgegraben und untersucht wurde. Die Auswertung der mehrschichtigen Stratigraphie erlaubt die Rekonstruktion einer komplexen Siedlungsgeschichte und Hinweise zu ihrer ökonomischen Nutzung. Analysen des archäologischen und paläo-ökologischen Materials geben Auskunft über grundlegenden Entwicklungsmerkmale der mittelbronzezeitlichen Vataya Kultur: Charakteristisch waren lokale Traditionen, die in das größere kulturelle Netzwerk des Karpatenbeckens eingebunden waren.

Der Siedlungsplatz von Kakucs-Turján ist auch Teil der archäobotanischen Forschungen zur bronzezeitlichen Pflanzenökonomie im Karpatenbecken von Teilprojekt F3 und steht im  Rahmen der anvisierten diachronen Vergleiche des Teilprojektes C2, nachzulesen in Kapitel 1, 6 und 9. In Kiel sind darüber hinaus die Johanna Mestorf Academy und die Graduiertenschule "Human Development in Landscapes" federführend.

Jaeger, M., Kulscár, G.,Taylor, N., Staniuk, R. (eds.), 2018Kakucs-Turján. A Middle Bronze Age multi-layered fortified settlement in Central Hungary. Studien zur Archäologie in Ostmitteleuropa 18. Bonn: Dr. Rudolf Habelt GmbH, 13–21. ISBN 978-3-7749-4149-6

Kapitelnachweise:

Jaeger, M., Kirleis, W., Kiss, V., Kulsár, G., Müller, J., Staniuk, R., Taylor, N., 2018. Kakucs Archaeological Expedition, 13–21.

Jaeger, M., Staniuk, R., Müller, J., Kulsár, G., Taylor, N., 2018. History of the Bronze Age Habitation, 97–118.

Filatova, S., Gissel, C., Filipović, D., Kirleis, W., 2018. The plant economy at the Bronze Age site of Kakucs-Turján: first archaeobotanical results, 175–187.


15.11.2018

Isotopen im Fokus: Die Neolithisierung im nördlichen Zentraleuropa

Grafik Isotopen

Der jüngst im Journal of Archaeological Science erschienene Artikel legt wichtige Ergebnisse für die Neolithisierungsprozesse im nordeuropäischen Fokus des SFB 1266 vor. Zu den Analysen, die sich insbesondere auf Ernährungsindikatoren der Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen konzentrierten, haben Forschungen in den Teilprojekten der Cluster B und Cluster C beigetragen.

Abstract:

‘There is a long lasting debate on the nature of the neolithisation process in the northern European lowlands and in southern Scandinavia. Early evidence of domesticates and crop cultivation indicate a transition to farming in this area during the late 5th millennium cal BC. However, there is limited information how this process took place and to what extent the new economy was adopted during the subsequent centuries. (…) Farming economy was introduced in all parts of the lowlands during the early 4th millennium cal BC, but it was not before the 3rd millennium cal BC that it became fully established on a general scale. Our results correspond well with archaeobotanic evidence. They also contribute important information to the discussion of palaeogenetic data, which provide evidence for autochthonous individuals with signals of hunter-gatherer ancestry in farming societies until c. 3000 cal BC.’

Terberger, T., Burger, J., Lüth, F., Müller, J., Piezonka, H. 2018. Step by step – The neolithisation of Northern Central Europe in the light of stable isotope analyses. Journal of Archaeological Science  99, 66–86. DOI

Abbildung: Die Ergebnisse der Kohlenstoff- und Stickstoffisotope für Individuen des Spätatlantische Mesolithikums und Neolithikums in Norddeutschland (Terberger et al. 2018, Abb. 7, S. 80).


02.11.2018

Antiquity Project Gallery: Präsentation des "Hirsedatierungsprogramms“ der SFB 1266 Teilprojekte F3 und G1

Hirse groß

In der Project Gallery der Zeitschrift Antiquity wird das "Hirsedatierungsprogramms“ der SFB1266 Teilprojekte F3 und G1 vorgestellt. Die Ankunft und Ausbreitung der Rispenhirse mit ihrer fernöstlicher Herkunft in Mitteleuropa ist bislang nicht zufriedenstellend geklärt. Um abzusichern, ob das Aufkommen der Rispenhirse mit einem tiefgreifenden landwirtschaftlichen und gesellschaftichen Wandel im Verlauf der Bronzezeit in Zusammenhang steht, starteten die SFB Teilprojekte F3 und G1 ein Programm zur Radiokarbondatierung von Körnern der Gemeinen Hirse (Panicum miliaceum) aus unterschiedlichen europäischen bronzezeitlichen und neolithischen Fundstätten. Erste absolutchronologische Studien an Körnern aus neolithischen archäologischen Kontexten erregten Zweifel daran, dass Hirse bereits vor der Bronzezeit als Nutzpflanze angebaut wurde.

Das Projekt, in dem mehrere Publikationen geplant sind, erfolgt in Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen und Einrichtungen aus Europa. Wie in der Oktoberausgabe der Antiquity Project Gallery vorgestellt, konzentriert sich die Initialphase des Programms auf Material aus Norddeutschland. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Hirseanbau hier vermutlich in der jüngeren Bronzezeit um 1200 v. u. Z. begann–eine Zeit, die von Änderungen im alltäglichen Leben, in Ideologien und Siedlungsverhalten geprägt war. Weitere Datirungsergebnisse werden für das südliche Mitteleuropa, Osteuropa, und Südosteuropa erwartet. In einem nächsten Schritt untersucht das Projekt sodann, wie landwirtschaftliche Innovationen mit Entwicklungen in anderen Lebensbereichen zusammenwirkten.

Mehr zum Verlauf des Projektes ‘Before and after: millet cultivation and the transformation of prehistoric crop production in northern Germany’ finden Sie hier: Cambridge Core Antiquity

Filipović, D.Meadows, J., Wiethold, J., Jahns, S., Bittmann, F., Kirleis, W.2018. Before and after: millet cultivation and the transformation of prehistoric crop production in northern Germany. Antiquity 92, 1–6. DOI

Foto: Detaillierte Dokumentation von Hirsekörnern (D. Filipovic)


14.05.2018

aDNA-Forschung im SFB 1266: Steinzeitliches Hepatitis-B-Virus genetisch entschlüsselt  

The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography

Neu eLIFE publizierte Forschungsergebnisse belegen erstmalig den Nachweis viraler DNA aus archäologischen Proben (aDNA=ancient DNA) und zeigen, dass das Hepatitis-B-Virus (HBV) bereits seit mindestens 7.000 Jahren in Europa vorkommt.

Die aktuelle Studie wurde unter der Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Teilprojekt F4 „Infektiöse Erkrankungen in prähistorischen Populationen“ und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (MPI) durchgeführt. Neben Teilprojekt F4 ist auch D2 mit dem Fundkontext Sorsum als Forschungsobjekt neolithischer Transformationen im Gebiet der Mitteldeutschen Tiefebene beteiligt. Die Ergebnisse stellen einen methodischen Durchbruch in der aDNA-Analyse viraler Pathogene dar und rücken die Entwicklungsgeschichte von Hepatitis B, die mit jährlich 250 Millionen infizierten Menschen eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten ist, in ein neues Licht.

Kartierung

Mehr Informationen, auch zur thematischen Relevanz im SFB 1266, und Stellungnahmen der verantwortlichen Autoren Ben Krause-Kyora (SFB 1266, Institut für Klinische Molekularbiologie) und Johannes Krause (MPI Jena) finden Sie in der offiziellen Pressemitteilung der CAU

Krause-Kyora, B., Susat, J., Key, F., Kühnert, D., Bosse, E., Immel, A.Rinne, C., Kornell, S.-K., Yepes, D., Franzenburg, S., Heyne, H.O., Meier, T., Lösch, S., Meller, H., Friederich, S., Nicklisch, N., Alt, K.W., Schreiber, S., Tholey, A., Herbig, A., Nebel, A., Krause, J. 2018. Neolithic and Medieval virus genomes reveal complex evolution of Hepatitis B. eLIFE Genomics and Genomics, Microbiology and infectious disease. Short report May 10, 2018. DOI

Foto: Schädel einer jungsteinzeitlichen HBV-infizierten Person aus Karsdorf, Sachsen-Anhalt. Es handelt sich um einen Mann, gestorben im Alter von 25-30 Jahren. (N. Nicklisch) / Abbildung: Fundstellen der Proben von HBV-infizierten Personen. Die Symbole zeigen das Probenmaterial an (von Zähnen oder Mumien stammend). Proben, die für die vorliegende Studie verwendet wurden, sind schwarz umrahmt (Krause-Kyora et al. 2018, Abb. A).


19.04.2018

„Critical Physical Geography in Practice“: Buchbeitrag von SFB 1266 PostDoc Daniel Knitter    

The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography

Landschaftsarchäologie, das ist ein sich zunehmend etablierendes Forschungsfeld, in dem Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftler in interdisziplinärer Zusammenarbeit Fragen der Mensch-Umwelt Interaktion sowie der menschlichen Wahrnehmung und Schaffung von Landschaften untersuchen. Im SFB 1266 spielen landschaftsarchäologische Fragestellungen eine besondere Rolle und werden vor dem Hintergrund prähistorischer Transformation beleuchtet. In Zusammenarbeit mit Kollegen der Physischen Geographie der FU Berlin diskutiert Daniel Knitter, PostDoc in Teilprojekt A2, in dem jüngst erschienen Buchbeitrag Herausforderungen und Schwierigkeiten der Analyse landschaftsarchäologischer Systeme. Anhand der Hauptthemen (Skale und Ort, Ursache und Prozess, sowie Systemreaktion) verdeutlichen die Autoren, wie mittels einer kritisch physisch-geographischen Perspektive Problemstellungen offengelegt und, im besten Fall, gelöst werden können. Ihr Resümee ist, dass landschaftsarchäologische Forschung nur dann erfolgreich sein kann, wenn neben gegenseitigem Respekt und Offenheit der beteiligten Akteure aus den verschiedenen Disziplinen auch der Wille zum Erlernen fachfremder Sprache und entsprechender grundlegender Konzepte vorliegen.

Knitter D., Bebermeier W., Krause J., Schütt B. 2018. Critical Physical Geography in Practice: Landscape Archaeology. In: Lave R., Biermann C., Lane S. (eds.), The Palgrave Handbook of Critical Physical Geography. Cham: Palgrave Macmillan, 179–200. Abstract  


21.03.2018

Siedlungsplätze von Jäger-Sammlern: Vergleichende Betrachtung zum Frühmesolithikum im Ostseeraum

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

Im kürzlich erschienenen Artikel „People, lakes and seashores: Studies from the Baltic Sea basin and adjacent areas in the early and Mid-Holocene” stellen Daniel Groß, Harald Lübke (SFB 1266 Teilprojekt B2) sowie Stefan Dreibrodt (Teilprojekt F2) mit weiteren acht Kollegen Forschungen zum Mesolithikum im Ostseeraum in einen vergleichenden Kontext vor. Der Beitrag entstand im Rahmen der Session “Riverbanks and Seashores: The Baltic Sea basin and adjacent areais in the Early and Mid-Holocene” des internationalen Workshops “Socio-Environmental Dynamics over the Last 12,000 Years: The Creation of Landscapes V”, der 2017 von der Graduiertenschule “Human Development in Landscapes” und dem SFB 1266 an der CAU Kiel ausgerichtet wurde.

Der Beitrag betrachtet verschiedene archäologische Fallstudien und diskutiert unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Lagerplatzwahl mesolithischer Jäger-und-Sammler. Hierbei werden sowohl klimageschichtliche als auch ethnoarchäologische Perspektiven aufgezeigt, die auf die Variabilität und den Facettenreichtum prähistorischer Fundplätze eingewirkt haben können, als auch Möglichkeiten zur Fernerkundung und Archäoprognose diskutiert. Die Autoren unterstreichen, dass eine breite und zugleich vergleichbare Datenbasis relevant ist, um Transformationen im Mesolithikum besser nachvollziehen zu können. Darüber hinaus argumentieren sie für eine differenzierte Sichtweise in Bezug auf solche Gesellschaften, die es ermöglichen lokale und überregionale kulturelle Ausprägungen voneinander abzugrenzen und zu verstehen.

Abbildung: Chronologie der behandelten Fundplätze. Darüber hinaus sind Klima-Events, Stadien der Ostsee und Pollenanalytische Chronozonen des nördlichen Zentraleuropas eingetragen (Groß et al 2018, Abb. 2, S. 29).

Groß, D., Zander, A., Boethius, A., Dreibrodt, S., Grøn, O., Hansson, A., Jessen, C., Koivisto, S., Larsson, L., Lübke, H., Nilsson, B., 2018. People, lakes and seashores: Studies from the Baltic Sea basin and adjacent areas in the early and Mid-Holocene. Quaternary Science Reviews 185, 27–40. DOI 


08.01.2018

Subsistenz im Mesolithikum: Neue Forschungen zu Transformationen im südwestlichen Küstengebiet Norwegens

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

Im kürzlich erschienenen Artikel “Towards a refined understanding of the use of coastal zones in the Mesolithic: New investigations on human–environment interactions in Telemark, southeastern Norway.” erläutern  die AutorInnen, M. Wieckowska-Lüth, W. Kirleis, stellvertretende Sprecherin des SFB 1266 und Teilprojektleitung F3, S. Solheim und A. Schülke, beide Museum of Cultural History, Oslo University, mögliche anthropogene Einflüsse auf die Vegetation im Mesolithikum anhand des Vergleichs von Pollen-Analysen eines Sedimentkerns mit Daten archäologischer Ausgrabungen. Sie zeigen, dass sich palyonologische und archäologische Daten unterstützen und ergänzen können, um Transformationen sowohl der Waldzusammensetzung (Anteil der Linde) als auch der Fundplatzmuster (Anlage von Werkplätzen) zu erklären.

Im Rahmen von archäologischen Rettungsgrabungen im Vorfeld des Eisenbahnbaus im Landkreis Telemark, SO-Norwegen,  wurden an der Universität Kiel palynologische Untersuchungen an einem Sedimentkern aus dem Skogstjern-See durchgeführt. Die Daten ergaben detaillierte Informationen über die Vegetationsgeschichte des Küstengebietes und zeigen, dass die küstennahen Wälder im Mesolithikum wiederholt vom Menschen genutzt und sowohl absichtlich als auch zufällig in ihrer Zusammensetzung verändert wurden. Die Zusammenführung der Pollendaten mit den archäologischen Ergebnissen zeigt, dass die Einwanderung der Linde und die wiederholten Anstiege der zugehörigen Tilia-Pollenkurve einhergehen mit der Produktion von Nøstvet-Äxten. Daraus läßt sich ableiten, dass die Verfügbarkeit der Ressource Lindenholz und -bast die Axtproduktion stimuliert hat. Generell wurde das Holz der Linde aufgrund seiner mechanischen Eigenschaften und dem leichten Gewicht im Mesolithikum bevorzugt zur Herstellung von Einbäumen genutzt.

Abbildung: Summierte Wahrscheinlichkeitsverteilung aller publizierten 14C-Daten (n = 57) von 18 Fundstellen in Südost-Norwegen, die Nøstvet-Äxte und Produktionsrückstände enthielten im Vergleich zur prozentualen Verteilung von Tilia und Betula im Pollendiagramm. Das Fallen der Tilia-Kurve repräsentiert den Rückgang der Bewaldung und die Nutzung der Linde, wohingegen der Anstieg der Betula-Kurve den Beginn der Waldregeneration mit der Pionierart Birke anzeigt.

Wieckowska-Lüth, M., Solheim, S., Schülke A., Kirleis, W., 2018. Towards a refined understanding of the use of coastal zones in the Mesolithic: New investigations on human-environment interactions in Telemark, southeastern Norway. Journal of Archaeological Science 17, 839–851. DOI 


23.10.2017

Neue Publikationen zu Bevölkerungsagglomerationen, sozialer Ungleichheit und Formen zentralisierter Macht vom Neolithikum bis zur Eisenzeit

Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa

In den von SFB 1266 Sprecher Johannes Müller kürzlich erschienenen Publikationen werden Aspekte von Bevölkerungsentwicklungen beleuchtet, die in Zusammenhang mit der Entstehung sozialer Ungleichheiten und Formen zentralisierter Kontrolle im prähistorischen Europa stehen. Die Forschungen resultieren aus langjährigen Kollaborationen der Ur- und Frühgeschichte sowie GSHDL der CAU Kiel mit Projektpartnern aus der Balkan-Region und dem nordpontischen Raum, zentrale Untersuchungsobjekte der interdisziplinären Feldarbeiten sind archäologische und paläo-ökologische Archive neolithischer Siedlungen und chalkolitischer „Mega-Sites“. Zusätzlich zum inhaltlichen Fokus der „Human Development in Landscapes“ sind die Ergebnisse relevant für Forschungsfragen zu sozialen und ökonomischen Transformationen des SFB 1266, insbesondere der Teilprojekte A1 und D1 sowie den Querschnittsgruppen „Ökonomie: Stabilität und Transformation“ und „Soziale Organisation und Geschaffener Raum“.

In “From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control” werden aus diachroner Perspektive ökonomische und soziale Strukturen von prähistorischen Bevölkerungskonzentrationen diskutiert. Müller sieht als möglichen Auslöser für den Niedergang dieser frühen proto-urbanen Gesellschaften deren Vulnerabilität gegenüber Veränderungen im politischen Systemen. Fehlende nachhaltige Etablierung solcher proto-urbanen Strukturen ist in Südosteuropa nicht auf generellen Populationswachstum zurückzuführen, sondern auf soziale Sensitivität und den Grad ausgeübter sozio-politischer Kontrolle innerhalb der Bevölkerungskonzentrationen. Dies stünde im Gegensatz zu späteren Besiedlungsformen im Nahen Osten. In gemeinsamer Autorenschaft mit GSHDL und SFB 1266 Wissenschaftlern Vesa Arponen, Robert Hofmann und René Ohlrau werden in “The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies” neue methodische und konzeptuelle Ansätze zur Identifikation sozialer Ungleichheit und Formen sozialer Kontrolle vorgestellt. Hierbei dienen die archäologischen Nachweise von Hausbefunden neolithischer Siedlungen des Balkans und chalkolitischer Mega-Sites des nordpontischen Raumes als Proxies, wie beispielsweise die soziale Bedeutung eines Haushaltes durch den Vergleich von Architektur und Fundinventar. In “Inheritance, population development and social identities” beschäftigt sich Johannes Müller mit der Rolle von Hausgemeinschaften und Vererbungsregeln im südöstlichen Europa zwischen 5200-4300 v.u.Z.  Institutionelle und regulatorische Charakteristika dieser Konzepte werden anhand konkreter archäologischer Proxies, unter anderem Hausgröße, Siedlungsstruktur, oder Bevölkerungsdichte, diskutiert.

Müller, J., From the Neolithic to the Iron Age – Demography and Social Agglomeration. The Development of Centralized Control. In: Manuel Fernández-Götz und Dirk Krause (Ed.): Eurasia at the Dawn of History. Urbanization and Social Change. New York: Cambridge University Press, 2017, p. 106–124.

Müller, J.; Arponen, V. P.; Hofmann, R.; Ohlrau, R., The Appearance of social inequalities: Cases of Neolithic and Chacolithic Societies. In: Andrea Cardarelli, Alberto Cazalla und Marcella Fangipane (Ed.): Preistoria e protostoria delle civilta antiche. Thematic issue: The Origin of Inequality. [S.l.]: GANGEMI (Origini. Preistoria e protostoria delle civiltà antiche - Prehistory and protohistory of ancient civilizations, XXXVIII, 2015-2), 2017, p. 65–83.

Müller, J., Inheritance, population development and social identities. Southeast Europe 5200-4300 BCE. In: Maja Gori und Maria Ivanova (Hg.): Balkan Dialogues. Negotiating Identity between Prehistory and the Present. Florence: Taylor and Francis (Routledge Studies in Archaeology) 2017, p. 156–168.

Bild: Müller, Beispiele verschiedener Siedlungsstrukturen aus dem zentralen und südöstlichem Europa. Unterschiedliche Erbschaftsregeln können im archäologischen Befund anhand räumlicher Verteilungsmuster, Größe und Nutzungskontinuitäten von Behausungen interpretiert werden: Primogenitur statt geteilte Vererbung (J. Müller, Inheritance, population development and social identities, S. 162).


12.04.2017

Neue Publikation zur Kalibration eines portablen Röntgenfluoreszenzgerätes    

Abbildung geochemische Zusammensetzung Grube

Aktuelle Veröffentlichung: Kalibration des portablen Röntgenfluoreszenzgerätes der Graduiertenschule illustriert am Beispiel der geochemischen Zusammensetzung der Füllung einer linearbandkeramischen hausbegleitenden Grube vom Standort Vráble, Slowakei    

Das an der Graduiertenschule „Human Development in Landscapes“ nutzbare portable xrf Gerät wurde in einem Eich- und Kalibrierungsexperiment mit 80 Proben, deren Elementzusammensetzung aus konventionellen xrf Messungen bekannt war, hinsichtlich seiner Eignung zur quantitativen Messungen von mineralischen Archäosedimentproben erfolgreich getestet. Am Beispiel der Füllung einer hausbegleitenden Längsgrube eines linearbandkeramischen Hauses wurde getestet, ob aus dem Phosphorgehalt der Grubenfüllung Informationen über die Einwohnerzahlen bandkeramischer Häuser abgeleitet werden können. Die vergleichsweise geringen Phosphorgehalte der Grubenfüllung zeigen, dass auch postdepositionale Prozesse, die Verluste des ursprünglichen Phosphorgehaltes erklären bzw. differenziertere Modelle der Stoffflüsse zur paläodemographischen Interpretation geochemischer Daten aus archäologischen Befunden herangezogen werden müssen. Beteiligte SFB 1266 Autoren sind Stefan Dreibrodt (F2), Martin Furholt (C2), Robert Hofmann (D1) und Martin Hinz (F1).

Dreibrodt, S., Furholt, M., Hofmann, R., Hinz, M., Cheben I., P-ed-XRF-geochemical signatures of a 7300 year old Linear Band Pottery house ditch fill at Vráble-Ve'lké Lehemby, Slovakia - House inhabitation and post-depositional processes. Quaternary International, 2017 (in press). DOI: 10.1016/j.quaint.2017.03.054
 


07.03.2017

Neue Publikation zur Erforschung von Maidanetske – ein Schlüsselfundplatz chalkolitischer Tripolye-Cucuteni „Mega-Sites"

Maidanetske

Im prähistorischen Europa stellen Bevölkerungskonzentrationen mit über 10.000 Einwohnern pro Siedlung ein sehr seltenes Phänomen dar. In Osteuropa jedoch sind chalkolitische „Mega-Sites“ bereits vor 50 Jahren von sowjetischen, ukrainischen und moldawischen Forschern freigelegt worden; Großsiedlungen mit über 2000 Häusern verteilt auf bis zu 250 Hektar Fläche. Seitdem stehen diese „Mega-Sites“ im Focus multidisziplinärer Untersuchungen.
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23.12.2016

Als Hirse auf den Speiseplan des Menschen kam: Publikation in Nature Scientific Reports

Karte Bruszczewo

Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung “First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels” in Nature Scientific Reports (Heron et al. 2016) berichten SFB 1266 Co-Sprecherin Wiebke Kirleis und Wissenschaftlerin Jutta Kneisel über neue molekulare Nachweismethoden von Hirse und ihrer Bedeutung als Nahrungspflanze in der Bronzezeit. Die Publikation entstand aus einer internationalen Kollaboration zwischen Professor Carl Heron, Spezialist in Bioarchäologie (Leiter Department of Archaeological Science, The British Museum, London) und sowie Wissenschaftler aus Polen, England, Japan, Südkorea, den Vereinigten Staaten von Amerika und Deutschland.

Für den SFB 1266 sind die Forschungsergebnisse insbesondere im Hinblick auf sich ändernde Ernährungsstrategien in der Bronzezeit von Bedeutung. In Speisekrustenresten wurden für Rispenhirse (Panicum miliaceum) spezifische molekulare Marker identifiziert. Die Nahrungsreste fanden sich an spätbronzezeitlicher Keramik von der Siedlungsgrabung Bruszczewo in Polen. Somit gelang der Nachweis, dass Hirse in der Spätbronzezeit Mitteleuropas zum Spektrum der Nahrungspflanzen gehörte und zur Diversifizierung der Ernährung beitrug. Der Wandel von Nahrungsmittelproduktion und deren soziale Dimensionen im diachronen Vergleich sind zentrale Themen des SFB 1266, insbesondere von Teilprojekt F3.

Beteiligte Autoren des SFB 1266 sind Johannes Müller (A1, C1, D1, F5, Z1), Wiebke Kirleis (D1, F3, Z1) und Jutta Kneisel (D3, F1).

Heron, C., Shoda, S., Breu Barcons, A., Czebreszuk, J., Eley, Y., Gorton, M., Kirleis, W., Kneisel, J., Lucquin, A., Müller, J., Nishida, Y., Son, J., Craig, O.E., First molecular and isotopic evidence of millet processing in prehistoric pottery vessels. Nature Scientific Reports 6, Article number: 38767 (2016) doi:10.1038/srep38767.

Foto/Copyright: Kneisel


14.12.2016

Neue Publikation zu einem Galeriegrab der spätneolithischen Wartberggruppe (3350-2900 calBC)

3-4 jähriges Kind bestattet im Galeriegrab von Niedetiefenbach

In einer interdisziplinären Pilotstudie kollaborierten Forscher der CAU Kiel, der Universität Zürich und dem Landesdenkmalamt Hessen. Neue Ergebnisse zur Datierung des Galeriegrabes und zu ausgewählten Krankheitsbildern auf Basis paläopathologischer, dentaler und molekulargenetischer Untersuchungen der menschlichen Überreste wurden jetzt in der Prähistorischen Zeitschrift publiziert. Beteiligt sind Mitarbeiter der SFB-Teilprojekte D2 und F4.

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